DFB-Trainingslager startet mit Löws Vertreter Sorg Mittagsmagazin 03.06.2019 02:10 Min. Verfügbar bis 03.06.2020 Das Erste

Vor EM-Qualifikationsspielen

Marcus Sorg - Chef für zehn Tage

Der Bundestrainer liegt im Krankenhaus, sein Co muss ran: Marcus Sorg wird die DFB-Elf in den kommenden zwei EM-Qualifikationsspielen betreuen.

Bevor es ernst wurde, griff sich Marcus Sorg erst einmal ein schmuckes DFB-Mountainbike und radelte in den Wald bei Venlo. Entspannung war angesagt, bevor der beförderte Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft an diesem Montag seine Zehn-Tages-Mission mit dem Kurz-Trainingslager in Holland aufnimmt: Sorg vertritt den im Krankenhaus weilenden Joachim Löw in den beiden Qualifikationsspielen in Weißrussland am Samstag (08.06.2019) und gegen Estland am darauffolgenden Dienstag (11.06.2019).

Man werde den erstmaligen Ausfall Löws in 15 DFB-Jahren "mit der Kompetenz und Qualität des gesamten anderen Trainerstabes" auffangen, versicherte DFB-Direktor Oliver Bierhoff bei der Zusammenkunft der DFB-Auswahl am Sonntagabend im niederländischen Venlo. "Wir werden Jogi vermissen. Er ist immer die wichtigste Person als Bundestrainer. Aber wir werden das kompensieren können", äußerte Bierhoff.

Heraus aus dem Schatten

Der Ersatz-Bundestrainer steht vor einer ungewohnten Aufgabe und den zugleich verantwortungsvollsten Tagen seiner Trainerlaufbahn: Der 53-Jährige muss im Blickpunkt der deutschen Öffentlichkeit nicht nur seinen erkrankten Vorgesetzten ersetzen, sondern ein wenig auch aus der eigenen Haut schlüpfen. Seit ihn Löw im März 2016 in seinen Stab holte, genoss der gelernte Diplom-Ingenieur für Grundlagen- und Bauphysik eher den Schatten des Bundestrainers. Er brauche keinen Prominentenstatus, sagte Sorg einmal bescheiden über sich selbst. Als Mensch aus Baden-Württemberg sei er einfach "ein wenig reservierter".

Jetzt muss der in Ulm geborene Sorg die Stars nach einer langen Saison nochmals motivieren und auf ein Toplevel bringen, obwohl die jüngsten Wettkämpfe für die meisten Spieler schon mehr als zwei Wochen zurückliegen. Der DFB hat deshalb ein Kurz-Trainingslager bis zum Freitag in den Niederlanden organisiert. Dort war die DFB-Auswahl gegen den stärksten Gegner in der EM-Quali Ende März mit einem 3:2-Erfolg gestartet. Gegen die Außenseiter Weißrussland und Estland soll der Aufschwung beim deutschen Team nun untermauert werden.

Befördert nach der WM

Im kleinen Stadion De Koel, in dem das deutsche Team seine Übungseinheiten absolviert, ist Sorg schon ab Montag als Moderator, Taktiktrainer und Beobachter gefragt. Mit den seit vergangenem Jahr vom Weltverband erlaubten Hilfsmitteln Headset und Tablet-Computer hatte sich Löws Assistent bei der WM in Russland die Spiele der deutschen Elf von der Tribüne aus angeschaut und seinem Chef von dort berichtet. Es gehe darum, "gewisse Dinge zu sehen, die man von unten nicht erkennen kann", erläuterte Sorg seine damalige Aufgabe.

Auch wenn die WM-Mission 2018 in Russland krachend scheiterte und auch der Bundestrainer schwer in die Kritik geriet, ging es weiter mit Löw. Sorg wurde danach sogar zum ersten Co-Trainer befördert. Der dienstältere Thomas Schneider fungiert nur noch als Chefscout.

Chefrolle nie angestrebt

Die Chefrolle hat Sorg eigentlich nie angestrebt, obwohl er schon mit 33 Jahren seine Trainerlaufbahn startete. Über die Stuttgarter Kickers, die TSF Ditzingen, den Heidenheimer SB und den SSV Ulm kam er 2008 zum SC Freiburg. Dort rückte Sorg 2011 als Bundesligacoach erstmals ins Rampenlicht. Allerdings war die Premiere wegen schlechter Resultate nach einem halben Jahr schon wieder beendet.

Sorg arbeitete danach wieder ohne den Druck der Öffentlichkeit, erst als U17-Trainer beim FC Bayern, dann als Nachwuchscoach beim DFB. Für seinen Kurzjob als Bundestrainer bekommt er neben Torwartcoach Köpke noch Antonio di Salvo an die Seite gestellt, mit dem er schon die U19-Auswahl des DFB betreute und zum EM-Sieg 2014 führte.