DFB-Elf - gutes Gefühl nach letztem Nackenschlag

Schauen bedröppelt drein: Die DFB-Spieler Joshua Kimmich (l.), Toni Kroos und Niklas Süle (r.)

Analyse zum Spiel Deutschland - Niederlande

DFB-Elf - gutes Gefühl nach letztem Nackenschlag

Von Marcus Bark (Gelsenkirchen)

Als müsse noch ein Beweis erbracht werden, dass 2018 ein fürchterliches Jahr war, kassiert die deutsche Nationalmannschaft in der Nachspielzeit den Ausgleich gegen die Niederlande. Warum Bundestrainer Joachim Löw trotzdem mit einem "sehr guten Gefühl" in das kommende Jahr geht, zeigt die Analyse.

Vier Spiele, zwei Niederlagen, zwei Unentschieden, drei Mal gute Kritiken, eine vernichtende nach dem 0:3 in den Niederlanden: Das ist die Bilanz der deutschen Nationalmannschaft nach der ersten Gruppenphase in einer Nations League.

Der Kern dieser Bilanz spiegelte sich auch im letzten Länderspiel des Jahres wider. Bundestrainer Joachim Löw teilte das Heimspiel gegen die Niederlande in zwei Teile. In dem einen, der 80 Minuten gedauert habe, hätte Deutschland den Gegner klar beherrscht, in dem anderen "gewackelt".

"Mit einem sehr guten Gefühl" ins Jahr 2019

Der schwachen Phase, in der aus einem 2:0-Vorsprung noch ein 2:2 wurde, gewann Löw auch noch etwas Positives ab: "Eine junge Mannschaft braucht manchmal eine solche Erfahrung, um es in Zukunft besser zu machen." Der Bundestrainer gehe jedenfalls "mit einem sehr guten Gefühl" in das Jahr 2019.

Zwei Wettbewerbe eines Jahres mit nur einem Sieg und zwei letzten Gruppenplätzen abzuschließen, hätte in der Vergangenheit eher zu einer Trainerdiskussion als zu einer weitgehenden Übereinstimmung mit demjenigen geführt, der die Perspektive in hellen Farben zeichnet.

Sané steht für den Umbau im DFB-Team

"Da wächst auf jeden Fall etwas zusammen", sagte Leroy Sané im Duktus des Bundestrainers. Sané steht mehr als alle anderen für den notwendigen Umbau im Kader.

Bei der WM, bei der er - aus welchen Gründen auch immer - schmerzlich vermisst wurde, schleppte sich das deutsche Spiel von links nach rechts, ein bisschen nach vorn und noch weiter zurück. Vor allem wegen des inzwischen fast schon etablierten Angriffs im zuletzt gewählten 3-4-3 mit Sané, Serge Gnabry und Timo Werner geht es wieder schnell nach vorne. Tempo ist der Schlüssel zum Erfolg im Angriffsdrittel, das zeigt sich auch bei den meisten Vereinsmannschaften der Extraklasse. Die Ballbeschleunigung von Gnabry vor dem 1:0 von Werner zeigte dies in einer Sequenz von wenigen Sekunden.

Ob er jetzt die richtige Mischung zwischen jungen und älteren Spielern gefunden habe, wurde Löw am Montagabend (19.11.18) gefragt. Er antwortete zurückhaltend: "Ich bin kein Hellseher."

Das Jahr 2019 wird andere Herausforderungen stellen, denn die meisten Gegner in der Qualifikation zur Europameisterschaft werden deutlich unter dem Niveau von Weltmeister Frankreich und den Niederlanden liegen. Die meisten Gegner werden ihre Chance darin suchen, weit hinten wenig Raum und Zeit für die deutsche Mannschaft zu lassen. Es läuft also wieder darauf hinaus, dass Tempo gefragt ist, auch beim Auffassen von Situationen.

Schulz die bessere "linke Lösung"

Nico Schulz scheint daher die bessere Lösung im linken Mittelfeld oder auch am linken Ende einer Viererkette zu sein, denn er wird in Bundesliga und Champions League mehr gefordert als Jonas Hector beim 1. FC Köln. Auf der rechten Seite zeigte Thilo Kehrer auch gegen die Niederlande wieder gute Ansätze. Allerdings wird er bei Paris Saint-Germain auf seiner gelernten Position als Innenverteidiger eingesetzt. Das könnte auf Dauer und mit Blick auf ein großes Turnier ein Problem sein.

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Die Kombination aus Toni Kroos und Joshua Kimmich im zentralen Mittelfeld ist ideal bis mindestens zur Europameisterschaft. Mit Marco Reus und Ilkay Gündogan hat Löw noch zwei außergewöhnlich gute Fußballer zur Verfügung - sowohl für das zuletzt praktizierte 3-4-3 wie auch für andere Grundformationen.

Zur Analyse der deutschen Nationalmannschaft am Ende des Jahres 2018 gehören aber auch die letzten Minuten des Spiels gegen die Niederlande. Ein schlichter Zug von Bondscoach Ronald Koeman, nämlich den großen Innenverteidiger Virgil van Dijk reichte, um eine stabile Defensive gehörig ins Wackeln zu bringen, weil die Überlegenheit in Luftduellen verloren ging. Dass van Dijk in der Nachspielzeit den ersten Sieg in der Nations League verhinderte, passte maßgenau in das Jahr 2018 der deutschen Nationalmannschaft.

Statistik

Fußball · Nations League A · 6. Spieltag 2018/2019

Montag, 19.11.2018 | 20.45 Uhr

Flagge Deutschland

Deutschland

Neuer – Süle, Hummels, Rüdiger – Kehrer, Kimmich, Kroos, N. Schulz – Werner (63. Reus), Gnabry (67. Müller), L. Sané (80. Goretzka)

2
Flagge Niederlande

Niederlande

Cillessen – Tete, De Ligt, Van Dijk, Blind – de Roon, F. de Jong, Wijnaldum (60. Vilhena) – Promes, Depay, Babel (45. Dilrosun / 66. de Jong)

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Werner (9.)
  • 2:0 L. Sané (19.)
  • 2:1 Promes (85.)
  • 2:2 Van Dijk (90.+1)

Strafen:

  • gelbe Karte Hummels (1 )
  • gelbe Karte Wijnaldum (2 )
  • gelbe Karte Kroos (1 )
  • gelbe Karte Kimmich (1 )

Zuschauer:

  • 42.186

Schiedsrichter:

  • Ovidiu Hategan (Rumänien)

Stand: Dienstag, 20.11.2018, 00:06 Uhr

Stand: 20.11.2018, 08:34

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