Trainer Luis Enrique gestikuliert am Spielfeldrand

Nations League Spanien kriselt vor dem Showdown in Portugal

Stand: 27.09.2022 11:17 Uhr

Iberisches Gipfeltreffen in der Nations League: Im Estádio Municipal de Braga empfängt Portugal heute (20.45 Uhr, Live-Ticker bei sportschau.de) die kriselnden Spanier zu einem echten Endspiel.

Von Christian Hornung

Die Ausgangslage ist klar: Portugal führt vor diesem letzten Spiel der Nations League A, Gruppe 2, die Tabelle mit zehn Punkten an, zwei Zähler dahinter folgen die Spanier. Die Mannschaft von Luis Enrique steht also unter Siegzwang, wenn sie das Final-Four-Turnier im kommenden Jahr erreichen will, doch dafür spricht aktuell wenig.

Harte Kritik der spanischen Presse

Spanien hat sich am vergangenen Samstag (24.09.2022) eine historische Niederlage gegen die Schweiz geleistet (1:2), nie zuvor hatten die Eidgenossen auswärts einen Dreier in Spanien mitnehmen können. Portugal hingegen holte sich zwar eine blutige Nase in Person von Superstar Cristiano Ronaldo, ansonsten aber auch ganz souverän den Sieg in Tschechien: Der überragende Diogo Dalot traf beim 4:0-Sieg doppelt, Bruno Fernandes und Diogo Jota erzielten die weiteren Tore.

In Spanien wächst nun, ähnlich wie in Deutschland, England oder Frankreich, die Sorge um die passende Form zur Weltmeisterschaft in Katar, die in nicht mal mehr zwei Monaten beginnt. Wie gewohnt geht die Presse wenig zimperlich mit Enriques Mannschaft um.

"Die Weltmeisterschaft beginnt in Braga"

"Mundo Deportivo" schrieb nach der Pleite gegen die von einem überragenden Yann Sommer angeführten Schweizer: "La Roja fühlte sich zu keinem Zeitpunkt wohl gegen einen starken Rivalen. Zwei Standard-Tore der Schweizer - ein Thema, um das sich die spanische Mannschaft angesichts der Weltmeisterschaft in Katar kümmern muss." Auch die "Marca" gibt dem Trainer Ratschläge: "Luis Enrique täte gut daran, sich das Spiel noch mal ganz genau anzusehen. Spanien war nicht wiederzuerkennen. Obwohl die Roten die Fähigkeit zum Ballbesitz bestätigten, wussten sie nichts damit anzufangen."

Für "AS" ist die Bedeutung des Duells mit Portugal klar: "Die Weltmeisterschaft beginnt in Braga. Dort erwartet die Spanier das entscheidende Spiel in der Nations League, vor allem aber ein unschätzbarer Test, um zu sehen, wo La Roja weniger als zwei Monate vor der Weltmeisterschaft in Katar steht." Wenig optimistisch klingt "Sport": "Spanien ist vom Weg abgekommen. In einem schweren Spiel gegen Portugal muss der Mannschaft ein Kunststück gelingen, wenn sie ins Final Four der UEFA Nations League kommen will."

"Schlimmer als träge" - Enrique ist selbstkritisch

Seine Mannschaft sei "träge" gewesen, "nein, schlimmer als träge", sagte Luis Enrique nach dem 1:2 seiner Spanier gegen die Schweiz. "Wir hatten die ungenaueste erste Halbzeit in meiner Amtszeit als Trainer." Enrique betonte aber auch nach seiner verbalen Schelte: "Diese Niederlage ändert nichts an den Aussichten für die Weltmeisterschaft." Das sehen viele seiner Landsleute, vor allem die Zeitungsjournalisten, offenbar ein wenig anders.