Drohungen gegen Super League: Was gibt das Recht her?

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin

UEFA will Klubs aus Europapokalen werfen

Drohungen gegen Super League: Was gibt das Recht her?

Von Marcus Bark

Die Gründungsklubs der Super League sollen aus der Champions und Europa League geworfen werden, deren Spieler von Turnieren ausgeschlossen. Der Machtkampf im Fußball ist auch ein Fall für die Juristen. Bei Borussia Dortmund geht es speziell um Aktienrecht. Darf die Gesellschaft das Angebot ablehnen?

Die internationalen und nationalen Verbände haben es gut in diesen Tagen. Das Hassobjekt, dieser scharfe Begriff ist in diesem Fall wohl angebracht, bei den Fußballfans ist die Super League mit ihren zwölf Gründungsmitgliedern.

Für dieses Dutzend Klubs seien "Fans nur noch Konsumenten" und "Dividende wichtiger als Leidenschaft". Das sagte Aleksander Ceferin, der die UEFA als Präsident führt. Sein europäischer Fußballverband boxte erst am Montag (19.04.2021) eine Reform der Champions League für die Zeit ab 2024 durch, gegen die Fans massiv protestierten. Tenor der Anhänger: Wir werden nur noch als Konsumenten gesehen. Für euch ist die Dividende wichtiger als die Leidenschaft.

DFB-Vizepräsident Koch zu möglichen Konsequenzen für die Super-League-Klubs Sportschau 19.04.2021 02:37 Min. Verfügbar bis 19.04.2022 Das Erste

Feuer auf die Super League

Aus seiner Position des kleineren Übels feuerte Ceferin auf die Super League, er fand darin etliche Mitstreiter. Wie der Boss der UEFA forderte nun auch Fritz Keller als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes einen radikalen Kurs: "Das egoistische Verhalten dieser zwölf Vereine hat mit dem Spiel, in das wir uns als Kinder verliebt haben, nichts mehr zu tun. Die Vereine und ihre Nachwuchsmannschaften sollten von allen Wettbewerben ausgeschlossen werden, bis sie wieder an ihre vielen Anhänger denken, die sie erst zu den größten Klubs der Welt gemacht haben - und nicht nur an ihre Geldbeutel." Der Fußball sei "offen und für alle da. Eine geschlossene Super League dagegen nur für Superreiche und Superrücksichtslose", so Keller. Wann waren solch klare Aussagen zu gesellschaftlich relevanten Themen in der Vergangenheit von ihm zu hören?

Real Madrids Präsident glaubt nur an Drohgebärden

FIFA-Präsident Gianni Infantino, der vor nicht allzu langer Zeit noch mit Plänen für eine von Investoren finanzierte Klub-WM im großen Stil hervortrat, drückte es ein wenig milder aus, forderte aber auch, die Abtrünnigen auszuschließen. Die Abtrünnigen selbst glauben, dass die gewaltigen Drohgebärden sich im Lauf der Zeit als solche entpuppen.

Real Madrids Präsident Florentino Perez, ein Treiber der Super League, sagte dem Fernsehsender "Chiringuito" in einem seiner seltenen Interviews: "Madrid wird nicht aus der Champions League geschmissen, definitiv nicht, auch nicht Manchester City oder sonst wer. Das ist unmöglich." Auch die Nationalspieler der zwölf Klubs, denen Ceferin drohte, dass sie von UEFA-Turnieren ausgeschlossen würden, bräuchten keine Angst zu haben, dass dies passieren werde.

Nun ist Perez allerdings ein Bauunternehmer, seine rechtliche Einschätzung basiert vermutlich auf Selbstbewusstsein und viel besser noch den Meinungen von Experten. "Rein juristisch betrachtet hat die UEFA keine Chance, ihre Drohungen durchzusetzen", sagte etwa Professorin Anne Jakob dem Sport-Informationsdienst. Die Fachanwältin für Sportrecht ist sicher: "Die europäischen Gerichte würden einen Ausschluss für unwirksam erklären."

Reform der Champions League – der Plan, der Streit, die Hintergründe sport inside 18.04.2021 08:43 Min. UT Verfügbar bis 18.04.2022 WDR

Auch Paul Lambertz, Fachanwalt für Sportrecht, sagte im ZDF, "die UEFA veranstaltet Säbelrasseln" mit ihren Drohungen. Die Experten verweisen auf das Kartellrecht, das Wettbewerb erlauben müsse. Mit der UEFA als alleinigem Anbieter für sportliche europäische Wettbewerbe werde gegen das Recht verstoßen.

