Das DFB-Team und die Abhängigkeit vom ersten Spiel

Legendäre Abwehraktion: Jérôme Boateng kratzte im ersten EM-Spiel 2016 gegen die Ukraine spektakulär einen Ball von der Linie.

Guter Start, gutes Abschneiden

Das DFB-Team und die Abhängigkeit vom ersten Spiel

Von Sebastian Hochrainer

Wenn es wie in der Vergangenheit läuft, weiß man nach dem Auftaktspiel der Nationalmannschaft gegen Frankreich, wie das Turnier für Deutschland laufen wird. Seit 2000 gilt: Ein guter Start führt zu einem guten Turnier - und andersrum.

Das Warten ist so gut wie vorbei. Am Dienstag (15.06.21) startet auch die deutsche Nationalmannschaft in die Fußball-Europameisterschaft, mit Weltmeister Frankreich trifft das DFB-Team gleich im ersten EURO-Spiel auf den wohl größten Favoriten auf den Titel - und wenn es nach den Erfahrungen dieses Jahrtausends geht, wird das Ergebnis dieser Partie eine große Aussagekraft über das deutsche Abschneiden haben.

Seit 2000: Deutschland startet durch oder fliegt sofort

In den zehn Welt- und Europameisterschaften seit 2000 gibt es einen klaren Trend. Gewinnt Deutschland das erste Spiel, geht es bis ins Halbfinale. Gewinnt Deutschland das erste Spiel nicht, ist schon nach der Gruppenphase Schluss. Ein Zwischending gibt es nicht.

Die deutschen Auftaktspiele seit 2000
TurnierErstes SpielAbschneiden
WM 20180:1 gegen MexikoGruppen-Aus
EM 20162:0 gegen UkraineHalbfinale
WM 20144:0 gegen PortugalWeltmeister
EM 20121:0 gegen PortugalHalbfinale
WM 20104:0 gegen AustralienDritter
EM 20082:0 gegen PolenFinale
WM 20064:2 gegen Costa RicaDritter
EM 20041:1 gegen NiedelandeGruppen-Aus
WM 20028:0 gegen Saudi-ArabienVize-Weltmeister
EM 20001:1 gegen RumänienGruppen-Aus

Bei der WM in Russland vor drei Jahren hat das Team von Bundestrainer Joachim Löw letztmals festgestellt, wie wichtig das Auftaktspiel ist. Deutschland verlor gegen Mexiko mit 0:1 und geriet gleich unter Druck. Das Ergebnis ist bekannt: Deutschland schied in der Gruppe aus, es folgte ein Umbruch und ein Imageverlust, der bis heute noch längst nicht aufgeholt ist.

Auf und Ab am Anfang des Jahrtausends

Denn eine solche Enttäuschung hatte man schon lange nicht mehr erlebt. Bei den sechs Turnieren zuvor schaffte es die DFB-Elf jedes Mal unter die letzten vier. Die Bilanz: Weltmeister, Vize-Europameister, zweimal WM-Dritter, zweimal Halbfinal-Aus. Und bei allen Turnieren legte ein erfolgreicher Start den Grundstein für den Erfolg. Das war ebenso beim Vize-Weltmeistertitel 2002 in Japan und Südkorea der Fall, als Deutschland Saudi-Arabien mit 8:0 deklassierte.

Rund um diesen Erfolg gab es zwei Misserfolge - ebenfalls verbunden mit nicht gewonnenen ersten Spielen. 2000 startete Deutschland bei der EM mit einem 1:1 gegen Rumänien, 2004 mit dem gleichen Ergebnis gegen die Niederlande und schied jeweils in der Gruppe aus.

Deutschland als Gruppendritter weiter?

Spätestens diese Statistik zeigt, wie wichtig der Auftakt für eine deutsche Nationalmannschaft ist. Es gibt jedoch einen Unterschied im Vergleich zu den anderen Turnieren, in denen Deutschland in der Gruppe scheiterte. Diesmal qualifizieren sich dank der Aufstockung des Teilnehmerfeldes auf 24 Teams auch die vier besten Gruppendritten für das Achtelfinale. Selbst bei einer Niederlage gegen Frankreich hätte Deutschland also größere Chancen aufs Weiterkommen als in der Vergangenheit nach einem misslungenen Start.

Stand: 14.06.2021, 11:20

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