DFB-Elf - außen "irgendwie" Probleme

Deutschlands Lukas Klostermann (m.) und Robin Gosens reagieren auf den 2:0-Gegentreffer.

Analyse nach dem 3:3 gegen die Schweiz

DFB-Elf - außen "irgendwie" Probleme

Von Marcus Bark (Köln)

Bundestrainer Joachim Löw nutzte häufig das Wort "irgendwie", um das 3:3 gegen die Schweiz zu erklären. Auf die Rolle der Außenverteidiger ging er nicht ein, dabei gibt es da irgendwie weiter große Probleme, eine ideale Besetzung zu finden.

Die Ankündigung des Bundestrainers, die nach dem ersten Sieg in der Nations League erfolgte, wurde nach dem dritten Unentschieden sofort wieder zurückgenommen. Jetzt gelte es, eine Mannschaft mit Blick auf die Europameisterschaft im Sommer 2021 einzuspielen, hatte Joachim Löw nach dem 2:1 in der Ukraine gesagt. Drei Tage später nach dem 3:3 gegen die Schweiz sagte er mit Blick auf den tristen November, dass er für die drei anstehenden Länderspiele wieder einen "großen Kader" berufen werde. Im Test gegen Tschechien am 11. November in Leipzig dürfte also wieder eine Mannschaft auflaufen, die ähnlich wie die beim 3:3 gegen die Türkei wenig mit der besten Auswahl gemein hat.

Am Dienstag (13.10.2020) nach dem Spiel gegen die Schweiz nahm der Bundestrainer sehr häufig das Adverb "irgendwie" in den Mund. Irgendwie habe es Licht und Schatten gegeben, irgendwie gute Aktionen in der Offensive, irgendwie aber auch viele Fehler in der Defensive, aus denen die Mannschaft irgendwie lernen könne, um das "Minimalziel" bei der EURO zu erreichen: "Halbfinale".

Jogi Löw: "Das EM-Halbfinale ist das Minimalziel" Sportschau 13.10.2020 05:20 Min. Verfügbar bis 13.10.2021 Das Erste

Die Ambitionen sind also nach wie vor hoch beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), der nach dem schmählichen Aus bei der Weltmeisterschaft 2018 Demut predigte und seitdem beteuert, dass er in einem doch größeren Prozess eines Umbruchs stecke.

Außenverteidiger spielen in ihren Vereinen auf anderen Positionen

Dieser Prozess beinhaltet die Suche nach dem Idealen. Und diese Suche gestaltet sich schwierig. Das fängt bei der Grundformation an. Löw betont zwar, dass sie weniger wichtig sei, weil es vor allem gelte, die Räume richtig zu besetzen. Aber auch das war schwierig, wie das Spiel gegen die Schweiz zeigte, bei der mehrere der besten Spieler fehlten, während bei Deutschland bis auf Leroy Sané die vermeintlich erste Elf auf dem Platz war. Wäre er dabei gewesen, hätte einer aus dem Quartett Serge Gnabry, Timo Werner, Kai Havertz und Leon Goretzka auf die Bank gemusst, um die Balance zu wahren. Dies zeigt, dass es irgendwie ein sogenanntes Luxusproblem in der Offensive gibt.

Deutschland gegen Schweiz - die Highlights Sportschau 13.10.2020 03:02 Min. Verfügbar bis 13.10.2021 Das Erste

In welcher Formation aber soll sich eine Viererkette oder eine Dreierkette mit zwei äußeren Mittelfeldspielern neben den im Zentrum gesetzten Joshua Kimmich und Toni Kroos einspielen? Der Frage nach einem künftigen Abwehrchef wich Löw - irgendwie - aus. Die Frage nach den Außenverteidigern wurde nicht gestellt, dabei ist sie seit Jahren eine zentrale in der deutschen Nationalmannschaft.

Deutschland gegen Schweiz - die Stimmen Sportschau 13.10.2020 06:08 Min. Verfügbar bis 13.10.2021 Das Erste

Es wird gesucht und gesucht, aber eine ideale Lösung ist nicht in Sicht. Der Dreierpack an Länderspielen im Oktober nährte auch wieder lediglich die Zweifel.

Gegen die Schweiz wählte Löw erstmals wieder die Viererkette. Auf der rechten Seite spielte Lukas Klostermann, der bei RB Leipzig seit Monaten als Innenverteidiger in einer Dreierkette eingesetzt wird. Auf der linken Seite spielte Robin Gosens, der bei Atalanta Bergamo im linken Mittelfeld vor einer Dreierkette spielt. Für ihn wurde Marcel Halstenberg eingewechselt, der bei Leipzig inzwischen ebenfalls überwiegend innen agiert.

Viererkette passt besser für das Offensivspiel

Das ist - irgendwie - ein Dilemma für Löw, denn eine Viererkette passt besser zu seinem Kader. Dies zeigte sich gegen die Schweiz, denn so bekommt er mehr der qualitativ so hochwertigen Offensivspieler unter. Andererseits hat er einen der Innenverteidiger weniger, die im Spielaufbau deutlich schwächer sind als ihre Vorgänger Jérôme Boateng und Mats Hummels.

Deutschland gegen Schweiz - die Analyse Sportschau 13.10.2020 05:25 Min. Verfügbar bis 13.10.2021 Das Erste

Dies könnte über Außenverteidiger kompensiert werden, denen in Zeiten der verdichteten Zentren eine ganz wichtige Rolle im Fußball zukommt. Gosens hat den Vorwärtsdrang, den es benötigt. Aber er hat Schwächen in der Defensive, wie sich gegen die Schweiz zeigte. Klostermann und Halstenberg sind solide Lösungen. Tempo, Kombinationsspiel, Flanken - alles vorhanden, aber nur irgendwie. Die deutsche Nationalmannschaft hat dieses Problem an den äußeren Enden der Abwehrketten gemein mit anderen Nationen.

Der Beste spielt im Mittelfeld

England hat Trent Alexander-Arnold, Frankreich mit den Bayern Benjamin Pavard und Lucas Hernández sowie Ferland Mendy von Real Madrid die größte Auswahl an Qualität. Die meisten Trainer der Topmannschaften sind froh, wenn sie über einen herausragenden Außenverteidiger verfügen. Deutschlands beste Lösung dürfte Joshua Kimmich sein, aber der möchte partout im Mittelfeld spielen - und Löw gewährt ihm diesen Wunsch. Der Mehrwert, der sich daraus ergeben soll, zeigte sich allerdings auch gegen die Schweiz wieder nicht.

Deutschland gegen Schweiz - die komplette Partie Sportschau 13.10.2020 01:32:52 Std. Verfügbar bis 13.10.2021 Das Erste

Stand: 14.10.2020, 08:00

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