Einzelkritik - Tempo, Härte und Schlendrian

Sane im Länderspiel gegen die Niederlande

Deutschland - Niederlande 2:2

Einzelkritik - Tempo, Härte und Schlendrian

Schnell und zielstrebig nach vorne, konsequent und wachsam in der Abwehr - lange zeigte die deutsche Nationalmannschaft gegen die Niederlande, dass sie aus den vergangenen Monaten etwas gelernt hat. Dann kam die Schlussphase.

Tor

Manuel Neuer: In der ersten Halbzeit wurde der Kapitän überhaupt nicht beschäftigt. In Durchgang zwei griff er bei einem Freistoß von der rechten beherzt mit beiden Fäusten ein. Danach kamen noch ein paar Torschüsse, die Neuer meistens nicht viel abverlangten. Bei einem Schuss von Memphis Depay aufs kurze Eck war er dann souverän zur Stelle (78.). Bei beiden Gegentoren war er machtlos.

Abwehr

Antonio Rüdiger: Wenn er gebraucht wurde, war Rüdiger mit all seiner Physis im Zweikampf präsent. Nach kleineren Wacklern gegen die Russen zeigte er sich diesmal stabiler, gab aber insgesamt in der Dreierreihe den unauffälligsten Part. Als die Niederländer in der Schlussphase ihre langen Leute nach vorne schickten, wirkte Rüdiger nicht immer auf der Höhe.

Süle (r.) im Länderspiel gegen die Niederlande

Süle (r.) behielt in der Abwehr den Überblick.

Niklas Süle: Süle übernimmt seine Rolle in der Defensive der Nationalmannschaft genauso selbstverständlich wie beim FC Bayern. Als souveräner letzter Ausputzer in der Luft und am Boden nach verlorenen Zweikämpfen der Teamkollegen ließ er erneut vergessen, dass er ja auch gerade erst 23 Jahre alt geworden ist. Allerdings verlor auch er in der Schlussphase den Faden.

Mats Hummels: War wieder in die Mannschaft gerückt und hatte in seinen Zweikämpfen viel Licht und ein klein wenig Schatten: Es gab diverse tolle Balleroberungen wie vor dem Führungstor, aber eben auch Situationen, in denen er etwas zu spät kam, wie bei seiner frühen Gelben Karte.

Mittelfeld

Thilo Kehrer: Vor allem offensiv anfangs sehr auffällig, später sah man den PSG-Verteidiger nicht mehr so häufig. In Durchgang zwei tauchte Kehrer fast gänzlich ab und leistete sich defensiv auch den einen oder anderen kleineren Schnitzer.

Joshua Kimmich: Der Münchener begnügte sich mit der Arbeit gegen den Ball. Die verrichtete er zuverlässig und hielt Nebenmann Toni Kroos damit oft den Rücken frei. Als die Niederländer gegen Ende mehr wollten, bekam auch Kimmich keinen Zugriff mehr.

Kroos (l.) im Länderspiel gegen die Niederlande

Kroos machte gegen Holland sein 90. Länderspiel.

Toni Kroos: Wie erwartet spielte Kroos wieder von Beginn an und war sofort wieder der Taktgeber. Beim ersten Treffer war er an der Entstehung beteiligt, beim zweiten gab er die direkte Vorlage. Auch nach hinten arbeitete der Mann von Real Madrid konsequent. Ein hervorragendes Länderspiel.

Nico Schulz: Schulz war auf der linken Seite viel unterwegs - ihm gelang dabei nicht alles, aber es war eine fleißige Vorstellung des Hoffenheimers, der immer wieder im Vollsprint die Linie rauf und runter marschierte. In der Schlussphase hatte er mit einem Volleyschuss sogar das 3:0 auf dem Fuß (81.).

Angriff

Serge Gnabry (bis 66. Minute): Sein Pass auf Werner vor dem 1:0 war wunderschön, auch sonst war der 23-Jährige oft die vorletzte Anspielstation in den deutschen Angriffen und betätigte sich so ein bisschen als Mischung aus hängender Spitze und Spielmacher. Hätte sich nach 40 Minuten für seinen engagierten Auftritt mit einem Kopfball, bei dem er regelrecht in der Luft stand, um ein Haar mit einem Treffer belohnt.

Timo Werner (bis 63. Minute): Der Angreifer zeigte bei seinem Führungstreffer die bei ihm im Nationaltrikot länger vermisste Zielstrebigkeit und hielt einfach drauf. Der Leipziger suchte mit seinen schnellen Läufen immer wieder die Tiefe und sorgte damit ständig für Unruhe und Gefahr.

Leroy Sané (bis 80. Minute): Zeigte all seine Stärken bei seinem zweiten Länderspieltor zum 2:0 - seine Schnelligkeit, seine Technik bei der Ballmitnahme und seinen Abschluss. Immer wieder startete der Youngster mit seinem Antritt in die Spitze und immer wieder ging dabei ein Raunen durch die Schalke-Arena, auch wenn er nicht jeden Ball erlaufen konnte. Der Mann von Manchester City versprühte große Spielfreude und Torgefahr.

Einwechselspieler

Marco Reus (ab 63. Minute): Der Dortmunder fügte sich gut in die deutsche Angriffsreihe an und sorgte mit seinem Tempo gleich für Gefahr. Danach tauchte Reus allerdings Stück für Stück ab.

Thomas Müller (ab 66. Minute): Mit guten Worten von Bundestrainer Joachim Löw in sein 100. Länderspiel geschickt bemühte sich Müller, den Esprit der Nebenleute mitzunehmen. Dabei versuchte sich der Jubilar vor allem als Spielbeschleuniger und Vorlagengeber.

Leon Goretzka (ab 80. Minute): In einer entschiedenen Partie kam Goretzka in der Schlussphase für die Stabilität. Das klappte nicht so gut: Mit einem Stockfehler leitete er vor dem eigenen Strafraum den Treffer der Niederländer ein und sorgte damit für die unnötig spannende Schlussphase, in der das Team den Sieg noch hergab.

Stand: 19.11.2018, 23:10

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