Juve in der Krise - die "Alte Dame" geht am Stock

Juventus-Kapitän Paulo Dybala

Saisonstart in der Serie A

Juve in der Krise - die "Alte Dame" geht am Stock

Zwei Punkte nach vier Spielen, Tabellenplatz 18 - Juventus Turin hat einen katastrophalen Saisonstart hingelegt. Die Beteiligten sind ratlos.

Wenn die Aktionäre von Juventus Turin im Oktober den Geschäftsbericht der vergangenen Saison bekommen, wird ihre Laune mutmaßlich nicht ins Euphorische verfallen. Wie der Verein bereits am vergangenen Freitag (17.09.2021) mitteilte, geht es der "Alten Dame" finanziell nicht besonders gut: Juventus hat in der vergangenen Corona-Saison 2020/21 einen Verlust von 209,9 Millionen Euro verzeichnet.

Das Defizit liege vor allem an den stark zurückgegangenen Einnahmen als Folge der Pandemie, geringeren Erlösen durch Spielerverkäufe und zugleich höheren Kosten für den Kader. 2019/20 hatte der Verlust von Juve noch 89,7 Millionen Euro betragen. Das Eigenkapital der Aktiengesellschaft schrumpfte von 239,2 auf 28,4 Millionen Euro.

Finanziell und sportlich - ein Desaster

Dies ist die eine Seite der aktuell wichtigsten Nachrichten um Juventus Turin. Eine weitere ist: Es läuft sportlich nicht. Nach vier absolvierten Spieltagen liegt der stolze Klub mit gerade einmal zwei erspielten Zählern auf Rang 18 der Tabelle. Das ist ein Abstiegsplatz.

Trainer Massimiliano Allegri machte aus seinem Ärger über den historischen Absturz seines Teams auch gar keinen Hehl. "Ich bin über dieses Spiel ziemlich wütend, trotz der ersten Halbzeit, in der wir viele Gelegenheiten hatten", schimpfte der Trainer von Juventus Turin nach dem 1:1 (1:0) gegen die AC Mailand und suchte gar nicht erst nach Ausreden für das Abrutschen auf Abstiegsplatz 18. "Ich hätte mehr Verteidiger einsetzen sollen, in der zweiten Halbzeit haben wir sogar eine Niederlage riskiert. So werden wir keine Meisterschaft gewinnen", sagte er.

"Juve im Keller"

"Juve im Keller", kommentierte die "Gazzetta dello Sport". "Juves Schwäche in der Post-Ronaldo-Ära ist offenkundig", schrieb der "Corriere dello Sport". Kapitän Giorgio Chiellini bemühte sich um Zusammenhalt. "Jetzt erst recht. Forza Juve!", schrieb der Europameister bei Instagram.

Nach dem Abgang von Cristiano Ronaldo wird immer offenkundiger, dass Juve kein Spitzenteam mehr besitzt. Die Abwehr ist mit den beiden Dinos Leonardo Bonucci und Giorgio Chiellini zwar immer noch namhaft aufgestellt, doch schon hier wird deutlich, dass frisches Blut fehlt. Seit 18 Spielen warten die Turiner auf eine Partie ohne Gegentor - das sei in diesem Zeitraum keinem anderen Verein in Europas Top-Ligen passiert, wie die "Gazzetta dello Sport" vorrechnete.

Frisches Blut fehlt - in allen Mannschaftsteilen

Niveau-Defizite gibt es vor allem auch im Mittelfeld, in dem Adrien Rabiot, Manuel Locatelli, Juan Cuadrado und Rodrigo Bentancur als Stammspieler zwar keine schlechten Akteure sind. Aber Weltklasse hat Juve hier aktuell eben nicht zu bieten. Was leider auch für den Angriff gilt, in dem Alvaro Morata so eine Art Einzelkämpfer gibt.

Jungstar Federico Chiesa - neben Spielgestalter Paulo Dybala einer der wenigen echten Hoffnungsträger - meinte nach dem Milan-Spiel trotzig: "Wir werden weiter kämpfen, die Ergebnisse werden kommen." Und Adrien Rabiot forderte: "Lasst uns weitermachen, harte Arbeit zahlt sich immer aus. Alle zusammen!" Wenn es so einfach wäre.

oja/sid | Stand: 20.09.2021, 14:17

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