Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus beendet ihre Karriere

Bibana Steinhaus wird vor dem Supercup Spiel geehrt

Nach Supercup

Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus beendet ihre Karriere

Bibiana Steinhaus beendet ihre Laufbahn als Schiedsrichterin, der DFL-Supercup war ihr letztes Spiel. Zu den Gründen blieb sie ungenau - Medien berichten von Misstönen.

Über die Internetseite des DFB bestätigte Steinhaus am Mittwoch (30.09.2020) das Ende ihrer aktiven Karriere. "Wie viele Menschen in der Zeit der Corona-Situation habe ich manches reflektiert und neu bewertet", wird Steinhaus in der Mitteilung des DFB zitiert. "Über die Gründe meines Rückzugs werde ich mich zu gegebener Zeit nochmals etwas ausführlicher äußern."

Karriereende weit vor Erreichen der Altersgrenze

Damit war das Spiel um den Supercup, das sie am Mittwochabend um 20.30 Uhr anpfiff, ihr letztes. "Für den heutigen Abend wünsche ich mir, dass der Fokus allein auf dem Spiel liegt", sagte Steinhaus laut DFB.

Ihr Karriereende kommt vorzeitig. Steinhaus ist 41 Jahre alt, die Altersgrenze für Bundesliga-Schiedsrichter*innen liegt bei 47 Jahren.

"Kicker" berichtet über nicht bestandenen Lauftest

23 Spiele hat Steinhaus in der Männer-Bundesliga gepfiffen, in der aktuellen Saison aber noch keines. Wie der "Kicker" berichtet, ist ein bislang nicht absolvierter Lauftest der Grund dafür. Steinhaus, die in ihrer Laufbahn immer wieder Verletzungsprobleme hatte, bekam aber trotzdem die Leitung des Supercups.

Laut "Kicker" legten die Schiedsrichterchefs des DFB den DFL-Supercup in eine Grauzone, um Steinhaus den Rahmen für ihren Abschied zu ermöglichen. Im Kreise der anderen Unparteiischen sei das umstritten. Unumstritten bleiben jedoch die Verdienste von Steinhaus.

Keller: "Verlieren eine Pionierin"

DFB-Präsident Fritz Keller sagte bei "dfb.de", mit Steinhaus verliere der Verband eine "Pionierin in einer Männerdomäne. Ich hoffe dennoch sehr, dass viele weitere Schiedsrichterinnen den Profi- genauso wie den Amateurfußball bereichern werden". Die stellvertretende Generalsekretärin des DFB, Heike Ullrich, sagte: "Sie war weltweit Türenöffnerin für zahlreiche weitere Schiedsrichterinnen, die heute im männlichen Profifußball aktiv sind."

Seit 2017 in Männer-Bundesliga

Seit 2017 pfiff Steinhaus in der Fußball-Bundesliga. Das Debüt der ersten Schiedsrichterin in der höchsten deutschen Liga bei der Partie Hertha BSC gegen Werder Bremen wurde weltweit beachtet. "Es war ein langer Weg", sagte die 41-jährige Polizistin zuletzt im Interview des Deutschen Fußball-Bundes.

Bibiana Steinhaus beendet Schiedsrichterkarriere

Sportschau 30.09.2020 01:09 Min. Verfügbar bis 30.09.2021 ARD Von Silke Tobias

Mit 16 pfiff sie zum ersten Mal ein Fußballspiel. Bereits 1999, mit 20, wurde Steinhaus DFB-Schiedsrichterin und durfte Partien der Frauen-Bundesliga leiten. Von da an ging es nur noch bergauf.

Vor ihren Einsätzen in der Bundesliga pfiff Steinhaus mehrere Jahre lang bereits in der 2. Bundesliga - ebenfalls als erste Frau. "Es erfüllt mich schon mit Stolz, dass ich diesen Meilenstein für uns Schiedsrichterinnen legen konnte", sagte sie 2007 der "FAZ". Später leitete sie unter anderem das WM-Finale der Frauen 2011 und das Finale der Champions League 2017.

Experte: Verletzung stand europäischen Einsätzen im Weg

Dass Steinhaus nie ein großes Spiel im europäischen Männerfußball habe leiten dürfen, sei auch ihren Verletzungen geschuldet, sagt Alex Feuerherdt vom Schiedsrichter-Podcast "Collinas Erben" in der Sportschau. Als die Französin Stephanie Frappart den europäischen Supercup zwischen Liverpool und Chelsea bekam, war Steinhaus verletzt. Damals wurde erstmals eine Frau für ein bedeutendes europäisches Pflichtspiel bei den Männern nominiert - es war aber Frappart.

"Es ist spekulativ, ob Steinhaus das Spiel bekommen hätte, wenn sie fit gewesen wäre", sagt Feuerherdt. "Möglich gewesen wäre es aber. Denn sie war auch international die Pionierin und wäre mit Sicherheit mindestens in Frage gekommen, da sie zu dem Zeitpunkt auch mehr Erfahrung als Frappart hatte." Steinhaus habe vor allem ihre souveräne Art und ihre Persönlichkeit ausgezeichnet. "Nicht ohne Grund wurde sie bei schwierigen Trainern gerne als vierte Offizielle eingesetzt", sagt Feuerherdt. In ihren 23 Bundesligaspielen kamen sie ohne einen Platzverweis aus.

dpa/red | Stand: 30.09.2020, 22:30

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