Forderung: Der Fußball braucht mehr Frauen in der Spitze

VfL-Torhüterin Almuth Schult

Gleichberechtigung im Fußball

Forderung: Der Fußball braucht mehr Frauen in der Spitze

Neun prominente Frauen aus dem Fußball machen Druck auf Vereine und Verbände. In einem Positionspapier fordern sie mehr Geschlechtergerechtigkeit, gleiche Bezahlung und Sanktionen gegen Sexismus.

Die Pläne, mehr Frauen in der Führung von Fußball-Vereinen und Verbänden zu bringen, werden weiter vorangetrieben. Die neun prominenten Frauen haben sich zu einem Netzwerk zusammengetan und fordern in einem Positionspapier, das der Sportschau vorliegt, weitreichende Veränderungen.

Zu den Unterzeichnerinnen des Konzepts gehören unter anderem Nationaltorhüterin und Sportschau-EM-Expertin Almuth Schult, Ex-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus-Webb, die frühere Funktionärin Katja Kraus, ZDF-Journalistin Claudia Neumann und die ehemalige Sportstudio-Moderatorin Gaby Papenburg, die sich um das Präsidentenamt des Berliner Fußball-Verbandes (BFV) bewirbt. Und schließlich dürfte dadurch auch die Führung des krisengeplagten Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in den Fokus rücken.

Kraus als Keller-Nachfolgerin?

Kraus gilt als Kandidatin für die Nachfolge des zurückgetretenen DFB-Präsidenten Fritz Keller. Sie habe eigentlich "keine Ambitionen" auf das Amt, sagte das frühere Vorstandsmitglied des Hamburger SV bei "Zeit-Online", "aber klar, eine Forderung nach Veränderung ist auch eine Verpflichtung, Verantwortung zu übernehmen. Ich schaue mir sehr genau an, wo, unter welchen Umständen und vor allem in welchen Konstellationen ich das tun würde".

Katja Kraus

Katja Kraus - Kandidatin für Keller-Nachfolge?

Laut Papenburg wäre Kraus "die perfekte Kandidatin". Dass der DFB tief in der Krise steckt, kann nach Ansicht von Papenburg ein "Glücksfall" für die Ambitionen der Frauen werden, "weil offensichtlich ist, dass das bisherige, hermetische System zerbröselt. Ich erhoffe mir damit für unsere Forderungen mehr Offenheit und Akzeptanz".

Über 90 Prozent der Führungspositionen mit Männern besetzt

In dem Positionspapier werden explizit mehr weibliche Führungskräfte gefordert. "Die Integration neuer Entscheidungsträger*innen ist ein zentraler Aspekt bei der Gestaltung der Zukunft des deutschen Fußballs", heißt es darin. Noch immer seien mehr als 90 Prozent der Führungspositionen mit Männern besetzt.

Weiter heißt es, der wirtschaftliche und kulturelle Nutzen gemischtgeschlechtlicher Teams sei bekannt: "Frauen in Führungspositionen erhöhen nachweislich die Wahrscheinlichkeit, zukünftigen Herausforderungen mit neuen Lösungen zu begegnen, strukturelle Schwächen schneller zu erkennen und Handlungsmuster zu hinterfragen, die sie nicht selbst etabliert haben."

"Zeitgemäßes Bild des Fußballs zeichnen"

In dem Papier wird unter anderem eine verbindliche Frauenquote von 30 Prozent in Führungspositionen bei Fußballverbänden gefordert: "Unser Anliegen ist es, dass es alsbald deutlich mehr Frauen in allen Bereichen des Fußballs gibt, die in Spitzenpositionen wirken und ein gerechtes und zeitgemäßes Bild des Fußballs zeichnen."

Die acht Forderungen auf einen Blick

  1. Frauenquote von 30 Prozent in Führungspositionen für Verbänden bis 2024
  2. Frauenquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten sowie mindestens eine Frau im Vorstand/Geschäftsfühung bei allen Profi-Klubs der Männer-/Frauenligen bis 2024
  3. Paritätische Verteilung von Männern und Frauen auf zweiter Führungsebene bis 2024
  4. Programme zur Herstellung der Chancengleichheit von Frauen in sportnahen Bereichen (Trainerteam, Scouting, Management)
  5. Gehaltstransparenz - gleiche Bezahlung für den gleichen Job
  6. Veränderungen der Rahmenbedingungen um Frauen und Diversität zu stärken (z.B. Karriereplanung, Führung in Teilzeit)
  7. Geschlechtergerechte und diskriminierungsfreie Sprache
  8. Sanktionierung von Sexismus und Diskriminierung

Stand: 19.05.2021, 10:47

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