Nations League - Abstellungs-Chaos durch Corona

Italiens Nationaltrainer Roberto Mancini an der Seitenlinie

Nationalteams müssen umplanen

Nations League - Abstellungs-Chaos durch Corona

Kaum stehen die nächsten Länderspiele auf dem Programm, gibt es eine Vielzahl von Coronafällen und Abstellungsprobleme für diverse Nationalteams. Das sorgt teilweise für Chaos - vor allem in Italien und Dänemark.

Die schlechten Nachrichten ereilten Roberto Mancini in seiner Wohnung in Rom. Erst wurde der italienische Nationaltrainer selbst positiv auf das Coronavirus getestet, dann hagelte es gleich zehn coronabedingte Absagen seiner Spieler für die anstehenden Partien. Doch nicht nur die "Squadra Azzurra" ist betroffen - die steigenden Corona-Fallzahlen unter den Fußballprofis wirbeln die Planungen zahlreicher Nationalteams durcheinander. Egal ob Brasilien, Spanien, Serbien oder Marokko - sie alle müssen vor allem wegen der Probleme in der Serie A auf Spieler verzichten. Weder Lazio Rom, noch die AC Florenz oder die AS Rom dürfen ihre Nationalspieler abstellen. Das entschieden die lokalen Gesundheitsbehörden laut "Gazzetta dello Sport", nachdem mehrere positive Fälle in den Mannschaften aufgetreten waren. Die Teams befinden in einer "Blase", in der sie bis zum kommenden Sonntag (15.11.2020) bleiben müssen.

Hohe Wellen auch in der Bundesliga

Das Thema Abstellungspflicht schlägt auch in der Bundesliga hohe Wellen. Da es nach wie vor bundesweit keine einheitliche Regeln gibt, wird das deutsche Oberhaus in dieser Woche wieder zu einem Flickenteppich. Werder Bremen und Arminia Bielefeld haben bereits erklärt, aufgrund behördlicher Vorgaben keine Spieler zu ihren Nationalteams in Risikogebiete ziehen zu lassen. Schlechte Nachrichten gab es aber nicht nur aus Italien. Beim österreichischen Serienmeister Salzburg wurden sechs Profis positiv getestet. Alle Abstellungen zur Nationalmannschaft seien vorerst abgesagt worden, da sich auch der Rest des Teams in Quarantäne befinde, erklärte Bayerns Champions-League-Gruppengegner, der Nationalspieler aus Österreich, Ungarn, Sambia, Mali und Kamerun in den Reihen hat.

Probleme nach Corona-Mutation in Dänemark

Auch die Übertragung von mutierten Coronaviren von Nerzen auf den Menschen in Dänemark führt bei mehreren Nationalmannschaften zu Problemen. Aufgrund neuer Einreisebeschränkungen der britischen Regierung findet das Länderspiel zwischen Dänemark und Schweden am Mittwoch in Kopenhagen ohne Spieler aus der Premier League statt. Der positive Test beim Hoffenheimer Robert Skov hat die dänische Nationalmannschaft dann vollends ins Corona-Chaos gestürzt.

Die Dänen müssen deshalb vorerst auf Cheftrainer Kasper Hjulmand und insgesamt neun weitere Nationalspieler um den Leipziger Yussuf Poulsen verzichten. Der frühere Mainzer Coach hatte nach Verbandsangaben wie sein Assistent Morten Wieghorst und einige Profis um Poulsen und den Schalker Frederik Rönnow engen Kontakt zu Skov oder einem ebenfalls positiven Stabmitglied. Alle Betroffenen sind negativ, wurden aber isoliert und stehen im ohnehin umstrittenen Länderspiel gegen Schweden nicht zur Verfügung. "Das ist ärgerlich für die Mannschaft und vor allem für die beiden Positiven", sagte Hjulmand. Beide sollen sich aber schon vor dem Treffen der Auswahl infiziert haben.

England gegen Island vielleicht in Albanien

Für die Partie zwischen England und Island in der kommenden Woche wird ein neutraler Spielort gesucht, da die Isländer drei Tage zuvor in Kopenhagen gegen Dänemark spielen. Laut "The Telegraph" wird Albanien als Austragungsort favorisiert.

Bei den Italienern muss Alberico Evani, der den zu Hause isolierten Mancini vertritt, mindestens für das Spiel gegen Estland am Mittwoch umplanen. So fehlen unter anderem der positiv getestete Torjäger Ciro Immobile, der damit für das Abstellungsverbot bei Lazio sorgte, oder Bryan Cristante, Lorenzo Pellegrini, Leonardo Spinazzola und Gianluca Mancini aus den Reihen der AS Rom. Sie dürfen die Vereinsblase nach dem positiven Test beim Bosnier Edin Dzeko nicht mehr verlassen. Ebenso der Ex-Dortmunder Henrich Mchitarjan, der normalerweise zur armenischen Nationalmannschaft gereist wäre.

Probleme weltweit

Weltweit haben die Nationalteams mit Abstellungsproblemen aufgrund unterschiedlicher Regelungen zu kämpfen. Bei Florenz hat sich der Spanier Jose Callejon infiziert, sodass gleich 13 Spielern die Ausreise zu den jeweiligen Auswahlteams untersagt wurde.

Den Klubs dürfte es wegen der Gefahren aber nicht unrecht sein, dass einigen Spieler das Reisen erspart bleibt. "Ich weiß, was wir machen, aber ich weiß nicht, was in anderen Teilen der Welt und in den anderen Ligen passiert", sagte Roms Trainer Paulo Fonseca. Inter Mailands Geschäftsführer Giuseppe Marotta forderte Sportminister Vincenzo Spadafora auf, das Problem mit den Nationalspielern zu lösen.

red/dpa/sid | Stand: 10.11.2020, 14:52

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