Viel Solidarität für Torunarigha

Hertha-Fans unterstützen Jordan Torunarigha

Nach Rassismus-Vorfall auf Schalke

Viel Solidarität für Torunarigha

Jordan Torunarigha von Hertha BSC hat bei den Fans seines Klubs viel Solidarität erfahren, nachdem er im Spiel bei Schalke 04 rassistisch beleidigt worden war. Dort verspricht man Aufklärung - und versucht ebenfalls, ein Zeichen zu setzen.

Im Berliner Olympiastadion hatten Fans in der Ostkurve vor dem Spiel gegen Mainz 05 auf zahlreichen Blättern Torunarighas Rückennummer 25 und seinen Namen hochgehalten. "Gemeinsam gegen Rassisten! Notfalls mit Getränkekisten!", war auf einem Spruchband zu lesen. Es war eine Anspielung auf die Vorfälle im Achtelfinale des DFB-Pokals am Dienstag zwischen Schalke und den Berlinern (3:2 n.V.), bei der Torunarigha in der Verlängerung die Gelb-Rote Karte gesehen hatte. Kurz zuvor hatte er wütend eine Getränkekiste weggeschleudert.

Schalke: Video-Bilder geben keinen Aufschluss

Die Schalker Verantwortlichen hatten sich angesichts der Vorwürfe bestürzt gezeigt und Härte bei der Suche nach den Tätern versprochen, Torunarigha hatte Anzeige erstattet. "In der Zwischenzeit haben wir sämtliches Material ausgewertet. Leider ist aus dem Filmmaterial nicht sehr viel zu ziehen, zumindest keine Person zu identifizieren", sagte Schalkes Marketing-Vorstand Alexander Jobst am Samstag (08.02.2020): "Das heißt aber nicht, dass wir dem Spieler und seinen Aussagen keinen Glauben schenken. Im Gegenteil: Wir setzen alles daran, um das vollumfänglich auszuwerten und dann entsprechend zu reagieren."

Rassistische Beleidigungen gegen Torunarigha schlagen hohe Wellen Sportschau 05.02.2020 02:51 Min. Verfügbar bis 30.06.2020 Das Erste

Eine etwaige Strafe durch den DFB werde der Klub in jedem Fall akzeptieren. Der Vorfall soll sich in der 84. Minute vor der Schalker Südkurve rund um den Block S5 ereignet haben. Schalke veröffentlichte am Samstag ein Video, in dem sich zahlreiche Funktionäre, Spieler, Fans und Trainer gegen jegliche Diskriminierung stellten - darunter auch der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies, der zuletzt nach seinen rassistischen Äußerungen über Afrika in der Kritik gestanden hatte.

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Rassismus: Zuviel Verantwortung für Schiedsrichter?

Der Umgang mit Rassismus bleibt problematisch. Bei den Beleidigungen gegen Jordan Torunarigha zeigte sich, dass die Verantwortung für die Schiedsrichter möglicherweise zu groß ist und nicht alleine bei ihnen liegen sollte. Der Drei-Stufen-Plan, der eine Stadiondurchsage, eine Spielunterbrechung sowie im Extremfall einen Spielabbruch vorsieht, kam nicht zum Einsatz. Zudem bleiben die Konsequenzen für viele Beobachter zu zahm.

Der frühere Bundesligaprofi Pablo Thiam forderte kürzlich im Deutschlandfunk Punktabzüge bei rassistischen Beleidungen. "Jeder Verein, der so etwas zulässt, muss etwas zu verlieren haben", sagte Thiam. Zudem bleibt Rassismus kein alleiniges Problem der Fanblöcke. Schalkes Aufsichtsratschef Tönnies hatte nach seinen rassistischen Aussagen eine dreimonatige Auszeit abzusitzen und ist seitdem wieder im Amt. Seinen Rücktritt forderte im Profifußball kaum jemand, Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer blieb eine der wenigen Ausnahmen.

nch/sid/dpa | Stand: 08.02.2020, 17:29

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