Das Puzzle der UEFA mit den EM-Spielorten

Die in mehreren, auf der Karte abgebildeten, Ländern vorgesehene EM

Fußball-EM 2021

Das Puzzle der UEFA mit den EM-Spielorten

Von Benedikt Brinsa und Robert Kempe

Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Fußball-EM um ein Jahr auf 2021 verschoben. Ob das Turnier wie geplant in zwölf Ländern ausgetragen wird, ist aber völlig offen.

Die Botschaft war deutlich: Die Stadt München erklärte Ende April, auch 2021 Spiele der Fußball-EM ausrichten zu wollen. Die drei deutschen Vorrunden-Begegnungen und ein Viertelfinale sollen wie geplant über die Bühne gehen. Bis zum 30. April sollten die zwölf Standorte der UEFA Feedback geben, ob sie weiterhin an Bord bleiben.

"Ich war ein bisschen überrascht", erklärt Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter im Sportschau-Interview, "dass wir uns erneut committen mussten." Die Verträge enthalten aber wohl eine Art Ausstiegsklausel, die den Städten bei Verschiebung einen Ausstieg möglich macht. "Ich bin sehr froh, dass der Stadtrat dem Vorschlag gefolgt ist, diese Ausstiegsklausel nicht zu nutzen, und wir uns auch als Austragungsort für die Europameisterschaft 2021 bewerben", so Reiter.

Münchens OB Reiter: "Ich war selber überrascht" Sportschau 01.05.2020 00:25 Min. Verfügbar bis 01.05.2021 Das Erste

15 Millionen Euro für vier Spiele

Nun geht es darum, die Verträge mit der UEFA anzupassen. Die Gespräche zwischen dem europäischen Fußballverband, der Stadt München und EM-Botschafter Philipp Lahm laufen und seien auf einem guten Weg, versichert Reiter: "Es wird kein Problem sein, die Europameisterschaft auszutragen. Das Schwierigste ist, dass wir hoffen müssen, dass diese Spiele aufgrund der Corona-Krise auch tatsächlich stattfinden."

 Mehrkosten sollen durch die Verschiebung für die Stadt München nicht entstehen. "Wir haben uns zu den finanziellen Zusagen bekannt, die wir für die EM 2020 gemacht haben. Das war meine Vorgabe und die wird eingehalten", so Reiter. Bisher addieren sich die Kosten in München auf rund 15 Millionen Euro für die vier Partien. Ein Großteil entfällt dabei auf die Sicherheit. 

Münchens OB Reiter: "Keine zusätzlichen Ausgaben durch Verschiebung" Sportschau 01.05.2020 00:23 Min. Verfügbar bis 01.05.2021 Das Erste

Kopenhagen mit zwei Riesenevents zur selben Zeit

Zur Feier des 60. Jahrestags der ersten EM 1960 sollte das Turnier 2020 als paneuropäisches Event in zwölf Ländern ausgetragen werden. Neben München sind Rom, Baku, St. Petersburg, Kopenhagen, London, Glasgow, Amsterdam, Bukarest, Bilbao, Dublin und Budapest als Gastgeber vorgesehen. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hatte dieses Unternehmen von Vorgänger Platini geerbt. Ceferin selbst, so heißt es, sei kein großer Freund dieser Idee und muss nun auch noch die Verschiebung managen. 

Und wie schaut es in den anderen Ländern aus? Eröffnungsspielort Rom soll trotz großer Corona-Probleme in Italien weiter bereitstehen, Finalort London hat profitable Veranstaltungen im Wembley-Stadion für die EM-Zeit abgesagt.

Unklar ist die Situation mit den Ausrichterstädten Amsterdam und Kopenhagen. Die dänische Hauptstadt hat die UEFA um eine Aufschiebung der Feedback-Frist gebeten. Das Problem: Wenige Tage nach dem Achtelfinale, einem von vier Spielen im "Parken Stadion", soll der Start der Tour de France in Kopenhagen stattfinden - eine große logistische Herausforderung für die Organisatoren. Außerdem soll es laut der Zeitung "Ekstra Bladet" einen Sponsorenstreit geben. Der Oberbürgermeister Frank Jensen erklärte, die Stadt "kämpfe" für einen "unvergesslichen Sommer" mit EM und Tour de France.

Münchens OB Reiter: "Stehen zu Gesprächen gerne bereit" Sportschau 01.05.2020 00:24 Min. Verfügbar bis 01.05.2021 Das Erste

 Mehr Spiele in München?

Zieht sich eine Stadt zurück, gibt es zwei Alternativen: Neue Austragungsorte werden ausgewählt oder die Begegnungen auf die übrigen verteilt. Alexej Sorokin, Mitglied des russischen Organisationsteams und des Exekutivkomitees der UEFA, hatte bereits Mitte April zwischen den Zeilen eine Bereitschaft Russlands mit St. Petersburg angedeutet, und auch in München scheint man der Idee nicht abgeneigt. Reiter: "Wenn es andere Städte gibt, die diese Austragung nicht mehr durchführen können oder wollen, dann stehen wir zu Gesprächen selbstverständlich bereit. Wenn dadurch für uns keine Mehrkosten entstehen." 

Beim Europäischen Fußballverband ist man indes mit Auskünften vorsichtiger. Dies werde erst zu gegebener Zeit erfolgen.

Stand: 02.05.2020, 08:00

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