Quarantäne-Pflicht für Haaland und Co. - Klubs kämpfen um Spieler

Erling Haaland vor dem Spiel zwischen Norwegen und Serbien

Norwegens Quarantäne und die Folgen für die Bundesliga

Quarantäne-Pflicht für Haaland und Co. - Klubs kämpfen um Spieler

Nach der Quarantäne bei Norwegens Nationalmannschaft sollen sich die Nationalspieler um Dortmunds Erling Haaland auch in Deutschland isolieren. An diese Anweisung der norwegischen Behörden fühlen sich die Bundesliga-Klubs nicht gebunden.

Die norwegischen Nationalspieler um Dortmunds Stürmerstar Erling Haaland müssten sich auch in Deutschland an die Quarantäne-Pflicht halten. Dies bekräftigten der norwegische Fußball-Verband und die zuständigen Behörden am Montag (16.11.2020). Die Spieler hätten bei ihrer Ausreise zugestimmt, sich bis Sonntag, 22. November, 13.00 Uhr, in Isolation zu begeben. Haaland und Co. hätten vor ihrer Abreise versichert, "dass sie sich an die Regeln halten", sagte Verbandsdirektorin Lise Klaveness: "Und wir haben die Wichtigkeit, dass sie dies tun, noch einmal unterstrichen."

Spiel- und Trainingsverbot für Haaland und Co.

Im Gepäck hatten die Stars ein Schreiben an ihre Klubs mit der Aufforderung, die lokalen Gesundheitsbehörden darüber zu informieren, dass sie Kontakt mit dem erkrankten Omar Elabdellaoui hatten. Sollten sie spielen oder auch nur trainieren, würde dies als "Bruch" der Quarantäne-Anordnung und "Verstoß gegen die Voraussetzungen zur Ausreise" gewertet, sagte der zuständige Osloer Amtsarzt Tore W. Steen dem "Dagbladet". Dann könnte die Polizei aktiv werden. Das norwegische Infektionsschutzgesetz sieht für Quarantäneverstöße Geldstrafen oder Gefängnis bis zu zwei Jahren vor.

Die norwegischen Behörden wollten mit ihren Fußball-Stars "nicht weniger streng" verfahren als mit anderen Bürgern, wurde Regierungschefin Erna Solberg zitiert. "Es ist unsere ganz grundsätzliche Strategie, Menschen in Quarantäne zu schicken, wenn sie in der Nähe eines Infizierten waren", sagte Solberg: "Viele andere Länder um uns herum tun dies nicht, und das ist einer der Gründe dafür, dass die Zahl der Fälle bei uns kleiner ist."

Wie weit reicht Zuständigkeit der norwegischen Behörden?

Folgt man den Anordnungen der norwegischen Behörden, dann dürfte weder Haaland am kommenden Samstag für die Borussia bei Hertha BSC spielen noch Rune Jarstein auf der Gegenseite - und auch der dritte aus der Bundesliga abgestellte Nationalspieler nicht, Alexander Sörloth von Leipzig. RB wird bei Eintracht Frankfurt antreten.

Unklar ist jedoch, wie weit die Zuständigkeit der norwegischen Behörden reicht, und ob nicht doch eher die deutschen Gesundheitsämter das letzte Wort über einen Einsatz von Bundesliga-Spielern haben. Der norwegische Gesundheitsminister Bent Höie meinte dazu: "Es liegt nicht in meiner Macht, Personen, die im Ausland leben, eine Quarantäne aufzuerlegen." Es gebe allerdings "gute Gründe dafür, dass diese Spieler in Quarantäne sind."

Borussia Dortmund gibt Mitteilung heraus

Die Klubs aus Dortmund, Leipzig und Berlin deuteten bereits an, dass sie sich nicht an die Auflagen aus Oslo gebunden fühlen. Der BVB teilte mit, mit allen Beteiligten in Ruhe an einer Klärung zu arbeiten. Allerdings gehe der Klub davon aus, dass Haaland auf deutschem Boden dem deutschen Recht zu unterwerfen sei.

