Einspielen unmöglich - Löw läuft die Zeit davon

Bundestrainer Joachim Löw spricht mit den Debütanten Suat Serdar und Nadiem Amiri (l-r)

Länderspiel gegen Argentinien

Einspielen unmöglich - Löw läuft die Zeit davon

Im Hinblick auf die EM 2020 müsste sich die neu formierte und verjüngte Nationalmannschaft einspielen. Stattdessen ist gegen Argentinien wegen zahlreicher Ausfälle die Improvisationskunst von Bundestrainer Joachim Löw gefragt. Viel Zeit bleibt nicht mehr.

Das Länderspiel gegen Argentinien am Mittwoch (09.10.2019) in Dortmund sollte für Joachim Löw und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ein Härtetest werden. Der Bundestrainer wollte gegen die Südamerikaner mit Blick auf die EM 2020 seine beste Elf ins Rennen schicken.

In den sich anschließenden Spielen in Estland, gegen Weißrussland und gegen Nordirland sollte das junge Team dann nicht nur die Qualifikation perfekt machen, es sollte sich auch einspielen für das Turnier im nächsten Sommer. "Im März hatten wir die Idee, diese Mannschaft häufig zusammenspielen zu lassen", sagte Löw.

Torhüter-Diskussion - Viel Lärm um nichts

Sportschau 08.10.2019 01:42 Min. Verfügbar bis 08.10.2020 ARD

13 Spieler fehlen

Jetzt sieht er seine Pläne über den Haufen geworfen, vor dem Klassiker gegen Argentinien gehen ihm die Spieler aus. So muss der Trainer auf die verletzten oder erkrankten Toni Kroos, Leroy Sané, Timo Werner, Jonas Hector, Matthias Ginter, Leon Goretzka, Nico Schulz, Antonio Rüdiger, Julian Draxler, Thilo Kehrer, Kevin Trapp, Ilkay Gündogan und Jonathan Tah verzichten - und damit auf 13 Akteure. Marco Reus ist noch fraglich. "Das tut uns weh. Das ist ungewöhnlich hart für uns, wir müssen von vorne beginnen", sagte Löw.

Löw: "Wir müssen immer wieder von vorne beginnen" Sportschau 07.10.2019 00:17 Min. Verfügbar bis 07.10.2020 Das Erste

Löw hat reagiert. Er hat in Nadiem Amiri (Leverkusen), Suat Serdar (Schalke) und Robin Koch (Freiburg) drei Neulinge nominiert. Mit Luca Waldschmidt (Freiburg) und Niklas Stark (Hertha) stehen zwei weitere Spieler im Kader, die noch kein Länderspiel bestritten haben. Zudem holte er Sebastian Rudy (Hoffenheim) in den Kader zurück. Eins muss man Löw lassen, er behält seine Linie bei. "Wir gehen unseren Weg mit den jungen Spielern", stellte er klar.

"Mannschaft muss sich einspielen"

Dennoch treiben ihm die Ausfälle die Sorgenfalten ins Gesicht. "Ich finde es sehr schade, weil unsere junge Mannschaft, wenn sie sich entwickeln will, eingespielt sein muss", erklärte er. Gegen Argentinien laufen aber nur drei Feldspieler auf, die auch im Falle der Qualifikation bei der EM 2020 gesetzt sein dürften: die Münchner Niklas Süle, Joshua Kimmich und Serge Gnabry. Wenigstens im Tor ist alles in Ordnung. Gegen Argentinien steht dort Marc-André ter Stegen, in Estland spielt Manuel Neuer.

Die mögliche Aufstellung gegen Argentinien

Aufstellung der Nationalmannschaft gegen Argentinien

Der Bundestrainer ist entschlossen, das Beste aus der vertrackten Situation zu machen. "Ich möchte nicht lamentieren, das ist auch eine Chance für andere, junge Spieler", sagte er. Das Argentinien-Spiel sieht Löw als "Weiterbildungsgeschichte für unsere Jungen. Da steht das Ergebnis nicht im Vordergrund."

Gegen Estland bleibt seine Erwartungshaltung unverändert. "Da wollen und werden wir gewinnen, unabhängig davon, mit welcher Mannschaft wir auflaufen", sagte er. Als Tabellenführer der Gruppe C kann seine Auswahl am Sonntag mit einem weiteren Dreier einen großen Schritt in Richtung EM-Endrunde machen.

Nur zwei Länderspiele im März

Löw hat vor allem ein Zeitproblem. Wer von den Verletzten Mitte November gegen Weißrussland und Nordirland in den Kader zurückkehrt, ist unklar. Bis zum Ende der Bundesliga Mitte Mai stehen zwischen dem 25. und dem 31. März aber nur zwei Länderspiele auf dem Programm. Die Gegner stehen noch nicht fest. Die Europameisterschaft beginnt am 12. Juni.

Löws mögliche Wunsch-Elf

Mögliche Aufstellung der Nationalmannschaft gegen Argentinien

Auch Argentinien mit der zweiten Reihe

Ob das Spiel gegen Argentinien wirklich zur "Weiterbildungsgeschichte" taugt, wird sich zeigen. Der zweimalige Weltmeister kommt ebenfalls mit einer Art Rumpfteam. Weltstar Lionel Messi ist gesperrt, die Topspieler Sergio Agüero, Ángel Di Maria, Mauro Icardi oder Gonzalo Higuain wurden nicht nominiert. Auch die Spieler der Spitzenteams Boca Juniors und River Plate fehlen wegen der Copa Libertadores.

Dafür berief Nationaltrainer Lionel Scaloni unter anderem Zweitliga-Profi Nicolas Gonzalez vom VfB Stuttgart und Leonardo Balerdi von Borussia Dortmund. Der ist beim BVB noch ohne Profi-Einsatz. Zuletzt lief er Ende September in der Regionalliga-West gegen Rot-Weiß Oberhausen auf.

Jogi allein zu Haus Sportschau 07.10.2019 01:34 Min. Verfügbar bis 07.10.2020 Das Erste

vdv/sid/dpa | Stand: 08.10.2019, 19:20

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