Super League - Vier Klubs geben nicht auf, Ceferin droht

Erneuerte seine Warnung an Real Madrid und Co.: UEFA-Präsident Aleksander Ceferin.

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Super League - Vier Klubs geben nicht auf, Ceferin droht

Von Chaled Nahar

Einige der zwölf Klubs, die die Super League gründen wollten, halten an den Plänen fest. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin droht nun ultimativ, dass diese Vereine aus der Champions League ausgeschlossen werden. Und während Fans weiter protestieren, schaltet sich die Weltpolitik ein.

Die betreffenden Klubs könnten "einige Konsequenzen hinnehmen müssen", sagte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin am Freitag (23.04.2021) in einem Interview mit der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Und er meinte damit auch den Ausschluss aus der Champions League.

Die Super League war in der Nacht von Sonntag auf Montag "ins Leben" gerufen worden und löste sich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wieder auf, als acht Klubs nach und nach öffentlich mitteilten, sich aus dem Projekt zurückzuziehen. Bei vier Vereinen steht ein klares Bekenntnis zu den bestehenden Strukturen unter dem Dach der UEFA allerdings aus.

Vier Klubs halten an der Idee fest

Ceferin spielte auf Real Madrid, den FC Barcelona, Juventus Turin und AC Mailand an. "Es ist glasklar, dass sie sich entscheiden müssen, ob sie eine Super League oder europäische Klubs sind", sagte Ceferin laut AP. "Wenn sie zur Super League gehören, können sie natürlich nicht in der Champions League spielen. Wenn sie dazu bereit sind, können sie ja in ihrem eigenen Wettbewerb spielen."

Die Super League sollte 20 Klubs haben. 15 davon sollten permanente Mitglieder werden, fünf weitere über eine jährliche Qualifikation hinzukommen. Am Sonntagabend hatten bislang zwölf Klubs verkündet, die Liga gründen zu wollen, deutsche Klubs waren nicht dabei.

Real-Präsident: "Alle zwölf Klubs sind nach wie vor dabei"

Real-Präsident Florentino Pérez glaubt noch an die Super League.

Florentino Pérez, Präsident von Real Madrid

Real Madrids Präsident Florentino Pérez als Initiator der Super League will diese wie auch die drei anderen Klubs nicht aufgeben. Fraglich ist, ob der Rückzug der acht anderen Klubs ohne Weiteres möglich ist. Pérez sprach von rechtlich bindenden Verträgen. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete aus einem Rahmenvertrag der Super League, wonach Strafzahlungen in Höhe von 150 Millionen fällig würden.

Pérez sagte in spanischen Medien, dass die Super League "nicht tot" sei. Keiner der Klubs habe bislang eine Strafe gezahlt, weil keiner der Klubs die Liga verlassen habe. Erst wenn sie es täten, würde eine Strafe fällig. "Alle zwölf Klubs sind noch dabei, keiner ist abgesprungen." Der Spiegel" berichtete, dass sich die Klubs für 23 Jahre zur Teilnahme an der Super League verpflichtet hätten.

Ein Vertreter einer europäischen Liga äußerte im Gespräch mit der Sportschau deshalb Bedenken: "Ist die Super League wirklich verworfen? Oder liegt sie nur im Kühlschrank? Die betreffenden Ligen sollten sich von den Klubs Beweise vorlegen lassen, dass sie wirklich ausgestiegen sind." Gemeint sind damit vor allem die englischen Klubs, die ihren Ausstieg zumindest in Pressemitteilungen angekündigt hatten.

Investmentbank JP Morgan zumindest öffentlich auf Distanz

Ebenfalls vor dem Rückzug scheint aber ein prägender Teilhaber der Super League zu stehen. Die US-Investbank JP Morgan, die die Liga mit mehreren Milliarden Euro finanzieren wollte, ging zumindest rhetorisch auf Distanz.

"Wir haben klar falsch eingeschätzt, wie dieses Geschäft von der breiten Fußballgemeinde beurteilt wird und wie es sie in der Zukunft betreffen könnte. Daraus werden wir lernen", teilte ein Sprecher der Bank mit.

Weltpolitik ringt um die Super League

Die Super League ist längst ein Politikum: Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron stellte sich öffentlich deutlich gegen die Liga wie auch Großbritanniens Premierminister Boris Johnson. Die Süddeutsche Zeitung berichtete am Freitag (23.04.2021) zudem über eine Intervenierung der russische Regierung beim FC Chelsea, der sich im Besitz des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch befindet.

Demnach habe Russland mehr Interesse an einer Bindung zur UEFA. Sankt Petersburg ist Austragungsort der EM 2021 und des Champions-League-Endspiels 2022, der russische Energiekonzern Gazprom ist Großsponsor der UEFA.

Ferner mehren sich Berichte, dass das von JP Morgan in Aussicht gestellte Geld mehrheitlich aus Saudi-Arabien stammen soll - ein möglicher Grund für die Ablehnung der Super League durch Paris Saint-Germain, das sich im Besitz des mit Saudi-Arabien verfeindeten Katar befindet.

Kein Ausschluss Real Madrids vor dem Halbfinale der Champions League

Das UEFA-Exekutivkomitee beriet am Freitag auch über das Thema Super League, sprach aber keine Sanktionen aus. Damit dürfte ein Ausschluss von Real Madrid aus dem Halbfinale der Champions League nicht in Frage kommen. Die Spiele beginnen kommende Woche. Die Drohung dürfte also vor allem zum Start der Saison 2021/22 gelten.

Klubs der Super League in UEFA-Wettbewerben (fett)
TurnierBegegnungTermin
CL-HalbfinaleReal Madrid - Chelsea27.04./04.05.
CL-HalbfinaleParis - Man City28.04./05.05.
EL-HalbfinaleMan Utd - AS Rom29.04./06.05.
EL-HalbfinaleVillarreal - Arsenal29.04./06.05.

Fraglich war stets die rechtliche Durchsetzbarkeit von solchen Maßnahmen. "Wir warten noch auf eine rechtliche Einschätzung", sagte Ceferin bei AP. "Und für mich ist es eine andere Situation bei den Klubs, die ihren Fehler zugegeben und den Rückzug angekündigt haben." Ceferin kündigte gemeinsame Beratungen über Maßnahmen mit den Verbänden aus England, Spanien und Italien sowie der Premier League, La Liga und der Serie A an.

Druck von Fans bleibt hoch: Tausende protestieren bei Arsenal

Die Folgen des Debakels um die Super League könnten für manche Klubführungen schwerwiegend sein. Bei Manchester United kündigte der im europäischen Fußball über Jahre einflussreiche Vize-Vorsitzende Ed Woodward seinen Rücktritt an. Bei Arsenal protestierten am Freitag Tausende am Stadion und forderten den Rückzug des amerikanischen Unternehmers Stan Kroenke als Eigentümer des Klubs.

Fans zur Super League: "Wir haben den Fußball gerettet" Sportschau 21.04.2021 02:23 Min. Verfügbar bis 21.04.2022 Das Erste

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Reform der Champions League – der Plan, der Streit, die Hintergründe sport inside 18.04.2021 08:43 Min. UT Verfügbar bis 18.04.2022 WDR

Stand: 23.04.2021, 22:00

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