DFB: Joachim Löw bleibt Bundestrainer

Joachim Löw nach dem Spiel gegen Spanien.

Nach Deutschlands 0:6 in Spanien

DFB: Joachim Löw bleibt Bundestrainer

Das 0:6 der deutschen Nationalmannschaft in Spanien bringt Bundestrainer Joachim Löw in Erklärungsnot. Die Diskussionen um seine Entscheidungen und seine Position wird er frühestens im März entkräften können - der DFB spricht ihm noch das Vertrauen aus.

Joachim Löw bleibt auch nach dem 0:6-Debakel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Spanien Bundestrainer. Dies wurde bei einem Gespräch zwischen DFB-Präsident Fritz Keller, DFB-Direktor Oliver Bierhoff und Löw nach der Rückkehr aus Sevilla am Mittwoch (18.11.2020) am Münchner Flughafen vereinbart. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

Ein Rücktritt oder eine Entlassung Löws ist demnach kein Thema. Löw soll die Nationalmannschaft trotz des Rückschlags nun ins EM-Jahr führen. Der 60-Jährige hat noch einen Vertrag bis zur WM 2022. Der Bundestrainer wird sich nun aber trotzdem der Debatte um seine Person und der um seine Personalentscheidungen stellen müssen.

Welche "jungen Spieler" meint Keller?

"Wir haben uns bewusst entschieden, den Umbruch mit vielen neuen und jungen Spielern mit Perspektive zu vollziehen. Dieser Weg kann, wie man gestern gesehen hat, der steinigere sein und auch zu schmerzhaften Niederlagen führen", erklärte Präsident Fritz Keller in einer DFB-Stellungnahme, in der Löws Status als Bundestrainer nicht konkret thematisiert wurde.

Dass Kellers Statement und die Thematik der "jungen Spieler" so nicht auf das Spanien-Spiel übertragbar sind, lässt sich allerdings schnell feststellen. Die Startelf war im Schnitt rund 27 Jahre alt. Kein Akteur aus der Anfangsformation war jünger als 24. Die Startaufstellung der Iberer war jedenfalls deutlich jünger. Und an diesem Tag auch deutlich besser.

Spanien gegen Deutschland - die Tore Sportschau 17.11.2020 05:00 Min. Verfügbar bis 17.11.2021 Das Erste

Ist Löw noch der Richtige? - "Da müssen Sie andere fragen"

Löw wird stärker in Frage gestellt werden - auch wenn der DFB nun vorerst zu ihm steht. Denn die Entwicklung ist bedenklich. Die WM 2018 endete im ersten Vorrunden-Aus einer deutschen Mannschaft überhaupt. Aus diesem Debakel heraus wollte Löw den Neuanfang gestalten. 2019 gelang souverän die Qualifikation für die EM. Die Länderspiele im Jahr 2020 brachten aber kaum überzeugende Auftritte.

Deutschlands Länderspiele 2020
WettbewerbGegnerErgebnis
Nations LeagueSpanien1:1
Nations LeagueSchweiz1:1
TestTürkei3:3
Nations LeagueUkraine2:1
Nations LeagueSchweiz3:3
TestTschechien1:0
Nations LeagueUkraine3:1
Nations LeagueSpanien0:6

Auf die Frage, ob er sich nach 14 Jahren im Amt Sorgen um seine Position mache, sagte Löw unmittelbar nach dem Spiel: "Da müssen sie andere fragen. Das kann ich so spontan nicht beantworten." Andere wurden im Vorfeld gefragt, Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff hatte am Sonntag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung das Thema erst richtig aufgemacht, als er Löw das Vertrauen aussprach, diesem aber ein vorläufiges Ablaufdatum gab.

Löw frustriert: "Es hat gar nichts funktioniert" Sportschau 17.11.2020 07:53 Min. Verfügbar bis 17.11.2021 Das Erste

"Den Weg, den der Bundestrainer eingeschlagen hat, gehe ich bis einschließlich der EM mit", wurde Bierhoff zitiert. "Am Ende des Tages müssen wir alle uns an Ergebnissen messen lassen. Das weiß Jogi auch", sagte Bierhoff demnach, meinte aber wohl die EM. Löws Vertrag läuft bis zur WM 2022.

Dass nun ein 0:6 gegen Spanien auch ein Ergebnis sein würde, an dem sich Löw messen lassen muss, war da noch nicht abzusehen. Immerhin erneuerte Bierhoff seine Rückendeckung. "Das Vertrauen ist voll da", sagte der Manager nach dem Spiel in der Sportschau. Wäre das anders, bliebe für Bierhoff aber auch die schwierige Frage nach einer Alternative. Möglicherweise in Frage kommende Trainer wie Jürgen Klopp oder Julian Nagelsmann stehen bei Klubs unter Vertrag und könnten wohl nur in Personalunion Bundestrainer sein - schwer vorstellbar. Zudem könnte auch Bierhoffs Zukunft im DFB mit der von Löw verknüpft sein.

Bierhoff über Löw: "Das Vertrauen ist vollkommen da" Sportschau 17.11.2020 05:20 Min. Verfügbar bis 17.11.2021 Das Erste

Hummels, Boateng, Müller - die Diskussion ist größer als je zuvor

Das 0:6 lieferte zudem neuen Anlass für die Diskussion, ob die Entscheidung richtig war, auf Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller zu verzichten. ARD-Experte Bastian Schweinsteiger hält sie für falsch. "Der Bundestrainer und sein Team haben eine Meinung dazu, ich persönlich habe leider eine andere", sagte er in der Sportschau.

"Solche Spieler wie Jerome Boateng und Thomas Müller haben das Triple gewonnen, mit der besten Mannschaft in Europa. Die spielen da in der ersten Elf und haben Qualität, sind deutsche Spieler. Warum nicht für die Nationalmannschaft?"

Löw selbst wählte Formulierungen, die weiter jede Spekulation zulassen: "Wir müssen die Situation zum richtigen Zeitpunkt bewerten. Das Vertrauen in die Spieler ist jetzt nicht völlig erschüttert. Wir müssen die richtigen Schlüsse ziehen."

Löw werden die Diskussionen lange begleiten

Deutschlands Leon Goretzka und Niklas Süle (r.) sind nach einem Tor der Spanier enttäuscht

Deutschlands Leon Goretzka und Niklas Süle (r.) sind nach einem Tor der Spanier enttäuscht

Die Diskussionen wird Löw lange nicht mit besseren Ergebnissen entkräften können. Das nächste Länderspielfenster steht erst Ende März 2021 an, dann mit drei Spielen in der Qualifikation zur WM 2022. Das werden die drei letzten Spiele vor der EM-Vorbereitung sein. Unmittelbar vor dem Turnier stehen zwei weitere Testspiele an. Am 11. Juni soll die EM nach aktuellen Planungen beginnen. Die deutschen Gruppengegner sind Weltmeister Frankreich, Europameister Portugal und Ungarn.

Termine bis zur EM
AnlassTermin
WM-Qualifikation24./25.03.2021
WM-Qualifikation27./28.03.2021
WM-Qualifikation30./31.03.2021
EM-Vorbereitung31.05. - 10.06.2021
EM-Endrunde11.06. - 11.07.2021

nch/dpa | Stand: 18.11.2020, 19:17

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