DFB-Team - leichte Enttäuschung unter Kommando

Thomas Müller gibt Anweisungen gegen Dänemark

Analyse nach dem Remis gegen Dänemark

DFB-Team - leichte Enttäuschung unter Kommando

Von Marcus Bark (Innsbruck)

Thomas Müller belebt die deutsche Fußballnationalmannschaft mit seinem Spiel, aber auch in seiner Rolle als Kommandeur. Beim 1:1 gegen Dänemark gibt es gute Ansätze, aber es fehlt auch noch einiges. Die Zeit drängt nach der leichten Enttäuschung.

Er wollte der "Katalysator" sein, um den "Turbo" bei der Mannschaft zu zünden. So weit war es am Mittwochabend (02.06.2021) noch nicht, aber der Einfluss von Rückkehrer Thomas Müller auf das Spiel der DFB-Auswahl war enorm.

"Höher, höher, höher." - "Pressen, jetzt!" Ständige Anweisungen und Kommandos - der Sender "Radio Müller" ist ab sofort auch wieder unter DFB zu empfangen.

Aber auch sein Spiel brachte die Mannschaft weiter: ständige Wechsel mit seinen Partnern in der vordersten Linie, Leroy Sané und Serge Gnabry, oftmals kluge, kurze Pässe, die Tempo in die Angriffe brachten.

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Sportschau 02.06.2021 01:08 Min. Verfügbar bis 02.06.2022 ARD


Die Chance zu seinem 39. Tor im 101. Länderspiel bot sich schon in der 14. Minute, aber nach einem Chipball von Joshua Kimmich köpfte Müller in die Arme von Dänemarks Torhüter Kasper Schmeichel.

Bundestrainer lobt "Radio Müller"

"Was verbessert war: Die Kommunikation auf dem Platz, die Kommandos und die Anweisungen", ging Bundestrainer Joachim Löw während der Pressekonferenz nach dem 1:1 gegen Dänemark vor allem auf die lenkenden Fähigkeiten Müllers ein, der das Kommando auf dem Platz führte.

Müller war auch ganz zufrieden: "Wir waren in unseren Offensivaktionen relativ klar." Wie das aber nunmal so ist als jemand, der mit den Bayern nur das Gewinnen kennt, sagte er nach dem Unentschieden auch: "Es ist echt ärgerlich, dass wir das Spiel verlieren."

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Sechs Spieler der Bayern

Sechs Profis des FC Bayern standen beim Anpfiff in der Mannschaft, die sich in einem 3-4-3 präsentierte, wobei sich Müller meistens etwas hinter die vorderste Linie zog und aus dem Zentrum in die Halbräume auswich oder eben die Positionen mit Sané und Gnabry tauschte.

Nur die angeschlagenen Jamal Musiala und Leon Goretzka fehlten aus dem Münchner Block. Einer, der eine schwierige Zeit beim Meister hinter sich hat, spielte im Zentrum der Dreierkette, und er spielte gut - bis zum Tor der Dänen. Vor allem körperlich wirkte Niklas Süle lange wesentlich besser als zuletzt in der Bundesliga und auch beim Training in Seefeld.

"Zu Null als Maß aller Dinge"

Die Wahl der Dreierkette deutet darauf hin, dass Löw auch in den ersten beiden Spielen der EURO 2020 gegen Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal auf diese Formation setzt.

"Natürlich kann das auch für das Turnier eine Option sein, dass wir sagen, wir müssen im Zentrum und im Strafraum unglaublich gut verteidigen. Beim Turnier wird das Maß aller Dinge sein, dass wir in der Lage sind, eben auch zu Null zu spielen, einen Vorsprung auch mal über die Runden zu bringen", so der Bundestrainer nach dem Spiel in Innsbruck.

