Flick-Einstand: Deutschland gewinnt gegen Liechtenstein und enttäuscht doch

Timo Werner trifft zum 1:0

Deutschland gegen Liechtenstein

Flick-Einstand: Deutschland gewinnt gegen Liechtenstein und enttäuscht doch

Von Christian Hornung

Die Arbeit von Hansi Flick als Bundestrainer hat mit einem wenig glanzvollen Erfolg begonnen. Der 2:0-Sieg in der WM-Qualifikation am Donnerstagabend (02.09.21) in Liechtenstein war zwar nie gefährdet, von Aufbruchstimmung war die Vorstellung des DFB-Teams aber weit entfernt.

In der 35. Minute hatte Flick offenbar vorerst genug. Er winkte kurz in Richtung Tribüne, dann setzten sich die Ersatzspieler Marco Reus, Serge Gnabry und Leon Goretzka in Bewegung und starteten ihr Aufwärmprogramm an der Seitenlinie.

Gosens trifft den Pfosten

In den 34 Minuten vorher hatten die Deutschen das Kunststück fertiggebracht, gegen den Außenseiter aus Liechtenstein, dessen Spieler teilweise in der vierten Schweizer Liga aktiv sind, kein Tor zu erzielen.

Einmal nur, nach knapp 20 Minuten wäre es beianhe so weit gewesen, da klatschte ein Kopfball von Robin Gosens an den linken Pfosten. Ansonsten war zwar das Bemühen zu beobachten, tiefe Läufe zu starten, das Tempo hochzuhalten, auf engem Raum zügig zu kombinieren.

Übereifer bei Sané und Baku

Doch bei allem Eifer fehlte immer wieder die Konzentration. Vor allem Ridle Baku, der sich natürlich unbedingt als neuer Rechtsverteidiger für die Flick-Ära empfehlen wollte, und auch der bei den Bayern-Fans angezählte Leroy Sané dribbelten sich mehrfach fest, spielten Fehlpässe oder schlugen ungenaue Flanken.

So ergaben sich angesichts der Kräfteverhältnisse erstaunlich wenige Torchancen. Timo Werner und Joshua Kimmich hatten jeweils gute Abschlusssituationen, der sehr aufmerksame Liechtensteiner Torhüter Benjamin Büchel parierte aber, ohne über sich hinaus wachsen zu müssen.

Kimmich: "Hatten uns viel mehr vorgenommen"

Sportschau 02.09.2021 02:12 Min. Verfügbar bis 02.09.2022 ARD


Musiala schickt Werner

Flicks Mienenspiel am Rand wirkte zunehmend genervter, zu Beginn hatte er noch sehr oft aufmunternd geklatscht. Nach geschlagenen 40 Minuten sah er dann erstmals den Spielzug, den er sich vor der Partie von seiner Mannschaft gewünscht hatte: Jamal Musiala schickte mit einem perferkt dosierten Steilpass Timo Werner in die Spitze, der Tempo aufnahm und den Ball an Büchel vorbei schob - das erste Tor einer neuen Länderspiel-Zeitrechnung.

Marco Reus: "Freue mich, dass ich wieder dabei bin"

Sportschau 02.09.2021 01:53 Min. Verfügbar bis 02.09.2022 ARD Von Felix Mansel /Marco Reus


Und es blieb für die nächsten 36 Minuten das letzte. Zwar standen die Liechtensteiner mit einer Fünferkette am eigenen Strafraum und einer Viererkette davor auch extrem tief, doch das dürfte niemanden nachhaltig überrascht haben. Das Problem blieb, dass sich die DFB-Elf nicht das Zustandekommen ihres Führungstreffers als Beispiel nahmen, sondern zunehmend statisch und ideenlos agierten.

Süle versucht sich als Abschlussspieler

Zwar kam der Gastgeber im schweizerischen St. Gallen weiterhin so gut wie nie über die Mittellinie, doch die Vorträge der Deutschen wurden nicht zielstrebiger. Das Bemühen seiner Vorderleute nervte dann offenbar auch Niklas Süle so sehr, dass der Innenverteidiger nach einer guten Stunde gleich zweimal selbst mit nach vorn ging und sich mit Schlenzern aus der Distanz versuchte - jeweils mehrere Meter weit am rechten Winkel vorbei.

Hansi Flick: "Mannschaft braucht Selbstvertrauen"

Sportschau 02.09.2021 04:12 Min. Verfügbar bis 02.09.2022 ARD Von Felix Mansel


Dass das nicht die Szenen waren, die sich Flick vorgestellt hatte, war seiner Gestik dann auch sehr deutlich anzumerken. Immerhin durfte er in der 77. Minute noch einmal Beifall klatschen: Sané hatte sich im Strafraum mit einer Einzelaktion durchgesetzt und den Ball hart ins rechte Eck versenkt. So gelang gegen eine Mannschaft, die zuletzt Ergebnisse wie ein 0:7 gegen die Schweiz und ein 1:5 gegen die Färöer-Inseln eingefahren hatte, ein äußerst bescheidenes 2:0 - die Ära Flick beginnt mit ganz viel Luft nach oben.

Flick zeigt Verständnis

"Die Mannschaft braucht wieder Selbstvertrauen und die Überzeugung, Tore zu schießen", betonte Flick anschließend. "Das müssen wir reinkriegen. Man muss immer wieder versuchen, das Tempo hochzuhalten, den Gegner zu Fehlern zu zwingen. Es waren Phasen dabei, wo wir zu langsam gespielt haben, aber unter dem Strich bleibt, dass wir gewonnen haben. Wir haben den ersten Schritt gemacht, aber noch einen langen Weg vor uns."

Rückkehrer Marco Reus sah es ähnlich: "Es hat mich gefreut, wieder dabeizusein. Klar war nicht alles super, was wir da gespielt haben - aber wir haben gewonnen, das zählt am Ende. Der Gegner stand fast am eigenen Tor. Der letzte Pass oder der vorletzte haben nicht gestimmt. Es ist ein Lernprozess. Ich bin voller Optimismus."

Sorgen um Gosens

Am Sonntagabend trifft das DFB-Team nun in Stuttgart auf Armenien (im Live-Center bei sportschau.de) - möglicherweise aber ohne Robin Gosens. Der 27-Jährige verletzte sich in der Schlussphase des Liechtenstein-Spiels am Fuß. "Er hat starke Schmerzen gehabt. Er ist leicht umgeknickt und mit vollem Gewicht auf seinen Fuß gefallen. Es wird noch geröntgt, wir müssen abwarten, was die Ergebnisse aussagen", sagte Flick.

Deutschland gewinnt in Liechtenstein: Die Audio-Highlights

Sportschau 02.09.2021 02:46 Min. Verfügbar bis 02.09.2022 ARD Von Andre Siemß / Armin Lehmann


Stand: 02.09.2021, 23:48

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