Deutschland gegen Portugal - jüngste Historie als Mutmacher

Christiano Ronaldo bei einer Niederlage gegen Deutschland

EURO 2020

Deutschland gegen Portugal - jüngste Historie als Mutmacher

Mutmacher vor dem wichtigen EM-Spiel gegen Portugal: Bei großen Turnieren ging Deutschland zuletzt viermal in Serie als Sieger vom Platz. Und Cristiano Ronaldo spielt gar nicht gerne gegen deutsche Mannschaften. Ein Überblick.

Nach der Auftaktniederlage gegen Frankreich steht die deutsche Nationalmannschaft bei der EURO schon gehörig unter Druck. Gegner im zweiten Spiel der Gruppe F ist ausgerechnet Titelverteidiger Portugal mit Weltstar Cristiano Ronaldo. Die Portugiesen feierten zum Turnierstart einen 3:0-Erfolg gegen Ungarn und treten deshalb mit breiter Brust an.

In Ehrfurcht erstarren muss das Team von Bundestrainer Joachim Löw aber auch nicht. So ist die jüngste Bilanz bei großen Turnieren ein echter Mutmacher.

2006: Stimmungsvolles Ende des "Sommermärchens"

Los ging es bei der Weltmeisterschaft 2006. Nach dem unglücklichen Halbfinalaus nach Verlängerung gegen den späteren Titelträger Italien hatte bei der DFB-Elf zuerst niemand so richtig Lust auf das Spiel um Platz drei. Doch beim "kleinen Finale" in Stuttgart feierte das Team von Jürgen Klinsmann beim umjubelten 3:1-Sieg einen stimmungsvollen Abschluss des "Sommermärchens". Im Mittelpunkt: Bastian Schweinsteiger. Zwei Tore machte der damalige Münchner selbst, beim 2:0 wurde sein Freistoß von Petit ins eigene Tor abgefälscht.

Das 1:3 durch Nuno Gomes kurz vor Schluss fiel dann in die Kategorie "Ergebniskosmetik". Oliver Kahn beendete bei seinem 86. Länderspiel seine Nationalmannschafts-Karriere. Zwei Tage später übernahm Joachim Löw den Bundestrainer-Job von Klinsmann.

2008: Hart erkämpfter Sieg im Viertelfinale

Portugals Petit (vorne) im Duell mit Lukas Podolski

Portugals Petit (vorne) im Duell mit Lukas Podolski

Bei der Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz trafen Deutschland und Portugal im Viertelfinale aufeinander. Einen Favoriten gab es nicht. Deutschland hatte sich nach einer Niederlage gegen Kroatien mit einem 1:0 gegen Österreich als Gruppen-Zweiter in die K.o.-Runde gerettet. Portugal feierte frühzeitig den Gruppensieg, kassierte dann aber auch eine Niederlage gegen die Schweiz, wobei allerdings schon zahlreiche Stammkräfte geschont wurden.

Mit einem Doppelschlag brachten Schweinsteiger und Miroslav Klose Deutschland in Führung, Portugal konnte durch Nuno Gomes noch vor der Pause verkürzen. Nach runde einer Stunde erhöhte Michael Ballack auf 3:1, Helder Postigas Anschluss kurz vor Schluss kam dann zu spät. Deutschland brachte die knappe Führung in der dramatischen und hektischen Schlussphase über die Zeit.

Interessant: Gecoacht wurde das Team von Hansi Flick. Der damalige Assistenztrainer vertrat seinen Chef Löw, der nach dem Spiel gegen Österreich eine Rote Karte kassiert hatte und für ein Spiel gesperrt wurde. Flick wird nach der EURO neuer Bundestrainer. Nach einem Halbfinalsieg gegen die Türkei zog Deutschland ins Endspiel ein, das mit 0:1 gegen Spanien verloren ging.

2012: Knapper Erfolg in der "Todesgruppe"

Auch vier Jahre später, bei der EM in Polen und der Ukraine, kreuzten die Kontrahenten die Klingen - diesmal in der Gruppenphase. Wie bei der aktuellen EURO auch galt die deutsche Gruppe damals als "Todesgruppe", denn auch die Niederlande und Dänemark waren dabei. Deutschland feierte einen hart umkämpften 1:0-Erfolg, Mario Gomez traf in der 73 Minute. Am Ende zogen sowohl Deutschland als auch Portugal ins Viertelfinale ein. Für beide Teams war dann im Halbfinale Endstation.

2014: Erster Schritt zum WM-Titel

Thomas Müller bei der WM 2014 gegen Portugal

Thomas Müller bei der WM 2014 gegen Portugal

Es war der Auftakt in eine WM, die für Deutschland mit dem Titelgewinn enden sollte. 2014 in Brasilien fertigte die DFB-Elf im ersten Spiel der Gruppe G Portugal mit 4:0 ab. Der glänzend aufgelegte Thomas Müller schnürte einen Dreierpack, dazu traf Mats Hummels. Schon zur Pause stand es 3:0, Pepe kassierte früh eine Rote Karte. Portugal, das anschließend nur 2:2 gegen die USA spielte, musste frühzeitig die Heimreise antreten.

Ronaldos Angstgegner

Bei allen vier Niederlagen der Portugiesen war immer auch Cristiano Ronaldo dabei, er verpasste nicht eine einzige Minute. Der Weltstar bringt es nach seinen Doppelpack gegen Ungarn auf 106 Länderspieltore. Bis zum Weltrekord des Iraners Ali Daei (109) fehlen ihm nur noch drei Treffer. Mit elf Toren ist er schon jetzt alleiniger EM-Rekordtorschütze. Er ließ damit Michel Platini hinter sich (neun EM-Tore). Aber: Gegen Deutschland traf Ronaldo noch nie.

2000: Die maximale Demütigung

Verschweigen wollen wir nicht eine weitere Partie. Portugals bisher letzter Sieg gegen Deutschland war das denkwürdige 3:0 im letzten Gruppenspiel der EM 2000 in Belgien und den Niederlanden. Denkwürdig deswegen, weil die bereits für die K.o.-Runde qualifizierten Portugiesen mit einer B-Elf antraten und durch den Sieg (drei Tore von Sergio Conceicao) die als Titelverteidiger angereiste DFB-Auswahl nach Hause schickten. Es war das Ende von Bundestrainer Erich Ribbeck und auch das Ende der Länderspielkarriere von Lothar Matthäus.

Bei der EM 1984 in Frankreich trennte sich Titelverteidiger Deutschland in der Vorrunde unspektakulär mit 0:0 von den Portugiesen. Es war das erste Spiel der portugiesischen EM-Geschichte. Das Team von Bundestrainer Jupp Derwall scheiterte anschließend in der Gruppenphase. Für Portugal war erst im Halbfinale gegen Frankreich Schluss.

Die U 21 von Stefan Kuntz als Vorbild

Und noch ein Mutmacher: Keine zwei Wochen ist es her, dass sich die deutsche U21 und Portugal im EM-Finale gegenüberstanden. Das Team von Trainer Stefan Kuntz gewann in Ljubljana mit 1:0 und holte den Titel.

red/sid/dpa | Stand: 18.06.2021, 10:59

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