Nations League: Die Schweiz hofft auf Shaqiri

Xherdan Shaqiri im Einsatz für die Schweizer Nationalmannschaft

Fussball

Nations League: Die Schweiz hofft auf Shaqiri

Vor dem Duell mit Deutschland steckt die Schweizer Fußball-Nationalmannschaft in der Krise. 2020 hat das mit zahlreichen Bundesliga-Profis versehene Team noch kein Spiel gewonnen. Es gibt einige Probleme - die Hoffnungen liegen nun auf Xherdan Shaqiri.

Es sagt schon einiges über den Zustand der Schweizer "Nati“ aus, dass der Hoffnungsträger der Mannschaft in der vergangenen Saison ganze 263 Minuten gespielt hat. Gut, Xherdan Shaqiri spielt für den FC Liverpool und damit einen der besten Klubs der Welt - aber eine feste Größe ist das Muskelpaket dort schon lange nicht mehr.

Nun soll ausgerechnet der 1,69 Meter große Shaqiri die Schweizer zum ersten Sieg in diesem Jahr führen. "Lieber Vlado, bring doch bitte Shaqiri", flehte die Zeitung "Blick" Nationaltrainer Vladimir Petkovic am Wochenende an. Er tat, wie gewünscht - die 0:1-Niederlage gegen Spanien konnte Shaqiri nach seiner Einwechslung aber auch nicht mehr verhindern.  

2019 lehnte Shaqiri eine Einladung ab

Dabei hatte der Ex-Bayern-Profi Shaqiri im August 2019 noch eine Einladung zur "Nati“ abgelehnt und damit eine kleine Krise bei den Eidgenossen ausgelöst. Das Verhältnis könnte "viel besser sein", gab Trainer Petkovic damals zu. Nun scheint die Welt wieder in Ordnung zu sein. An seinem 29. Geburtstag am Samstag (10.10.2020) bekam Shaqiri einen Kuchen seiner Teamkollegen geschenkt und bedankte sich mit: "Immer eine Ehre, mit euch hier zu sein."

Vor wenigen Wochen war Shaqiri zunächst positiv auf das Coronavirus getestet worden. Dann begann das Chaos: Ein Bluttest legte nahe, dass der Befund wohl auf eine frühere Infektion zurückzuführen war, ein weiterer Test fiel negativ aus. "Shaqiri war immer nur ein Spieler für besondere Momente, aber zuletzt nicht einmal mehr das", schrieb die "Neue Zürcher Zeitung" zuletzt über den Mittelfeldspieler. Trotzdem sagt sein Nationaltrainer Petkovic: "Er braucht unsere Hilfe und wir brauchen ihn." Ottmar Hitzfeld, früherer Schweizer Nationaltrainer, sagt über ihn: "Shaqiri ist eigentlich der beste Spieler, er fehlt."

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Bundestrainer Joachim Löw lobte den Flügelflitzer bei der Pressekonferenz am Montag. "Er ist ein sehr guter Spieler, der das Spiel der Schweiz über Jahre geprägt hat", sagte er. Er habe "fußballerisch eine große Klasse", allerdings könne er nicht einschätzen, "in welcher Verfassung er momentan ist".

Mehr als eine Ergebniskrise

Fest steht, dass im Schweizer Spiel zuletzt Tempo und Torgefahr fehlte. Gegen Spanien verlor man zwar nur mit 0:1, jedoch fehlten meist die Ideen, um überhaupt zu einem Tor zu kommen. Die Mannschaft stecke in mehr als einer reinen "Resultatkrise", schrieb die "Neue Zürcher Zeitung" am Montag. Hinzu kommen individuelle Patzer, wie vom sonst so zuverlässigen Keeper Yann Sommer beim Spiel gegen Spanien, als dem Mönchengladbacher ein Pass im Strafraum auf den Ex-Gladbacher Granit Xhaka misslang.

2020 ist die Mannschaft noch sieglos, das 1:1 im Hinspiel gegen Deutschland ist bisher der einzige Punktgewinn in dieser Saison in der Nations League. Damals kamen die Schweizer nach der Führung für Deutschland durch Ilkay Gündogan noch zum Ausgleichstreffer durch Silvan Widmer.

Viele aktuelle und ehemalige Bundesliga-Profis

Die Mannschaft wird geprägt durch aktuelle und ehemalige Bundesliga-Spieler. Neben Sommer und Xhaka sind etwa Nico Elvedi, ebenfalls von Borussia Mönchengladbach, die Frankfurter Steven Zuber und Djibril Sow oder der Wolfsburger Admir Mehmedi feste Größen. Edimilson Fernandes, ebenfalls gerade erst von einer Corona-Infektion genesen, kickt sonst für den FSV Mainz 05, Flügelspieler Ruben Vargas stürmt in der Bundesliga für den FC Augsburg.

Xhaka, Angreifer Haris Seferovic oder Ricardo Rodriguez haben alle einst in der Bundesliga gespielt. Die Mannschaft kennt sich also gut, trifft auch in der heimischen Liga oft aufeinander. In 54 Duellen mit Deutschland gelangen nur neun Siege, ganze 36 Mal verließ das deutsche Team den Platz als Sieger. "Es ist ein Prestigeduell. Wir wollen zeigen, dass das 1:1 in Basel, als wir mehr Torchancen hatten als Deutschland, kein Zufall war“, sagte Trainer Vladimir Petkovic.

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Abstiegsduell gegen die Ukraine

Um in der Gruppe weiter bestehen zu können, brauchen die Schweizer bei erst einem Zähler dringend Punkte. Insgeheim geht es allen wohl nur noch darum, als Gruppenletzter nicht in der Nations League abzusteigen. Die Ukraine liegt mit drei Zählern aktuell vor den Eidgenossen, da sie das Hinspiel gegen die Schweizer gewinnen konnte. Mit Blick auf die Auslosung der EM-Qualifikation will die Schweiz einen Abstieg in der Nations League unbedingt vermeiden. Wahrscheinlich fällt die Entscheidung hierbei erst im November, wenn im letzten Heimspiel die Ukraine zu Gast ist.

Akanji positiv auf das Coronavirus getestet

Von einer Ergebniskrise will Nationaltrainer Petkovic nichts wissen. "Wir wussten bereits nach der Auslosung, dass wir mit der einen oder anderen Niederlage rechnen müssen", sagte der 57-Jährige. Am Dienstag soll möglichst nicht noch eine Pleite dazukommen. Verzichten muss Petkovic auf Dortmunds Verteidiger Manuel Akanji, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde und sich in Quarantäne befindet.

sid/dpa | Stand: 12.10.2020, 13:35

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