Ausschluss "grundsätzlich schon möglich"

Antoine Duval ist Experte für internationales Sportrecht an einer Universität in Den Haag. Er sieht den Fall komplexer. Im Gespräch mit der Sportschau sagte er, dass es "grundsätzlich schon möglich ist, unter den Regeln der UEFA für die Champions League Mannschaften aus diesem Wettbewerb auszuschließen". Notfalls müsse am Europäischen Gerichtshof geklärt werden, "ob der Ausschluss gegen europäisches Wettbewerbsrecht verstößt". Ein solches Verfahren dürfte "vier, fünf Jahre" dauern.

Sportrecht-Experte Duval zu Champions-League-Ausschluss und EM-Sperren Sportschau 20.04.2021 01:45 Min. Verfügbar bis 20.04.2022 Das Erste

Duval hält aber "auch aus wirtschaftlichen Gründen" für äußerst unwahrscheinlich, dass die UEFA ihre Drohung wahrmache und mit Real Madrid, Manchester City und dem FC Chelsea drei Gründungsmitglieder der Super League vor dem Halbfinale aus der Champions League ausschließen werde. Die gültigen Medienvertäge würden schon dagegen sprechen.

Rummenigge: "Wir sind nicht dabei"

Die vierte Mannschaft im Halbfinale ist Paris Saint-Germain. Der französische Klub soll nach einem Bericht des "Spiegel" eine Einladung der Super League erhalten, möglichst schnell beizutreten. Auch den beiden Bundesligaklubs FC Bayern München und Borussia Dortmund soll diese Einladung zugekommen sein oder noch zukommen. Beim deutschen Meister scheinen sie auf Granit zu beißen. "Wir sind nicht dabei, weil wir kein Teil davon sind. Wir sind zufrieden, Champions League zu spielen", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge der italienischen Zeitung "Corriere della Sera". Weiteres Zeichen der Ablehnung: Rummenigge ließ sich am Dienstag (20.04.2021) in das Exekutivkomitee der UEFA wählen.

Borussia Dortmund lehnte die Super League in einem auf der Homepage veröffentlichten Statement von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ab. Allerdings schloss der BVB eine Teilnahme auch nicht aus. Aktive Fans des BVB protestierten daher an der Geschäftsstelle und dem Trainingsgelände mit Plakaten auf denen stand: "Klare Worte statt leere Zeilen: ESL-Absage jetzt und für immer." Die Abkürzung ESL steht für European Super League.

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Auch Borussia Dortmund lehnt Teilnahme ab

Auch beim BVB lehnt man eine Teilnahme an der Super League intern klar ab, kann dies nach außen aber nicht so klar formulieren. Denn im Fall des westfälischen Klubs stellen sich aktienrechtliche Fragen: Die Borussia Dortmund Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) ist an der Börse notiert. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen wegen der coronabedingten Ausfälle einen Verlust von mindestens 70 Millionen Euro. Darf die Fußballfirma ein Angebot ablehnen, das ihr allein als Gründungsbonus mehr als 200 Millionen Euro einbrächte?

Ablehnung im "Ermessensspielraum einer Geschäftsführung"

"Das ist eine schwierige Frage, aber ich denke schon", sagte Rüdiger Veil zur Sportschau. Der Professor für Unternehmensrecht an der Uni München begründete das mit dem "unternehmerischen Ermessenspielraum einer Geschäftsführung". Diese habe die Umstände und Auswirkungen, sowohl die finanziellen wie auch etwa Reaktionen der Fans, aber gewissenhaft zu prüfen. Bei einer Ablehnung müsse die KGaA sicher sein, gute Gründe dafür zu haben.

Einladung zur Super League eine ad-hoc-pflichtige Meldung?

Börsennotierte Unternehmen haben auch die Pflicht, kursrelevante Nachrichten ad hoc, also unverzüglich zu melden. Bei der Einladung der Super League und dem finanziellen Versprechen dürfte kaum ein Zweifel daran bestehen, dass es sich um ein kursrelevantes Ereignis handelt. Dennoch, so Veil, gebe die Rechtslage es aufgrund von Ausnahmeregelungen her, dass der BVB bislang noch keine Ad-hoc-Meldung verfasst habe und es auch nicht müsse, sollte die Einladung noch nicht zugestellt sein.

Für eine genaue Beurteilung müsse er jedoch das Einladungsschreiben kennen. Da die Super League ihren Geschäftsbetrieb aber noch nicht aufgenommen habe, sei die Voraussetzung für eine Ausnahme wahrscheinlich erfüllt.

Romantiker in der UEFA

Aleksander Ceferin wünscht, dass die Super League nie ihren Betrieb aufnehmen wird. Während des Kongresses der UEFA sagte er am Dienstag in Montreux in Richtung der Abtrünnigen: "Es ist nicht zu spät, die Meinung zu ändern, jeder macht Fehler. Tut es für all die, die den Fußball lieben." Romantik hatten bislang die wenigsten Beobachter mit der UEFA verbunden.

Stand: 20.04.2021, 19:14

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