Süle und Havertz enttäuschend - die Nationalelf in der Einzelkritik

Manuel Neuer im Spiel gegen Estland

EM-Qualifikationsspiel in Estland

Süle und Havertz enttäuschend - die Nationalelf in der Einzelkritik

Von Christian Hornung und Chaled Nahar

Trotz Unterzahl hätte die Leistung der DFB-Elf in Estland vor allem spielerisch deutlich besser sein dürfen. Vor allem Kai Havertz, aber in der Defensive auch Niklas Süle enttäuschten - die Einzelkritik.

Manuel Neuer (Tor)
Im ersten Durchgang tauchten die Esten mehrfach gefährlich vor ihm auf, wirklich einzugreifen brauchte er aber nur beim Abschluss von Konstantin Vassiljev nach einer halben Stunde. Wurde auch danach selten geprüft, machte bei seinen wenigen Aktionen einen sicheren Eindruck.

Lukas Klostermann versucht, an den Ball zu kommen

Lukas Klostermann (Abwehr)
Keine brauchbare Flanke im ersten Durchgang, konnte bei weitem nicht an seine Gala aus dem Argentinien-Spiel anknüpfen. Im zweiten Durchgang leitete sein Vorstoß das 2:0 ein, danach rettete er hinten in höchster Not vor dem einschussbereiten Frank Liivak.

Emre Can (Abwehr)
Nach seiner guten Leistung gegen Argentinien diesmal als Innenverteidiger in der Viererkette eingesetzt, schaltete sich aber sofort auch mit vorn ein. Hatte dann nach seiner Notbremse bereits nach einer knappen Viertelstunde Feierabend.

Niklas Süle (Abwehr)
Sein schlampig gespielter Querpass parallel zur eigenen Strafraumgrenze brachte Can in die Notbremsen-Situation und Deutschland in Unterzahl. Auch danach mit mehreren Stellungsfehlern, wirkte weit weniger stabil als bisher in der Qualifikation. Erst im zweiten Durchgang etwas stabiler.

Marcel Halstenberg (Abwehr)
Nach vorne lange Zeit schwach, aber auch in der Rückwärtsbewegung sehr anfällig. Stabilisierte sich im zweiten Durchgang wie die meisten seiner Kollegen ein wenig, blieb offensiv aber vieles schuldig.

Joshua Kimmich beim Torschuss

Joshua Kimmich (Mittelfeld)
Forderte die Bälle, verbreitete aber zunächst mehr Unruhe in den eigenen Reihen als beim Gegner. Auch wenn er viel unterwegs war, bewegte er diesmal wenig.

Ilkay Gündogan (Mittelfeld)
Laufstark und von Beginn an bestrebt, im Mittelfeld als Anspielstation zu fungieren. Tauchte dann zunächst unter und leistete sich auch in der Defensivarbeit Aussetzer wie bei der Großchance von Karol Mets (18. Minute). Meldete sich aber in der 52. Minute mit seinem beherzten Schuss zur 1:0-Führung vehement zurück, legte das zweite Tor nach und war mit den meisten Ballkontakten der entscheidende Mann.

"Einfach draufgehauen von Gündogan...": Die Tore aus der Reportage

Sportschau 13.10.2019 00:32 Min. Verfügbar bis 13.10.2020 ARD Von Andre Siems und Jens-Jörg Rieck

Kai Havertz (Mittelfeld)
Miserable erste Halbzeit vom größten deutschen Fußballtalent: fahrig, unkonzentriert, kam den Bällen nicht entgegen und leistete sich gefühlt mehr technische Fehler als in den ersten sieben Ligaspielen zusammen. Auch nach dem Wechsel ein Schatten seiner eigentlichen Klasse.

Julian Brandt (Angriff)
So schön es manchmal ist, ihm bei seinen technischen Finessen zuzusehen - etwas mehr Ernst im DFB-Trikot, vor allem in der Rückwärtsbewegung, wäre wünschenswert. Fast jeden Defensivzweikampf zu verweigern, kann mit Blick auf die bevorstehende EM im nächsten Jahr nicht die Lösung sein. Immerhin zwang er Torwart Sergei Lepmets mit einem schönen Schrägschuss zu einer Glanzparade (72.) und hatte einen weiteren guten Abschluss.

Julian Brandt

Luca Waldschmidt (Angriff)
Hatte nur einen Torschuss, kam kaum zur Geltung - wurde aber auch oft sehr ungenau oder gar nicht mit Pässen versorgt. Gut waren aber wie schon gegen Argentinien sein Anlaufverhalten im Gegenpressing und sein Engagement in der Ballrückeroberung.

Marco Reus (Angriff)
Begann als Spitze neben Waldschmidt, ließ sich nach dem Platzverweis aber (oft zu) weit zurückfallen. Lange Zeit beinahe unsichtbar, dann aber mit großem Pech bei seinem Freistoß in der 40. Minute, der ans Lattenkreuz klatschte. Was er draufhat, zeigte er mit dem genialen Hackentrick vor Gündogans Treffer zum 2:0.

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Einwechselspieler

Timo Werner (ab 65. für Waldschmidt)
Besser kann man seinen Job als Joker nicht erfüllen. Gerade mal fünf Minuten nach seiner Einwechslung entschied er mit dem 3:0 die Partie endgültig. Danach noch ein Klasseabschluss, den Estlands Keeper Lepmets aber so gerade noch um den Pfosten lenkte.

Suat Serdar (77. für Reus)
Brachte defensive Sicherheit, fiel aber nicht mehr groß auf.

Nadiem Amiri (87. für Brandt)
Kam zu spät, um noch viel zu bewirken.

Stand: 13.10.2019, 23:02

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