Der Stürmer habe den Maßnahmen vor seiner Abreise nicht zugestimmt, hieß es vonseiten des BVB, der damit den Aussagen des norwegischen Verbandes widersprach. Haaland werde sich einer dritten Testung unterziehen, sollte auch diese negativ ausfallen, sei er spielberechtigt.

Reaktionen von Hertha BSC und RB Leipzig

Bei Hertha BSC geht man aktuell "davon aus, dass hier das für uns zuständige Gesundheitsamt federführend ist und Rune nach zwei negativen Testergebnissen gegen Ende der Woche ins Training einsteigen kann", sagte Medienchef Max Jung. Auch Leipzig wies darauf hin, dass Sörloth nichts unterschrieben habe und nun der deutschen Gerichtsbarkeit unterliege. Der Angreifer werde erneut getestet, der Klub stehe in Kontakt mit den lokalen Gesundheitsbehörden.

Quarantäne nach Positivtest im norwegischen Team

Wegen des positiven Tests von Außenverteidiger Omar Elabdellaoui am Freitag hatten Norwegens Gesundheitsbehörden dem Team die Ausreise zum Nations-League-Spiel nach Rumänien untersagt und verlangt, dass die gesamte Mannschaft für zehn Tage in Quarantäne geht.

Der Fall werde an die Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer abgegeben. Dieser wird den Regeln zufolge nun wahrscheinlich eine Wertung gegen Norwegen beschließen.

Norwegens Gesundheitsminister auf Kollisionskurs mit der UEFA

Die im Ausland engagierten Spieler dürften zurück in ihre Länder reisen, hatte zuvor der Verband NFF am Sonntag in Oslo mitgeteilt. Alles weitere sollten die zuständigen Gesundheitsämter entscheiden.

Der norwegische Gesundheitsminister Bent Hoie hatte aber zugleich gefordert, dass die UEFA die Quarantäne-Regelungen des Landes respektieren solle. "Wenn der Verband sich dafür entscheidet, in einer rechtlichen Grauzone zu agieren und eines der wichtigsten uns zur Verfügung stehenden Instrumente zur Bekämpfung der Pandemie zu untergraben, nämlich die Quarantäne, wenn man mit einer infizierten Person in Kontakt gekommen ist, dann werde ich heftig reagieren", sagte Hoie.

Norwegen mit Rumpfteam zum Spiel nach Österreich

Zum Nations-League-Spiel am Mittwoch gegen Österreich in Wien schickte der norwegische Verband eine Not-Auswahl. Zum 18er-Kader mit Spielern aus zehn Ländern, den der NFF am Montagmittag präsentierte, gehört auch Julian Ryerson von Union Berlin. Das Aufgebot sollte sich am Montag am Osloer Flughafen treffen und von dort am Dienstag nach Österreich reisen. Als Trainer springt U21-Coach Leif Gunnar Smerud ein.

Verbandsschreiben: "Die gesamte Mannschaft ist verzweifelt"

"Es waren schwierige Erwägungen, aber wir sind jetzt froh, dass das Spiel stattfinden kann", sagte NFF-Generalsekretär Pal Bjerketvedt. Norwegen kann seine Gruppe in der Liga B immer noch gewinnen.

In einem auf seiner Homepage veröffentlichten Brief an das Gesundheitsministerium hatte der norwegische Verband zuvor gewarnt, dass im Fall von Spielabsagen in der Nations League große finanzielle und sportliche Konsequenzen drohten.

Der Verband hatte zudem ein Schreiben der Spieler veröffentlicht. Sie hatten beklagt, dass im Fall einer Absage beider Spiele die Gefahr bestünde, den Aufstieg in die Liga A der Nations League sowie Lostopf 2 für die Auslosung der WM-Qualifikations-Gruppen zu verpassen.

red/dpa | Stand: 16.11.2020, 14:35

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