Müller will zur Euro - Löw gerät stärker unter Druck

Thomas Müller steht einer Rückkehr in die deutsche Fußball-Nationalmannschaft aufgeschlossen gegenüber.

Rückkehr in Nationalmannschaft

Müller will zur Euro - Löw gerät stärker unter Druck

Thomas Müller hat noch einmal bekräftigt: "Ich habe große Lust, im Sommer um den EM-Titel zu kämpfen." Bundestrainer Joachim Löw gerät jetzt zunehmend unter Zugzwang.

Bundestrainer Joachim Löw war am Samstagabend (06.03.2021) in der Münchener Arena warm eingepackt. In Mantel, dickem Schal und mit großem Mundschutz war der Bundestrainer auf der Tribüne kaum zu erkennen - zudem hatte er auf seinem Solo-Platz ausreichend Sicherheitsabstand zu den Funktionären des FC Bayern. Was ihm wahrscheinlich ganz recht war. Denn der Druck, der aus dem Lager des Rekordmeisters auf Löw ausgeübt wird, ist mittlerweile immens.

Es geht mal wieder um Thomas Müller. Oder das leidige Thema, ob Löw von seinem Entschluss, einen Generationswechsel in der Nationalmannschaft einzuleiten, für die Euro noch einmal abweicht - oder eben nicht.

Müller: "Große Lust, um den Titel zu kämpfen!"

"Ich schaue zuversichtlich in die nächsten Wochen und Monate und konzentriere mich natürlich voll auf die Leistungen hier beim FC Bayern. Was danach kommt, dafür bin ich sicherlich offen", sagte der Angreifer des FC Bayern München am späten Samstagabend im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF. Er bekräftigte dort, was er zuvor schon nach dem 4:2 gegen Borussia Dortmund bei "Sky" gesagt hatte, und betonte seine "große Lust, um den Titel zu kämpfen, wenn ich darf".

Unterstützung erfährt Müller natürlich aus dem breiten Lager des FC Bayern und ehemaliger Kollegen bei der Nationalmannschaft. Leon Goretzka meinte nach dem Dortmund-Spiel: "Natürlich möchte ich mit Thomas immer auf Titeljagd gehen. In schwierigen Situation geht er voran, er gibt uns den Glauben, Spiele zu drehen, und das ist natürlich sehr wertvoll für uns."

Entwicklung spricht gegen Löws Hauruck-Reform

Bayern-Trainer Hansi Flick antwortete auf die Müller-Frage ebenfalls indirekt, aber deutlich: "Wenn etwas gegen Müller sprechen würde, würde er bei uns nicht so spielen." Und Toni Kroos, der gemeinsam mit Müller 2014 Weltmeister wurde, sagte jüngst über Löws Reformpläne: "Ich glaube, dass man am Ende auch ein bisschen vorausschauend planen muss. Ob der Plan vom Trainer, wie er es damals wollte, bis heute so aufgegangen ist, stelle ich jetzt einmal infrage."

Für Löw ist diese Entwicklung sicher nicht optimal, untergräbt sie doch im Grunde seine Souveränität und Unantastbarkeit. Als er nach der enttäuschenden WM 2018 Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng gleich im Dreierpack aussortierte, war die Wut bei deren Klub in München groß. Damals konnte der Bundestrainer die reflexartigen Angriffe der Bayern aber mit dem Hinweis auf die langfristige Weiterentwicklung seiner Mannschaft abwehren.

Löw: "Größtmöglicher Erfolg ist das Ziel"

Doch seither schwächelt das Nationalteam mehr als es allen recht sein kann. Und spätestens seit dem blamablen 0:6 gegen Spanien im vergangenen November sind die Zweifel am Verjüngungskurs des DFB-Teams größer denn je. Im Hinblick auf die Europameisterschaft fordert nicht nur Kroos, "dass wir die bestmögliche Mannschaft für dieses Turnier hinbekommen - mit den formstärksten und denen, die am besten zusammenpassen. Du darfst als Deutschland natürlich kein Turnier abschenken."

Löw hat die Zeichen der Zeit längst erkannt und betonte am Samstagabend noch einmal seine Kompromissbereitschaft. "Ich habe es ja vor einigen Tagen noch mal verdeutlicht: Einen Umbruch sollte man nicht völlig abbrechen, aber man kann sich das natürlich überlegen", erklärte Löw. "Die Europameisterschaft ist ein eigener Wettbewerb", und seine Aufgabe bestehe darin, "die beste Mannschaft mitzunehmen, um den größtmöglichen Erfolg zu garantieren, das ist klar".

Eine Entscheidung soll "im Mai" fallen, "dann werden wir sehen: Wo stehen wir, was brauchen wir?" Der eingeleitete Umbruch in der DFB-Auswahl "war schon notwendig, weil ich nach wie vor von unseren jungen Spielern überzeugt bin", so Löw.

"In Deutschland können wir uns glücklich schätzen" - Löw über Musialas Entscheidung Sportschau 24.02.2021 02:46 Min. Verfügbar bis 24.02.2022 Das Erste

sid/dpa | Stand: 07.03.2021, 09:49

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