Einzelkritik: Gnabry spektakulär, Hector meldet sich stark zurück

Marc-André ter Stegen

EM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland

Einzelkritik: Gnabry spektakulär, Hector meldet sich stark zurück

Von Christian Hornung

Jonas Hector hat lange nicht mehr für die deutsche Nationalelf gespielt - gegen die Nordiren meldete er sich mit einer Top-Leistung zurück. Noch spektakulärer war aber der Auftritt von Serge Gnabry.

Marc-André ter Stegen (Tor)
Undankbarer hätte das Spiel für ihn nicht beginnen können: Der erste Schuss auf sein Tor war drin. Er trug keine Schuld, konnte sich danach aber auch nicht mehr groß auszeichnen. Fußballerisch aber wie immer der elfte Feldspieler, da ist er auf jeden Fall Deutschlands Nummer eins.

Lukas Klostermann (Abwehr)
Nicht die allerbeste erste Halbzeit, zu viele Hereingaben waren zu ungenau. Steigerte sich aber danach, das 3:1 durch Serge Gnabry bereitete er perfekt vor.

Emre Can (Abwehr)
Der bei Juve aufs Abstellgleis geratene Defensivallrounder zeigte genau das, was Joachim Löw von ihm haben will: Zweikampfhärte und Kompromisslosigkeit. Sehr guter Auftritt von Can, erst im Abwehrzentrum, dann später noch auf der rechten Außenbahn.

Jonathan Tah (Abwehr)
Ist nicht unumstritten im DFB-Team, aber wenn er so spielt wie an diesem Abend, gehört er fest in den Kader: hochkonzentriert, aufmerksam und mit gutem Stellungsspiel, dazu gewann er fast jedes direkte Duell.

Jonas Hector

Jonas Hector

Jonas Hector (Abwehr)
War über ein Jahr nicht im DFB-Team dabei - aber das war eines seiner besten Länderspiele überhaupt. Vor allem in der ersten Halbzeit war der Kölner an fast jedem Angriff beteiligt, leitete Tore und Großchancen ein, schlug perfekte Flanken und marschierte ohne Ende. So wird er von Nico Schulz oder Marcel Halstenberg nur ganz schwer wieder zu verdrängen sein.

Joshua Kimmich (Mittelfeld)
Sehr engagierter Auftritt des Münchners, der defensiv zwar nur selten gefordert wurde, in den wenigen Momenten aber immer voll da war. Schaltete sich auch permanent offensiv ein, ging durch bis zur gegnerischen Torlinie und zeigte immer wieder ein sehr gutes Auge für die Nebenleute.

Ilkay Gündogan (Mittelfeld)
Schwächster Deutscher, weitgehend unsichtbar. Das Spiel rauschte dank der Dominanz von Kimmich und vor allem Toni Kroos oft an ihm vorbei, auch Abschlüsse hatte der Lieblingsspieler von Pep Guardiola bei Manchester City praktisch gar nicht.

Toni Kroos (Mittelfeld)
Zweites Klassespiel des Real-Madrid-Stars binnen vier Tagen: Nach seinem Tor-Spektakel gegen Weißrussland glänzte er diesmal vor allem als Stratege, Spielverlagerer und Torvorbereiter. Genial vor allem seine langen Pässe in die Spitze, der einzige Fehler war sein missglückter Klärungsversuch vor dem 0:1.

Leon Goretzka (Mittelfeld)
Begann im rechten offensiven Mittelfeld recht verhalten, musste erstmal seine Position finden. Aber was ihn auszeichnet, ist eben diese enorme Torgefahr, dieser Riecher für die Abschlusssituation wie vor seinem 2:1 und die hervorragende Schusstechnik wie beim 5:1. So hat er seinen Stammplatz bei Löw sicher.

Jubel bei Serge Gnabry

Jubel bei Serge Gnabry

Serge Gnabry (Angriff)
Drei Tore, eins schöner als das andere: einfach weltklasse, dieser Auftritt. Und es war alles dabei, was ihn bei Bayern und beim DFB unentbehrlich macht. Der trockene Vollspann-Abschluss, dann das körperliche Dagegengehalten und dann die Annahme mit links und das Vollstrecken mit rechts in den Winkel: überragend.

Julian Brandt (Angriff)
Vor dem 0:1 duckte er sich beim Schuss von Smith weg, auch sonst täuschte er das Anlaufen des Gegners oft nur an. Aber sein Laufpensum war top, offensiv war er sehr präsent und holte sich den Lohn für sein Nichtnachlassen mit dem sehenswerten 6:1 in der Nachspielzeit.

Einwechselspieler

Niklas Stark (66. für Klostermann)
Endlich hat es nach all dem Verletzungspech mit seinem Debüt geklappt - und Stark darf sicher wiederkommen. Sofort präsent im Zweikampf und mit guten Stellungsspiel.

Suat Serdar (74. für Goretzka)
Serdar bringt wie Goretzka eine gute Mischung aus Defensiv- und Offensivverhalten mit - und zeigte beides in seiner guten Viertelstunde. Hatte einen schönen Volleyabschluss, der nur knapp am Tor beiging.

Nadiem Amiri (80. für Gnabry)
Der Leverkusener hätte durchaus etwas mutiger nach vorn spielen können, denn bei seiner Einwechslung war natürlich längst alles entschieden. Mehrfach spielte er aber lieber hintenrum und suchte auch den Abschluss nicht.

Stand: 19.11.2019, 23:27

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