Gündogans abgefälschte Schüsse bringen Deutschland auf Kurs

Ilkay Gündogan trifft zur Führung gegen Estland

EM-Qualifikation: Estland - Deutschland 0:3

Gündogans abgefälschte Schüsse bringen Deutschland auf Kurs

Von Christian Hornung

75 Minuten musste Deutschland das EM-Qualifikationsspiel in Estland in Unterzahl bestreiten - und tat sich lange enorm schwer. Erst zwei abgefälschte Distanzschüsse von Ilkay Gündogan sorgten dann doch noch für klare Verhältnisse.

Vom locker-flockigen 8:0 aus dem Hinspiel war die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw allerdings weit entfernt. Am Ende stand am Sonntag (13.10.2019) aber immerhin ein 3:0 (0:0), das zweimal Gündogan (52. und 57. Minute) sowie der eingewechselte Timo Werner (72.) herausschossen. In der 15. Minute hatte Emre Can nach einer Notbremse die Rote Karte gesehen.

"Ich bin saufroh, dass wir es geschafft haben", sagte Löw bei "RTL". "Wir mussten uns nach der Roten Karte erstmal fangen. Aber in der zweiten Hälfte hat es die Mannschaft gut gemacht."

Nach Cans Roter Karte wieder eine Dreierkette

Gegenüber dem 2:2 gegen Argentinien vom Mittwoch hatte Löw in der Abwehr eigentlich von Dreier- auf Viererkette umgestellt - doch das war nach knapp einer Viertelstunde bereits Makulatur. Abwehrchef Niklas Süle spielte an der eigenen Strafraumgrenze einen schlampigen Querpass, der seinen Nebenmann Emre Can in den Zweikampf mit Frank Liivak zwang. Can traf dabei zwar noch minimal den Ball, aber beinahe maximal die Beine des durchstartenden Gegenspielers - entsprechend korrekt war der von Schiedsrichter Georgi Kabakov verhängte Platzverweis.

Und es hätte noch schlimmer können. In der 18. Minute stand Karol Mets frei vor Torhüter Manuel Neuer, weil Gündogan nicht aufpasste - doch Mets platzierte den Ball aus kurzer Distanz über die Latte. Die Deutschen fanden einfach nicht ins Spiel, hatten Riesenmühe, eigene Angriffe aufzuziehen und kamen weder über die Außenbahnen noch durch das Zentrum zu Chancen. Estland verlegte sich aufs Kontern, und das durchaus gefährlich: Nach einer halben Stunde musste Neuer schon hellwach sein, um die Direktabnahme von Konstantin Vassiljev zu entschärfen.

Reus mit Aluminium-Pech

Spielerisch sahen die Fans von den Deutschen auch danach wenig bis nichts, in der 40. Minute kam dann auch noch Pech dazu: Marco Reus, bis dahin kaum in die Partie integriert, scheiterte mit einem Freistoß aus 20 Metern am linken Lattenkreuz. "Über 90 Minuten perfekt zu spielen, ist schwer bei einer Mannschaft, die sich erst finden muss", sagte Kapitän Neuer nach der Partie.

DFB-Elf müht sich zum Sieg

Sportschau 13.10.2019 00:48 Min. Verfügbar bis 13.10.2020 ARD Von Armin Lehmann

Das Glück stand den Deutschen dann aber sieben Minuten nach der Pause zur Seite. Einen Fernschuss von Gündogan fälschte Reus mit der Hacke minimal, aber dadurch unhaltbar für Keeper Sergei Lepmets ab: 1:0 für die DFB-Elf.

Gündogan mit Gewalt und Glück

Das wirkte befreiend. Keine fünf Minuten später legte Reus den Ball wunderbar per Hackentrick an die Strafraumgrenze zurück, wieder hielt Gündogan drauf, wieder wurde die Kugel unhaltbar abgefälscht - das 2:0 und damit der erste Doppelpack des Man-City-Spielers im deutschen Trikot waren perfekt.

Der Widerstand der Gastgeber in Tallinn ließ daraufhin spürbar nach. Als Werner in der 72. Minute kurz nach seiner Einwechslung das dritte deutsche Tor nachlegte, waren die Verhältnisse wieder zurechtgerückt. Julian Brandt mit einem Schrägschuss und nochmal Werner fanden bei weiteren gefährlichen Abschlüssen ihren Meister in Lepmets.

"Die Rote Karte hat unserem Spiel natürlich schon geschadet, da mussten wir uns erstmal fangen. In der Halbzeit haben wir dann einen Plan gemacht, wie wir die Esten knacken. Die Einstellung stimmte", sagte Süle.

Diskussion um Gündogan und Can

Vor dem Spiel hatten Can und Gündogan einen Instagrampost des türkischen Nationalspielers Cenk Tosun gelikt, auf dem ein Foto türkischer Spieler zu sehen ist, die nach dem Tor gegen Albanien salutieren - dies stellte der Spieler offenbar in einen Zusammenhang mit dem türkischen Militärangriff auf Kurden in Nordsyrien. Beide Spieler haben ihr "Like" zurückgenommen.

Vom DFB gab es bislang keine Stellungnahme zu dem Thema. Die UEFA ermittelt wegen der Gesten gegen den türkischen Verband.

Im November gegen Weißrussland und Nordirland

Die letzten beiden EM-Qualifikationsspiele trägt Deutschland Mitte November aus. Am Samstag (16.11.2019) geht es gegen Weißrussland, drei Tage später folgt ebenfalls um 20.45 Uhr (Live-Ticker bei sportschau.de) das Duell gegen Nordirland. Für die deutsche Mannschaft geht es dann darum, Platz zwei und damit die direkte Qualifikation zu sichern. Die Chancen auf Platz eins sind für die deutsche Mannschaft sehr klein.

Stand: 13.10.2019, 22:15

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