Italien bei der EURO - Superteam jagt Superlative

Italiens Trainer Roberto Mancini gibt Anweisungen

Auf Rekordjagd

Italien bei der EURO - Superteam jagt Superlative

Von Christian Hornung

Sie gewinnen nicht nur jedes Spiel, sie kassieren auch einfach keine Gegentore mehr. Italien glänzt bei der EURO 2020 mit einer Reihe von Superlativen - und der Trainer fördert nebenbei noch den Teamgeist.

2:1 gegen die Türkei, 2:0 gegen Belgien, 2:1 gegen Schweden. Als Italien zuletzt alle drei Gruppenspiele bei einer Europameisterschaft gewann, stand am Ende die Finalteilnahme. Im Endspiel der Euro 2000 im De Kuip zu Rotterdam verhinderte dann aber das "Golden Goal" des Franzosen David Trezeguet den Triumph der "Squadra Azzurra". Diesmal scheint sie reif, auch den letzten Schritt zu gehen.

3:0 gegen die Türkei, 3:0 gegen die Schweiz, 1:0 gegen Wales. 21 Jahre nach der bitteren Finalniederlage wirken Gianluigi Donnarumma, Giorgio Chiellini, Leonardo Bonucci und Jorginho sogar noch stabiler als seinerzeit Francesco Toldo, Fabio Cannavaro, Alessandro Nesta und Paolo Maldini - und das heißt sehr viel.

Längste Serie seit 47 Jahren

Es hat fast den Anschein, als könne Trainer Roberto Mancini derzeit aufstellen, wen er will - es fällt einfach kein Gegentor mehr. Das ist nicht nur ein Phänomen Italiens bei dieser Europameisterschaft, es ist ein Phänomen mit Anlauf. Italien hat in den vergangenen elf Länderspielen kein Gegentor hinnehmen müssen, das ist die längste Serie seit 47 Jahren. 1.055 Minuten am Stück steht die Null. Und Mancini stellt in der Tat auf, wen er will.

Alle 23 Feldspieler schon im EM-Einsatz

Wenn es anderswo wichtig sein soll, dass sich Laufwege, Verschieben in der Kette oder Abseitsfallen durch die Routine der immer gleichen Nebenleute automatisieren, zählen für Mancini offenbar noch andere Dinge. Teamgeist. Dass sich jeder mitgenommen fühlt. Nach nur drei Partien hat es der Trainer geschafft, allen 23 Feldspielern in seinem Kader durch Rotation und späte Einwechslungen Einsatzzeit zu geben. Er fördert das Erlebnis und vernachlässigt nicht das Ergebnis.

Sogar schon zwei Torhüter auf dem Feld

Gegen Wales brachte Mancini, obwohl es nur 1:0 stand, in der 89. Minute sogar seinen zweiten Torwart aufs Feld. Ein Vorgang, den viele Gegner gar nicht mögen, als Respektlosigkeit betrachten. Aber so hat es der Trainer nicht gemeint. Er wollte einfach seinem eigenen Kader Wertschätzung demonstrieren und sichergehen, dass sich Salvatore Sirigu im Falle des Falles auch als vollwertiger Europameister bezeichnen kann. Wenn es die K.o.-Spiele erlauben, darf man annehmen, dass er auch noch seinen dritten Schlussmann Alex Meret einwechselt.

Mancini hat seine Personalpolitik so begründet: "Die Jungs sind alle gut und wissen alle, was sie zu tun haben." Seit bald drei Jahren fährt er damit überragend: Italien ist jetzt seit 30 Spielen ungeschlagen, gewann 25 davon. Die bislang letzte Niederlage gab es im September 2018 beim 0:1 in Portugal. Noch nie in der langen und stolzen Historie der "Squadra" gab es eine längere Erfolgsserie.

Zuschauen macht inzwischen sogar Spaß

Was man aus der Ära eines Causio, Gentile oder Scirea und dann Maldini, Nesta oder Cannavaro nicht gewohnt war: Wenn es jetzt 1:0 steht, greift die Mannschaft weiter an. Es macht inzwischen Spaß, Italien zuzuschauen, man muss dazu nicht mehr zwangsläufig ein Fan von Catenaccio und Riegel-Rudi sein. Wo soll das hinführen?

Im Achtelfinale warten jetzt Österreich oder die Ukraine, Italien muss dabei die klare Favoritenrolle schultern. Der Heimvorteil fällt nun weg, nachdem die Mannschaft in ihrer Geschichte in Rom bisher alle elf EM- oder WM-Spiele schadlos überstanden hat. So souverän und gefestigt wie das Team von Roberto Mancini aber inzwischen auftritt, sollte auch ein K.o.-Spiel in London kein Hindernis darstellen.

Stand: 20.06.2021, 22:47

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