Nico Schulz in der Nationalelf - der Neue mit der besten Perspektive

Nico Schulz im Training vor dem Spiel gegen Frankreich

Deutschland gegen Frankreich in der Nations League

Nico Schulz in der Nationalelf - der Neue mit der besten Perspektive

Von Marcus Bark

Nico Schulz ist einer von drei Neulingen im Kader der deutschen Nationalmannschaft. Er hat es deutlich später als Kai Havertz und Thilo Kehrer in die Eliteauswahl geschafft, aber trotzdem die beste Perspektive.

Dann mal los. Es ist das erste Spiel nach der missratenen Weltmeisterschaft. Es geht in der Nations League gegen den Weltmeister Frankreich. Der Weltmeister könnte auf der rechten Angriffsseite Kylian Mbappé aufbieten, was er vermutlich auch machen wird.

Joachim Löw wird am Donnerstag (06.09.2018, live im Ticker bei sportschau.de) sehr wahrscheinlich Nico Schulz dagegen stellen, ob jetzt als linken Verteidiger in einer Viererkette oder als linken Mittelfeldspieler, der bei Ballbesitz der Franzosen in die hinterste Reihe einrückt, oder auch als linkes Glied einer Dreierkette. Schulz kann das alles spielen, er hat es sogar gelernt. Nachdem Jonas Hector in Absprache mit dem Bundestrainer doch zu Hause geblieben ist, steht nur Nico Schulz für die seit Jahren mit dem Stempel "Baustelle" versehenen Rollen zur Verfügung.

Vergleich Schulz - Hector für die Bundesliga-Saison 17/18
Nico SchulzJonas Hector
Einsatzzeit in Minuten17731761
Scorerpunkte66
Passquote in %77,3985,3
gew. Zweikämpfe in %51,5453,7
begangene Fouls2020

Späte Berufung in die Nationalmannschaft

Er hatte sich schon für die WM mit einer herausragenden Rückrunde bei der TSG Hoffenheim aufgedrängt. Das Fachmagazin kicker setzte ihn bei seiner viel beachteten Rangliste für die Position "Außenbahn defensiv" auf den ersten Platz, noch vor Joshua Kimmich, weit vor Hector und Marvin Plattenhardt, die in Russland dabei waren. Das Turnier in Russland sei "nie wirklich ein Thema für mich" gewesen, sagte Schulz in einem Interview mit der Tageszeitung Welt: "'Platte' hatte sich das verdient."

Plattenhardt spielt für Hertha BSC, den Verein, bei dem Schulz groß geworden ist. Er ist sogar in Berlin groß geworden, wurde vor 25 Jahren dort geboren. Das könnte ein Grund dafür sein, dass er vergleichsweise spät in die Nationalmannschaft berufen wurde. Manchmal ist es für die Spieler aus der eigenen Jugend schwieriger, sich bei den Großen durchzusetzen. Erst in der Saison 2014/15, seiner letzten bei der Hertha, wurde Schulz zum Stammspieler, seine Leistungen waren jedoch mäßig.

Nationalmannschaft will "zurück zum Powerfußball" Morgenmagazin 05.09.2018 01:32 Min. Verfügbar bis 05.09.2019 Das Erste

Volles Vertrauen in Hoffenheim

Nico Schulz weist in jeder U-Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes Länderspiele auf. Als er 15 Jahre alt war, wollte ihn der FC Liverpool nach England holen, Schulz entschied sich für die Heimat. Erst als er 22 Jahre alt war, verließ er Berlin, wechselte zu Borussia Mönchengladbach. Die Gladbacher boten ihm, wovon er geträumt hatte - die Champions League. Aber bei Schulz riss ein Kreuzband. Als er wieder fit war, hatte ein neuer Trainer das Sagen. Schulz war außen vor.

Trainer Julian Nagelsmann holte ihn im Sommer 2017 trotzdem nach Hoffenheim. Die Hinserie war noch mäßig, Schulz wurde häufig nur eingewechselt. Nach der Winterpause ging die Leistungskurve steil nach oben. "Hier bekomme ich das Vertrauen, das ich vorher in Gladbach so nicht hatte – und auch in Berlin so nicht gespürt habe", sagte Schulz in der Welt über Hoffenheim. Nagelsmann habe ihm in Videoanalysen gezeigt, was er verbessern müsse, wo seine Stärken liegen. "Julian ist einfach ein großartiger Trainer", schwärmte Schulz, "ich bin hier taktisch sehr gereift."

Viel Drang nach vorne

Nico Schulz ist sehr schnell, gut im Passspiel, schlägt akzeptable Flanken, denkt dank seiner Ausbildung in erster Linie defensiv, hat aber auch den dynamischen Drang nach vorne. Dass er in Hoffenheim häufiger sogar während des Spiels seine Position wechseln muss, ist ein Plus, das ihm nun in der Nationalmannschaft beste Perspektiven verschafft.

Löw kündigte an, künftig wieder flexibler zu spielen, auch mal weniger Ballbesitz zu akzeptieren, auch mal wieder auf Konter zu setzen. Nico Schulz ist für alles zu haben, gegen den Weltmeister kann er das am Donnerstag zeigen.

Stand: 05.09.2018, 09:44

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