DFB - Rückfall in die Zeit der WM

Thomas Müller

Analyse nach dem 0:3 in den Niederlanden

DFB - Rückfall in die Zeit der WM

Von Marcus Bark (Amsterdam)

Beim 0:3 in den Niederlanden fällt die deutsche Nationalmannschaft in Fehler zurück, die das desolate Abschneiden bei der Weltmeisterschaft verursachten. Die Analyse.

Julian Draxler schickte voraus, dass er das 0:2 und 0:3 gerne "auf meine Kappe nehmen" könne. Er hatte schließlich auch jeweils den Ball verloren und so die Konter der Niederlande ermöglicht, die in den beiden Treffern mündeten, die Deutschlands fünfte Niederlage des Kalenderjahres besiegelten.

Das ist eine der alarmierenden Statistiken, eine andere besagt: Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw erzielte in den vergangenen drei Pflichtspielen null Tore.

Verschiedene Erklärungsansätze

Für die historische Flaute gibt es nach dem zweiten deutschen Spiel in der Nations League verschiedene Erklärungsansätze. Innenverteidiger Mats Hummels etwa schob sie auf die schlechte Chancenverwertung, Toni Kroos und Löw auf die fehlenden Erfolgserlebnisse in den vergangenen Monaten.

Draxler ging nach dem Eingeständnis seiner Fehler in eine andere Richtung: "Wir waren nicht zwingend genug und hatten zu wenig Überraschungsmomente." Es seien durchaus Chancen vorhanden gewesen, aber "nichts, wo du sagst, das muss ein eindeutiges Tor sein" - wobei diese These zumindest bei den Gelegenheiten von Werner, Müller und Joker Leroy Sané nur bedingt haltbar erschien.

Dann schickte Draxler seine Mannschaft in eine Zeit zurück, die nach den soliden Auftritten im September gegen Weltmeister Frankreich (0:0 zum Auftakt der Nations League) und Peru (2:1-Sieg in einem Test) überwunden schienen: "Wir spielen immer hin und her, bis wir dann den Ball verlieren und den Konter kassieren. Es fehlt auch die Risikobereitschaft."

Fehlende Verlagerungen

Mit dieser Art des Fußballs war Deutschland bei der WM schon nach der Vorrunde gescheitert. Löw hatte danach als eines der Ziele ausgegeben, weniger anfällig für Konter zu werden. Er stellte auf eine 4-1-4-1-Grundformation um, beorderte Joshua Kimmich auf die Position im zentralen Mittelfeld vor der Abwehr. So spielte die Nationalmannschaft auch am Samstag (13.10.18) in Amsterdam.

Aber nur das System war neu, die Taktik und vor allem das Personal erinnerten an das Turnier in Russland. Deutschland war darauf bedacht, den Ball zu haben. Die Außenverteidiger rückten weit auf, was nach Löws Plänen einen Monat zuvor auch dosierter geschehen sollte. Matthias Ginter auf der rechten Seite stand aber meistens in einem großen freien Raum und hob die Hand, ohne dass ein Kollege darauf reagierte. Die Seitenverlagerungen blieben aus.

Auffällig war, dass Kroos als linker "Achter" in der Mittelfeldreihe das Spiel auf seine Seite zieht. Nahezu alle Angriffe wurden über die linke Seite eingeleitet. Darunter waren auch gelungene, die zu guten Torchancen für Timo Werner und Thomas Müller (nachdem der rechte "Achter" Emre Can auch nach links gezogen war) führten. "Es geht alles zu langsam und ist zu berechenbar", sprach Draxler auch diesen Punkt schonungslos an.

Draxler als Ausnahme

Der Profi von Paris Saint-Germain war die Ausnahme in einer Mannschaft, die sich - auch das zeigte sich schon während der WM - abschotten möchte. "Wir müssen jetzt ausblenden, was auf uns einprasseln wird", sagte Löw vor dem Rückspiel gegen Frankreich am Dienstag (16.10.18) in Paris.

Manuel Neuer: "Den Schalter umlegen"

Sportschau | 13.10.2018 | 01:26 Min.

Hummels beklagte einmal mehr die angebliche Respektlosigkeit der Kritiker, die es immer auf "dieselben fünf Spieler“ absähen. Es klang vieles wie bei der WM, auch die aus Russland und schon lange davor bekannten Probleme traten wieder auf. Müller ist außer Form, Boateng weist körperliche Defizite auf, die Außenverteidiger genügen hohen internationalen Ansprüchen nicht. Die Mängelliste wird sogar länger, denn wie sich beim ersten Treffer der Niederländer zeigte, bietet nun auch Torwart Manuel Neuer Angriffsfläche für Kritik.

Löw verteidigt seine Linie

Der Bundestrainer verteidigt seine Linie, weiter auf viele Weltmeister von 2014 zu setzen statt auf die Form seiner Schützlinge. Um den nötigen Umbruch einzuleiten, gleichzeitig aber auch den Abstieg aus der Nations League zu vermeiden, müsste Löw aber seinen jüngeren Spielern auch wirklich Vertrauen schenken. Eine weitere Frage ist: Wer stünde zur Verfügung, wenn der DFB Löw das Misstrauen ausspräche?

Statistik

Fußball · Nations League A · 3. Spieltag 2018/2019

Samstag, 13.10.2018 | 20.45 Uhr

Flagge Niederlande

Niederlande

Cillessen – Dumfries, De Ligt, Van Dijk, Blind – de Roon, F. de Jong (77. Aké), Wijnaldum – Bergwijn (68. Groeneveld), Depay, Babel (68. Promes)

3
Flagge Deutschland

Deutschland

Neuer – Ginter, Boateng, Hummels, Hector – Kimmich – E. Can (57. Draxler), Kroos – Müller (57. L. Sané), Uth (68. Brandt), Werner

0

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Van Dijk (30.)
  • 2:0 Depay (87.)
  • 3:0 Wijnaldum (90.+3)

Zuschauer:

  • 52.000

Schiedsrichter:

  • Cüneyt Cakir (Türkei)

Stand: Sonntag, 14.10.2018, 14:02 Uhr

Stand: 14.10.2018, 09:30

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