Taskforce "Profifußball" - für Fans nur ein "Laberladen"

Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der DFL, Deutsche Fußball Liga GmbH

Interdisziplinärer Austausch

Taskforce "Profifußball" - für Fans nur ein "Laberladen"

Die Empfehlungen der Taskforce zur Entwicklung des deutschen Profifußballs bis 2030 sorgen für Aufregung. Während die Deutsche Fußball-Liga (DFL) schwärmt, üben Fan-Organisationen deutliche Kritik. Es ist die Rede von einem "Laberladen".

Der am Mittwoch (03.02.2021) vorgestellte Bericht sei das Ergebnis "eines Laberladens, wo keiner dem anderen wehtun will", schimpfte Jörn Brauer von "ProFans". Und Helen Breit, selbst Mitglied der Arbeitsgruppe und Vorsitzende der Interessengemeinschaft "Unsere Kurve", kritisierte, dass es nicht ausreiche, "lediglich den Status Quo zu verbessern". Die Erwartungen seien hoch gewesen, "die Ergebnisse werden viele organisierte Fans enttäuschen".

"Unverbindliche, schwammige und viel zu kurz gedachte Ansätze" seien aufgeführt, erklärte "ProFans". "Einen netten Anstrich von Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung, darauf konnten sie sich noch einigen. Für eine wirkliche Kursänderung fehlt jedoch der Wille", kritisierte Sprecher Sig Zelt. Die Hoffnung auf eine echte Revolution, die im Zuge der Coronakrise kurzfristig aufgekommen war, ist verpufft.

Geld zersetzt Fußballkultur

Die Kritiker erzürnt insbesondere die aus ihrer Sicht fehlende Anpassung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Ein Thema, das bereits vor Wochen bei der Neuverteilung der TV-Gelder die Gemüter erhitzt hatten. Sollte es weitergehen wie bisher, werde "die Übermacht des Geldes sowohl den sportlichen Wettbewerb als auch die Fußballkultur zersetzen", sagte Fan-Vertreter Dario Minden.

Das 37-köpfige Gremium mit Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Sport und Zivilgesellschaft hatte in seinem Abschlussbericht insgesamt 17 Handlungsempfehlungen festgehalten. "Es geht um Leitplanken", sagte die Psychologie-Professorin Heidi Möller, die den Abschlussbericht präsentierte: "Es ging um die große Linie, es kann nicht alles aufgenommen werden. Aber es war ein richtiger Gewinn."

Das Präsidium der Deutschen Fußball Liga wird nun prüfen, welche der vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt und welche Ziele kurz-, mittel- und langfristig angestrebt werden sollen. Die finale Entscheidung darüber obliegt den 36 Erst- und Zweitligisten.

Mehr Nachhaltigkeit und Fandialog

Der interdisziplinäre Dialog soll unabhängig davon fortgeführt werden. Zu den Handlungsempfehlungen der Taskforce gehören unter anderem ein grundsätzliches Bekenntnis zu Nachhaltigkeit im deutschen Profifußball, die zeitnahe Einberufung einer Arbeitsgruppe zur Stärkung wirtschaftlicher Stabilität von Profifußballklubs, die Gründung einer DFL-Kommission zur Intensivierung des Dialogs mit unterschiedlichsten Fangruppen sowie die Förderung von Frauenfußball und Frauen im Fußball.

"Der grundsätzliche Ansatz war es, Entwicklungen der Vergangenheit zu diskutieren und zu reflektieren. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, einen breiten und vielstimmigen Diskurs zu initiieren", sagte DFL-Boss Christian Seifert: "Gemessen werden wir an der Umsetzung. Ein solches Format ist meines Wissens nach einzigartig im gesamten Weltsport."

Bundesliga - kommt eine Gehaltsobergrenze? sport inside 27.01.2021 11:37 Min. Verfügbar bis 27.01.2022 WDR

sid/dpa/red | Stand: 04.02.2021, 13:28

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