Löw probiert schon im Test Ginter statt des schwachen Klostermann aus

Gegen Frankreich zum Start wird dann vermutlich Antonio Rüdiger für Süle oder Matthias Ginter in die Kette rücken. Ginter könnte trotzdem einen Platz in der Mannschaft behalten. Lukas Klostermann zeigte auch gegen Dänemark wieder, dass ihm in der Nationalmannschaft einiges fehlt, vor allem Dynamik und Kombinationssicherheit. Nach etwa einer Stunde musste der Leipziger vom Platz, Ginter rückte von innen nach außen, der eingewechselte Robin Koch reihte sich in der Dreierkette ein. 

Die Position im defensiven rechten Mittelfeld ist auch von Ginter nicht optimal besetzt, auch nicht von Emre Can, der im ersten Test wegen muskulärer Probleme fehlte. Optimal wäre sie von Joshua Kimmich besetzt, aber der sieht sich im zentralen Mittelfeld, und Löw sieht ihn auch dort - oder er erfüllt ihm zumindest seinen Wunsch.

Zu große Räume für Dänemark

An Kimmichs Seite als Hälfte der Doppelsechs übernahm Florian Neuhaus den offensiveren Part. Der Gladbacher überzeugte nicht nur wegen seines Tores, er war schon kurz vor der Pause an zwei gefährlichen Situationen beteiligt. 

Defensiv aber zeigte das Duo Schwächen, weil es beim hohen Pressing nicht konsequent nachrückte. So entstanden große Räume für die Dänen, wenn sie sich aus dem Pressing spielerisch befreiten. "Wir müssen vielleicht noch einen Tick aggressiver durchschieben", bemängelte Neuhaus, sagte aber im Duktus des Bundestrainers: "Das sind Dinge, die nach jetzigem Stand normal sind."

Der Ausgleich resultierte aus einem mangealhaften Pressing. Dänemark befreite sich an der Außenlinie, Christian Eriksen bekam die Gelegenheit und die Zeit zu einem Steilpass in den Lauf von Yussuf Poulsen, der von außen ins Zentrum gezogen war, den Zweikampf gegen Hummels und gewann und ins kurze Eck traf.

Hummels selbstkritisch

Hummels war nach seinem Comeback selbstkritisch: "Ich habe Poulsen zu früh übergeben wollen an Niki (Süle), weiß aber nicht, ob Niki schon in Position war. Am Ende wäre es besser gewesen, wenn ich ihn noch zwei, drei Meter begleite."

Tatsächlich war Süle noch nicht in Position, weil er zu langsam zurücklief, seine Grätsche als Rettungsversuch beim Pass von Eriksen ging ins Leere.

Kontrolle verloren

Löw wies zu Recht darauf hin, dass die Dänen nur diese eine gute Chance hatten, allerdings zeichnete sie sich ab, weil Deutschland im Lauf der zweiten Halbzeit die Kontrolle über das Spiel verlor. Der Schiedsrichter war zudem aufseiten der DFB-Auswahl. Mindestens einen Elfmeter hätten die Dänen bekommen sollen, wie auch Müller gestand: "Das sah schon sehr danach aus."

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Torschütze Neuhaus zog ein Fazit, das viele teilen dürften: "Gerade im Offensivspiel sah das über weite Strecken schon sehr gut aus." Löw betonte, dass Laufwege und Abstimmung in Angriffen auch noch nicht auf dem Trainingsplan gestanden hätten. Zufrieden war er mit dem Abwehrverhalten bei Standardsitutionen, durch die keine Gefahr entstand. Das habe er auch so sehen wollen, nachdem im Training ein Schwerpunkt darauf gelegt worden sei. Bald solle auch an den offensiven Standards verstärkt gearbeitet werden.

Zweiter Test gegen Lettland

Die Zeit drängt jetzt. Am Donnerstag (03.06.2021) werden die letzten Spieler im Trainingslager erwartet, am Sonntag geht es dann zurück nach Deutschland für den Test gegen Lettland in Düsseldorf. Eine knappe Woche bleibt danach noch, um im EM-Camp in Herzogenaurauch um Kommandeur Müller herum eine Mannschaft zu formen, die Frankreich herausfordern soll und kann.

Stand: 03.06.2021, 08:30

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