Das Stadion von Juventus Turin von innen

Fußball Italien Verdächtige Transfers: Juventus und andere Topklubs im Fokus

Stand: 30.11.2021 20:30 Uhr

Die Ermittlungen gegen Juventus Turin wegen verdächtiger Transfers sind möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs. Auch zahlreiche andere europäische Topklubs sollen im Fokus der Justiz sein.

Von Jörg Seisselberg (Rom)

Die Tageszeitung "Repubblica" spricht von mindestens sechs weiteren Klubs. Die "Gazzetta dello Sport" zitiert aus den ihnen nach eigenen Angaben vorliegenden Ermittlungsakten und listet insgesamt 42 verdächtige Transfers auf.

Zuvor nahm die Turiner Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den italienischen Rekordmeister und seine Manager, darunter Klubboss Andrea Agnelli, auf. Der Sitz von Juve in Turin und Büros des Klubs in Mailand wurden am Freitagabend (26.11.2021) durchsucht. Dabei wurden Unterlagen der Geschäftsführung im Zeitraum zwischen 2019 bis 2021 sichergestellt.

Beteiligt an diesen Transfers waren, neben Juventus, acht weitere italienische Vereine, unter anderem CFC Genua, Sampdoria Genua, FC Empoli, Parma und Pisa. Aber auch Klubs außerhalb Italiens wie Manchester City, der FC Barcelona oder Olympique Marseille.

42 Transfers sind Gegenstand der Ermittlungen

Bei allen 42 Spielertransfers, die Gegenstand der Ermittlungen sind, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass die Preise für die betroffenen Spieler künstlich aufgeblasen wurden, um die Vereinsbilanzen besser aussehen zu lassen. Der Trick funktioniert folgendermaßen: Zwei Vereine verkaufen sich Spieler untereinander, tauschen sie sozusagen. Für diese Spieler werden überhöhte Summen in die Kaufverträge geschrieben. Wenn die Summen fast gleichhoch sind, fließt unter dem Strich kaum reales Geld.

In der Gewinn- und Verlustrechnung aber macht sich das positiv für die betreffenden Vereine bemerkbar. Denn ein beispielsweise für zehn Millionen Euro gekaufter Spieler taucht dann als Wert von zehn Millionen Euro in den Büchern auf. Diese Summe muss zwar über die Dauer des Spielervertrags abgeschrieben werden, am Ende bleibt also eine Null in der Gewinn- und Verlustrechnung. Aber: Läuft ein Vertrag beispielsweise über fünf Jahre, bedeutet dies, dass sich der betreffende Verein zumindest für diese fünf Jahre finanziell etwas Luft verschafft hat.

Tauschgeschäft zwischen Juventus und Manchester City

Unter den 42 verdächtigen Transfers, bei denen nach Ansicht der Staatsanwaltschaft getrickst wurde, findet sich zum Beispiel ein Tauschgeschäft zwischen Juventus und Manchester City aus dem vergangenen Sommer. Dort wurde der Jugendspieler Pablo Moreno für zehn Millionen Euro von Juventus an Man City verkauft, und im Gegenzug kam der Nachwuchsspieler Felix Correia für 10,5 Millionen Euro aus Manchester nach Turin. Beide Spieler haben bis heute keine Erstligapartie bestritten, das Tauschgeschäft aber hat sich für beide Klubs trotzdem gelohnt – weil sie finanzielle Belastungen in die Zukunft schieben konnten.

Justiz soll Protokolle abgehörter Telefongespräche besitzen

Ein möglicher Trumpf der Staatsanwälte in den Ermittlungen: Nach Angaben der "Gazzetta dello Sport" haben sie Protokolle von abgehörten Telefongesprächen in der Hand. Aus ihnen soll hervorgehen, dass zu den verdächtigen Transfers Absprachen zwischen den Vereinen getroffen wurden, die Ablösesummen künstlich zu erhöhen – mit dem Ziel, sich Vorteile in der Gewinn- und Verlustrechnung zu ertricksen.

Nicht Teil der Ermittlungen ist nach italienischen Medienberichten der Transfer von Cristiano Ronaldo von Real Madrid zu Juventus Turin 2018. Ronaldo ist mit mindestens 112 Millionen Euro Ablösesumme der teuerste Spieler, der jemals von Juventus Turin verpflichtet wurde.