Pinselarbeiten beim DFB - die ganz schlechte nach einer guten Idee

Oliver Bierhoff

Aktion "Human Rights"

Pinselarbeiten beim DFB - die ganz schlechte nach einer guten Idee

Von Marcus Bark

Es war eine gute Idee der Nationalmannschaft, für Menschenrechte einzustehen. Dies aber selber als eine PR-Aktion bloßzustellen, war eine ganz schlechte Idee. Nun müssen sie beim DFB schon wieder gegen einen Imageschaden ankämpfen.

Es gibt Tage, da ist nur zu verständlich, dass Funktionäre und Sportler den Pressespiegel ignorieren. Nach dem 0:6 der Nationalmannschaft in Spanien etwa dürfte es Oliver Bierhoff irgendwann zu viel und zu heftig geworden sein.

Nun aber, am Freitag (26.03.2021) nach dem Spiel gegen Island dürfte es für den Direktor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sehr angenehm gewesen sein, die Berichte auf dem Smartphone oder Tablet nachzulesen. Souveräner Sieg zum Auftakt der Qualifikation zur WM, außerdem - und das war viel höher zu bewerten - hatte sich das Mannschaftsfoto mit der Botschaft "Human Rights" um die Welt verbreitet.

PR-Debakel des DFB - "Millionäre als Missionare mit Malerrollen"

Sportschau 27.03.2021 01:49 Min. Verfügbar bis 27.03.2022 ARD Von Burkhard Hupe


Klar, es gab Stimmen, auch von der Sportschau, die sagten, dass es noch ein bisschen offensiver und unter Nennung des Klarnamens Katar hätte passieren können. Aber unter dem Strich war es ein gutes "erstes Zeichen", wie Bundestrainer Joachim Löw sagte. Das Image des DFB, das in den vergangenen Jahren - vor allem auch wegen Bierhoffs Marketingaktionen - arg gelitten hatte, war aufpoliert worden.

Dann, es war am Freitag 18.17 Uhr, kam der Twitteraccount von - Stichwort Bierhoffs Marketingaktionen - "Die Mannschaft" ins Spiel und schüttete die kleine, gerade blank gewordene Stelle des Images wieder zu. Aber mit Karacho und Masse. Ob mit oder ohne Wissen und Zustimmung von Bierhoff, ist nicht bekannt. Aber als Gesicht der Marke "Die Mannschaft" und zuständiger Direktor des DFB wird er die Verantwortung kaum abwälzen können.

DFB - Missverständnisse und Menschenrechte

Sportschau 27.03.2021 01:58 Min. Verfügbar bis 27.03.2022 ARD Von Burkhard Hupe


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Die Pinselaktion, die laut des Bundestrainers Löw noch am Spieltag von den Spielern eher spontan abgeschlossen worden sei, erwies sich als orchestrierte PR-Aktion - nicht nur, aber auch.

Löw: "Niemand lässt sich vor so einen Karren spannen"

Am Samstagmorgen flog die Nationalmannschaft ohne den weiter verletzten Niklas Süle nach Bukarest. Dort steht am Sonntag (28.03.2021, ab 20.30 Uhr im Liveticker bei sportschau.de) das Qualifikationsspiel gegen Rumänien an. Vor dem Abschlusstraining am Samstag bezogen Bundestrainer Löw und Joshua Kimmich bei einer Medienkonferenz Stellung.

Löw nutzte dabei gleich sein Eingangsstatement, um die Menschenrechtsaktion seiner Spieler zu verteidigen. "Ich habe manche Kommentare gelesen. Wenn jemand denkt, dass unsere Spieler, Manuel Neuer, Ilkay Gündogan, Lukas Klostermann, sich aus Marketinggründen vor so einen Karren spannen lassen, der irrt gewaltig. Unsere Spieler sind sehr, sehr interessiert und wissen, was in der Welt passiert", sagte der Bundestrainer.

Löw über Aktion seiner Spieler: "Wissen schon alle, was sie tun" Sportschau 27.03.2021 01:25 Min. Verfügbar bis 27.03.2022 Das Erste

Kimmich: "Für einen WM-Boykott ist es zehn Jahre zu spät"

Er habe die Aktion beeindruckend gefunden, sie sei "aus der Mannschaft selbst gekommen. Wir wissen, dass unsere Spieler für diese Werte stehen", betonte Löw. Nicht alles, was beim DFB passiere, sei "negativ zu bewerten".

Joshua Kimmich pflichtete Löw bei. "Ich sehe uns in der Verantwortung, Dinge anzusprechen. Das haben wir versucht", sagte der Bayern-Mittelfeldspieler. Kimmich wurde auch nach einem möglichen WM-Boykott gefragt. Dafür sei man jetzt "zehn Jahre zu spät" dran: "Damals hätte man sich das überlegen müssen." Jetzt müsse man die Strahlkraft des Fußballs nutzen, um auf die Dinge aufmerksam zu machen. "Das sind aber nicht nur wir Fußballer, die ich da in der Pflicht sehe", sagte Kimmich.

Stand: 27.03.2021, 18:00

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