Vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Portugal

DFB-Team - wie die Defensive Schwung bringen kann

Von Marcus Bark (Herzogenaurach)

Die deutsche Nationalmannschaft muss im zweiten Gruppenspiel der EURO 2020 gegen Portugal offensiv gefährlicher werden. Dabei ist auch die Defensive gefragt. Bundestrainer Joachim Löw könnte sich bei den Niederländern etwas abschauen.

Die Frage nach dem richtigen System wird in Deutschland vermutlich noch bis zum Anpfiff des Spiels gegen Portugal am Samstag (19.06.2021) diskutiert werden. Es gibt einige Optionen, es gibt aber eben auch Joachim Löw, der im Lauf seiner nun anderthalb Jahrzehnte als Bundestrainer zeigte, dass er auch nach Rückschlägen Überzeugungen beibehält.

Daher dürfte die Dreierkette in der Abwehr mit vier Spielern davor auch im zweiten Gruppenspiel die Wahl Löws sein.

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Die Aufgabe dieser sieben Spieler wird es sein, defensiv ähnlich stabil zu sein wie gegen Frankreich, aber auch die Offensive zu stärken, die gegen den Weltmeister Wünsche offen ließ.

Isolation der Außen

Es gibt auch innerhalb des 3-4-1-2-, 3-4-2-1- oder 3-4-3-Systems Möglichkeiten, die Spielanlage offensiver zu gestalten und dadurch zu mehr guten Abschlussmöglichkeiten zu kommen.

Gegen Frankreich war es häufig so, dass die äußeren Mittelfeldspieler Joshua Kimmich und Robin Gosens an ihren Seitenlinien den Ball bekamen und höchstens eine Option zum Abspiel hatten. Die andere war, eine hohe Flanke in den Strafraum zu schlagen. Angesichts der Besetzung im deutschen Sturm ist das eine wenig erfolgversprechende Option.

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Kimmich und Gosens zu häufig isoliert

Kimmich und Gosens waren häufig isoliert, den Franzosen wurde es dadurch recht einfach gemacht, Durchbrüche zumindest bis in die Nähe der Grundlinie zu verhindern.

"Es geht darum, mehr Leute offensiv in Position zu bringen", sagt Sportschau-Experte Thomas Broich, der das Problem gegen Frankreich nicht in der Grundformation, sondern in der Interpretation sah. Die Absicherung, vor allem gegen die Konter der Franzosen, war Löw wichtig, in den letzten 20 Minuten vielleicht sogar zu wichtig.

Can: "Die Innenverteidiger müssen gut andribbeln"

Wie das Offensivspiel aus den hinteren Reihen belebt werden kann, sagte Emre Can am Donnerstag (17.06.2021) nach dem Training in Herzogenaurach. "Die Innenverteidiger in der Dreierkette müssen gut andribbeln", so der Dortmunder, "die Außen müssen versuchen, das offensive Eins-gegen-Eins zu suchen."

Heißt also, dass Matthias Ginter, Mats Hummels und Antonio Rüdiger bei Gelegenheit den Raum vor sich mit Ball nutzen müssen, um den gesamten Mannschaftsblock schon mal weiter nach vorne zu bringen. Von Kimmich und Gosens, die vermutlich wieder außen spielen werden, verlangt Can direkte Duelle mit den portugiesischen Außenverteidigern.

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Die Niederlande als Vorbild

Besser wäre es aber, auch auf den Flügeln kombinieren zu können. Wie die Möglichkeit dazu bei einer Dreierkette erhöht wird, zeigten die Niederlande bei ihrem Auftaktsieg gegen die Ukraine.

Sobald der Ball im Aufbau auf die Flügel gespielt wurde, bewegte sich der äußere Innenverteidiger in Richtung der Seitenlinie und des Balles. So ergaben sich mehr Optionen für den ballführenden Spieler, manchmal sogar Überzahlsituationen. Das erleichterte Kombinationen, erhöhte aber auch die Chance, dass Seitenverlagerungen zum Erfolg führen.

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Der 1:0-Führungstreffer der Niederlande durch Georginio Wijnaldum zeigte - bei allen Fehlern der Ukraine - wie effizient das Herausschieben der Innenverteidiger und damit ein sehr breiter Aufbau sein kann. Frenkie de Jong spielt den einfachen Pass auf den rechten Innenverteidiger Jurrien Timber, Marten de Roon erhält im frei gewordenen Zwischenraum den Ball, nach dessen Pass flankt Denzel Dumfries in die Mitte, Wijnaldum schießt den Abpraller ins Netz.

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"Nicht zu tief spielen"

Der Lauf von de Roon zeigt, wie auch die deutsche Zentrale im defensiven Mittelfeld gefragt ist. Das Äquivalent zu de Jong ist eher der aufbauende Toni Kroos, Ilkay Gündogan würde dann den Part de Roons übernehmen.

Das primäre Ziel des Fußballs, Tore zu schießen, wird häufig dadurch erreicht, dass vorher Überzahl geschaffen wurde. Ob das gelingt, hat nur sehr bedingt etwas mit der Grundformation zu tun. Daher sagte auch Emre Can: "Wir müssen eine gute Raumaufteilung haben. Wir dürfen nicht zu tief spielen mit den Mittelfeldspielern. Wir müssen versuchen, die Lücken zwischen den Ketten zu finden."