Nationalmannschaft - Torhüter-Trio in Lauerstellung

Kevin Trapp

DFB-Team vor der Nations League

Nationalmannschaft - Torhüter-Trio in Lauerstellung

Von Frank Hellmann

Manuel Neuer im Urlaub, Marc-André ter Stegen in der Reha: Das Fehlen der beiden Stammtorhüter will vor allem Kevin Trapp zur Werbung in eigener Sache nutzen.

Die Prioritäten sind ziemlich eindeutig: Kevin Trapp hat schon am Wochenende in den sozialen Medien erklärt, was ihm in den nächsten Tagen wichtig ist.

"Time für @dfb_team", schrieb der Torhüter bei Instagram und setzte zu einem Foto, auf dem er in DFB-Kleidung einen Ball auf seinem Mittelfinger jongliert, noch Faust- und Feuerzeichen. Wenn einer für die Länderspiele in der Nations League gegen Spanien (Donnerstag, 20.45 Uhr) und in der Schweiz (Sonntag, 20.45 Uhr) brennt, dann der für seinen Ehrgeiz bekannte Torhüter von Eintracht Frankfurt.

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Dass sich der 30-Jährige vielleicht noch ein bisschen mehr vorgenommen hat als bei früheren Einladungen, liegt an der besonderen Konstellation zwischen den Pfosten: Mit dem noch dienstbefreiten Kapitän Manuel Neuer und dem nach Barcelonas Königsklassen-Aus umgehend am Knie operierten Marc-André ter Stegen fehlen die etatmäßigen Nummern eins und zwei - und jetzt wittert die Nummer drei mehr als nur eine Einsatzchance. Für den gebürtigen Saarländer geht es darum, seinen Status als dritter Schlussmann hinter zwei Weltklasse-Torleuten zu festigen.

Ansprüche des Frankfurters klingen forscher

Trapp spielt in die Karten, dass er beim Test bei Ajax Amsterdam (1:2) eine Klasseleistung bot, sodass er seine Ansprüche frank und frei formulierte: "Ich habe immer gesagt, dass ich gerne wieder für Deutschland spielen möchte. Seit rund einem Jahr war das wegen meiner Verletzung und Corona nicht möglich." Er freue sich unheimlich auf die ersten Auftritte der DFB-Auswahl seit fast zehn Monaten. Und er wird offiziell auch als Nummer eins ausgewiesen. Das sei allerdings kein Zeichen dafür, versicherte er artig, "dass ich spiele."

Beim DFB ist Trapp hoch angesehen, weil er sich auch in schlechten Zeiten loyal verhielt: Als er 2013 bei einem Werbedreh der U21 einen komplizierten Mittelhandbruch erlitt, weil er ohne Fremdeinwirkung mit Fußballschuhen auf einer glatten Fläche ausrutschte, soll zwar sein damaliger Trainer Armin Veh geschäumt haben, vom Spieler ergingen keinerlei Vorwürfe an den Verband.

Leno hat Verbindung nach Stuttgart

Klares Ziel von Trapp ist die EM im kommenden Sommer. Damit Bundestrainer Joachim Löw nicht wie noch vor der WM 2018 lange grübeln und sich mit Bundestorwarttrainer Andreas Köpke abstimmen muss. Wenn er sich jetzt gegen Spanien als sicherer Rückhalt erweist, wäre das ein gutes Argument.

Aber auch Bernd Leno dürfte bedenkenlos den Finger für einen Einsatz in Stuttgart heben, weil der Schlussmann des FC Arsenal wie Timo Werner oder Antonio Rüdiger persönlichen Bezug zum schwäbischen Spielort aufbringt: Bereits als Elfjähriger kam er von Germania Bietigheim in die VfB-Jugend, um dann in der zweiten Mannschaft das Tor so gut zu bewachen, dass ihn Bayer Leverkusen vor neun Jahren als Ersatz für den verletzten René Adler auslieh.

Leno hat an Ansehen verloren

Der in Stuttgart ausgebildete Leno galt lange als Keeper, der mit seinem Dauerrivalen ter Stegen um die Neuer-Nachfolge streiten würde. Inzwischen aber hat der 28-Jährige an Ansehen verloren. Möglicherweise haben auch die "Gunners“ sich mehr vom sechsmaligen deutschen Nationaltorhüter versprochen.

Die EM-Kandidaten fürs deutsche Tor: Bernd Leno, Manuel Neuer, Kevin Trapp und Marc-André ter Stegen

Die EM-Kandidaten fürs deutsche Tor: Bernd Leno, Manuel Neuer, Kevin Trapp und Marc-André ter Stegen

Trapp hat sogar erst drei Länderspieleinsätze vorzuweisen: Das Debüt feierte er am 6. Juni 2017 in Kopenhagen beim Freundschaftsspiel in Dänemark (1:1) vor dem Confed Cup, bei dem er als einziges Kadermitglied nicht zum Einsatz kam. Sein bislang letztes A-Länderspiel bestritt er am 27. März 2018 gegen Brasilien (0:1).

Hütter wirbt für Trapp

Ungewohnt deutlich hat sein Vereinstrainer Adi Hütter Stellung bezogen. "Ich gehe davon aus, dass Kevin im Tor stehen wird", sagte der Eintracht-Coach. "Er hätte es verdient, er ist ein super Tormann." Doch Trapp hatte während der Vorbereitung selbst in einer Presserunde ungewohnt deutlich Steigerungsbedarf bei sich selbst ausgemacht.

Als die Eintracht ihn im vergangenen Sommer endgültig fest verpflichtete und mit einem Langzeitvertrag bis 2024 ausstattete, war das klare Ziel, ihn zur Identifikationsfigur aufzubauen. So eloquent, polyglott und selbstsicher er außerhalb des Platzes auftritt, legte er auf dem Rasen nicht immer eine perfekte Leistung hin.

Vor allem schaffte er es zu selten, Spiele für seine Mannschaft zu gewinnen, wie es beispielsweise der vom SC Freiburg zu Hertha BSC gewechselte Alexander Schwolow tat. Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass es vor Schwolows Wechsel häufig hieß, Trapp könnte in die Hauptstadt kommen. Wechselgerüchten schob er dann selbst einen Riegel vor. Der Neu-Berliner Schwolow wiederum hat nun betont, er hoffe selbst noch auf eine Berufung ins Nationalteam.

Baumann stellt sich hintenan

Rückenwind dürfte ihm der aktuell vierte Platz in der Rangliste des Fachmagazins "Kicker" geben. Hier wird Trapp übrigens erst an Position acht geführt, einen Platz dahinter taucht mit Oliver Baumann derjenige auf, der das Torwart-Trio der DFB-Auswahl für die beiden September-Partien komplettiert.

Der zuverlässige Rückhalt der TSG Hoffenheim hätte wohl selbst nicht mehr gedacht, in den elitären Zirkel reinschnuppern zu dürfen. Die Nominierung des 30-Jährigen begründete Löw vergangene Woche recht pragmatisch. "Er ist schon lange da und hat konstant gute Leistungen gezeigt." Trotzdem wird sich der Spätberufene vermutlich hinter Trapp und Leno einreihen müssen.

Stand: 31.08.2020, 14:07

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