DFB-Elf - Brandts Schatten und Neuhaus' Leuchten

Florian Neuhaus

Test-Länderspiel in Leipzig

DFB-Elf - Brandts Schatten und Neuhaus' Leuchten

Von Jens Mickler

Die deutschen Fußball-Nationalspieler Florian Neuhaus und Julian Brandt sind in etwa mit ähnlich viel Talent gesegnet. Das Länderspiel gegen Tschechien zeigte: Der eine ruft es ab, der andere nicht. Ein Vergleich.

Es ist üblich nach Spielen der deutschen Nationalmannschaft, dass Bundestrainer Joachim Löw in der Bewertung auch ausführlich Stellung zu einzelnen Spielern bezieht. Löw zeigt sich dann seinen Schützlingen meist gewogen, nur selten haut er einen Spieler öffentlich "in die Pfanne".

Brandt - viel Potenzial, keine Konstanz

Als es nun nach den eher durchschnittlichen 90 Minuten der DFB-Elf gegen die Tschechen in die Einzelabfrage ging, stellte der Bundestrainer die Torgefahr eines Luca Waldschmidt heraus. Er freute sich auch, wie intensiv die Neulinge Ridle Baku und Philipp Max zu Werke gegangen waren.

Dann wurde Löw nach Julian Brandt gefragt, und es wurde deutlich, dass er nicht einverstanden war mit der Leistung des Dortmunders, auf den er doch so große Stücke hält. Er habe viel Potenzial, sagte Löw noch einmal. "Wir müssen bei ihm aber an der Konstanz arbeiten. Er war nicht immer glücklich in allen Aktionen. Ich hoffe und erwarte den nächsten Schritt von ihm", so Löw.

Im zweiten Abschnitt untergetaucht

In der Tat fragt man sich, warum Brandt in der Nationalmannschaft nicht mehr von dem zeigt, was in ihm steckt. Der 24-Jährige besitzt ein außergewöhnliches Gefühl für den Ball, sein Kurzpassspiel und seine Gedankenschnelligkeit rechtfertigen immer wieder die Berufung in die Nationalmannschaft. Auch gegen die Tschechen begann der Dortmunder in seinem immerhin schon 34. Länderspiel verheißungsvoll, um dann vor allem im zweiten Abschnitt völlig abzutauchen.

Julian Brandt am Ball, verfolgt vom Tschechen Jemelka

Julian Brandt macht zuwenig aus seinen Möglichkeiten.

Löw hat stets "die unglaublichen Qualitäten" von Brandt gelobt. Er sei ein Spielertyp, der "mir persönlich sehr gut gefällt", hat Löw über ihn einmal gesagt. Dies scheint allerdings mehr eine Bürde zu sein, die dem Mann mit der Trikotnummer 10 in der Nationalelf immer wieder zur Last wird. Gut möglich, dass die Geduld des Bundestrainers langsam ein Ende findet.

Neuhaus - keine Nervosität, starke Präsenz

Derjenige, der Brandt in Löws Ranking schon bald überholt haben dürfte, spielte in Leipzig meist neben ihm. Und er spielte sich weit mehr in den Vordergrund: Florian Neuhaus. Der Mönchengladbacher zeigte in seinem zweiten Länderspiel eine Präsenz im deutschen Mittelfeld, die ungewöhnlich ist für einen Neu-Nationalspieler.

Von Nervosität keine Spur schwang sich der 23-Jährige zum Lenker im deutschen Mittelfeld auf. Fast alle gefährlichen Angriffe liefen über Neuhaus, der abgeklärt spielte und selten Fehler in seinem Spiel hat. Das war schon vor vier Wochen bei seinem Länderspiel-Debüt gegen die Türkei so, als ihm ein Tor gelang und er als großer Gewinner des Spiels gefeiert wurde.

Löw: "Bin zufrieden, dass wir das Spiel auch am Ende gewinnen konnten"

Sportschau 12.11.2020 00:59 Min. Verfügbar bis 12.11.2021 ARD Von Andre Siems


Das ganze Selbstvertrauen in einem Schuss

An den wenigen herausragenden Szenen des deutschen Spiels gegen die Tschechen war Neuhaus beteiligt. Er hatte den Schuss abgegeben, den Torwart Jiri Pavlenka nur mit Mühe abwehren konnte, was schließlich Max zur Torvorlage und Waldschmidt zur Führung nutzte. Neuhaus' Volleyschuss, der in der 76. Minute ans Gebälk des Tschechen-Tores krachte, war der Offernsiv-Höhepunkt der Deutschen in Halbzeit zwei. Dieser Schuss zeigte das ganze Selbstbewusstsein des Mannes, der zuletzt auch mit Borussia Mönchengladbach in der Champions League für Furore sorgte.

Florian Neuhaus zieht gegen Tschechien ab

Hammerschuss ans Lattenkreuz: Florian Neuhaus

Natürlich wurde Löw auch nach der Leistung von Neuhaus gefragt. "Flo besitzt eine hohe Spielintelligenz. Er ist ballsicher und findet gute Lösungen. Er spielt sehr abgeklärt. Ich war von seiner Leistung angetan", sagte Löw. Mit anderen Worten: Florian Neuhaus darf wiederkommen, auch wenn die Topstars in die A-Mannschaft zurückkehren. Julian Brandt hingegen hat sich diesmal nicht für eine weitere Einladung empfohlen.

Deutschland gegen Tschechien - Waldschmidts Tor in der Live-Reportage

Sportschau 11.11.2020 01:13 Min. Verfügbar bis 11.11.2021 ARD


Stand: 12.11.2020, 10:30

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