Deutschlands U17: EM-Qualifikation als Standortbestimmung

Turan Çalhanoğlu will sich mit der deutschen U17 für die Europameisterschaft qualifizieren.

Drei Spiele in sieben Tagen

Deutschlands U17: EM-Qualifikation als Standortbestimmung

Von Johannes Doerfert

Die deutsche U17-Nationalmannschaft steht vor einer intensiven Woche: Innerhalb von sieben Tagen kann sie in drei Spielen einen großen Schritt in Richtung EM-Qualifikation machen. Der Kader bietet viel Talent – wie schon vor zehn Jahren.

Im Jahr 2003 war sportlich einiges los: Michael Schumacher wurde zum sechsten Mal Formel-1-Weltmeister, und Nia Künzer köpfte die deutsche Frauennationalmannschaft zum Weltmeistertitel. Und wenn am Mittwoch (13.11.2019) die deutsche U17 gegen Kasachstan spielt, wird 2003 wieder präsent: Denn alle Spieler, die dann auf dem Feld stehen, wurden in jenem Jahr geboren.

Das Spiel markiert den Auftakt der ersten Qualifikationsrunde für die U17-Europameisterschaft in Estland im nächsten Jahr. Innerhalb von sieben Tagen geht es zunächst gegen Kasachstan, dann gegen Aserbaidschan und Griechenland. Und das Team von Trainer Christian Wück hat den Anspruch, jedes Spiel zu gewinnen: "Wir wollen unserer Favoritenrolle gerecht werden", betonte der 46-Jährige, der die Mannschaft seit Juli diesen Jahres trainiert.

Gespickt mit Talenten

Zurückgreifen kann Wück dabei auf einen 20-köpfigen Kader, der gespickt ist mit großen Talenten aus der Bundesliga. Von einigen kennt man zumindest den Nachnamen - etwa bei Turan Çalhanoğlu, dem Cousin des fernschussstarken Mittelfeldspielers Hakan. Turan stürmt für die U19 von Hoffenheim - gemeinsam mit Armindo Sieb, der auch zum DFB-Aufgebot gehört und zuletzt mit einem Hattrick gegen Israel Anfang September auf sich aufmerksam machte. Als zentraler Mittelfeldspieler dürfte Torben Rhein auflaufen - sein Talent führte im Sommer schon zu Interesse des FC Chelsea, der bei Rheins Arbeitgeber Bayern München anfragte. Und dann wäre da noch Luca Netz, der bei Hertha BSC die linke Seite beackert und mit 15 Einsätzen für Deutschlands U17 der erfahrenste 16-Jährige ist.

Das geballte Talent allerdings zu einer Mannschaft zusammenzubauen - das ist die Aufgabe von Christian Wück. "Ich denke, dass der 2003er Jahrgang über viel Potenzial verfügt und wir deshalb dieses Zwischenziel definitiv erreichen werden", zeigte sich der Spielleiter optimistisch in Hinblick auf die Qualifikation. Doch Deutschlands Junioren müssen sich steigern: Aktuell läuft die U17-WM in Brasilien, für die sich Deutschland nicht qualifizieren konnte - der Grund: bei der vergangenen Europameisterschaft in Irland schied die U17 in der Vorrunde aus. Vor einem Monat zeigte man mit einem Sieg und einem Unentschieden gegen England allerdings aufsteigende Form. Die drei Qualifikationsspiele in Griechenland sind für die Standortbestimmung nun entscheidend.

Die Karriere nach der U17 - Hopp oder topp

Der Traum von der Europameisterschaft - zum bisher letzten Mal wurde er vor zehn Jahren erreicht. Im Finale gegen die Niederlande setzte man sich 2009 in der Verlängerung mit 2:1 durch. Damals im Tor: Marc-André ter Stegen, heute Stammtorhüter beim FC Barcelona. Zwei weitere Spieler sind auf der großen Bühne angekommen: Shkodran Mustafi schnürt seine Schuhe für den FC Arsenal, Mario Götze bei Borussia Dortmund. Doch diesen drei Top-Spielern stehen auch drei damalige Final-Starter gegenüber, die heute allesamt vereinslos sind: Bienvenue Basala-Mazana, Robert Labus und Kevin Scheidhauer stehen bei keinem Klub unter Vertrag. Damals als Sieger geeint - heute vom Schicksal getrennt. Mit Matthias Zimmermann und Marvin Plattenhardt spielen zwei Europameister von damals in der Bundesliga, Reinhold Yabo und Christoper Buchtmann sind in der zweiten Liga aktiv.

Die U17 kann also Sprungbrett sein - sie verspricht jedoch noch keinen Profivertrag. Die Europameisterschaft bietet aber auf jeden Fall die Chance, für ein internationales Publikum vorzuspielen. Herausragende Akteure werden dabei als "Goldener Spieler" ausgezeichnet - 2006 schaffte Toni Kroos dies, 2009 Mario Götze und 2012 Max Meyer. Und wer weiß, vielleicht heißt der "Goldene Spieler" im nächsten Jahr dann Turan Çalhanoğlu, Torben Rhein oder Luca Netz.

Stand: 13.11.2019, 09:40

Darstellung: