Druck wächst - UEFA soll fünf Wechsel beibehalten

Timo Werner bei seiner Auswechslung mit Joachim Löw

Auswechslungen

Druck wächst - UEFA soll fünf Wechsel beibehalten

Joachim Löw hatte sich drüber aufgeregt, jetzt legt die Klubvereinigung ECA nach: Die UEFA soll ihre Entscheidung überdenken und flächendeckend wieder fünf Spielerwechsel pro Partie zulassen. Auch die FIFA wäre einverstanden.

Der ECA-Vorsitzende Andrea Agnelli plädiert für fünf Auswechslungen pro Partie in allen europäischen Fußball-Wettbewerben und setzt auf eine Umkehr bei der UEFA. Nach der jüngsten Kritik von Bundestrainer Joachim Löw an der Europäischen Fußball-Union sprach sich der Chef der Klubvereinigung ECA dafür aus, dass die Regel auch in der kommenden Saison flächendeckend eingesetzt wird. "Wir wollen aufzeigen, dass alle Klubs in allen Ländern eine einheitliche Linie wollen", sagte Agnelli, Chef von Juventus Turin, am Dienstag (08.09.2020) nach der ECA-Generalversammlung. Er kündigte einen Vorstoß bei der UEFA an. "Wir hoffen, dass sie auf uns hören."

Agnelli wies darauf hin, dass unter anderem in der Bundesliga und der italienischen Serie A auch in der kommenden Spielzeit fünf statt drei Wechsel pro Team erlaubt sein werden. In der englischen Premier League gebe es dafür ebenfalls eine Mehrheit. Die Internationalen Regelhüter des IFAB hatten die grundsätzliche Möglichkeit geschaffen, die während der vergangenen Saison in der Corona-Krise geschaffene Regel auch 2020/21 beizubehalten.

Infantino unterstützt Agnelli und Co.

Auch FIFA-Präsident Gianni Infantino sieht die Möglichkeit von fünf Auswechslungen pro Partie auch über die kommende Saison hinaus als mögliche Option. "In dieser besonderen Situation war es eine sehr gute Lösung, um Klubs und Spielern zu helfen", sagte der Chef des Fußball-Weltverbandes am Mittwoch in Rom, wo er bei seiner ersten offiziellen Auslandsreise nach der Corona-Pause Verbandspräsident Gabriele Gravina und Ministerpräsident Giuseppe Conte traf. Die FIFA erlaubt die Regeländerung bis zum Sommer 2021. "Ob es darüber hinaus sinnvoll ist, müssen wir analysieren", sagte Infantino.

Löw hatte Diskussion angestoßen

Joachim Löw war nach dem 1:1 (0:0) gegen Spanien in der Nations League sauer. Richtig sauer. Natürlich hatte dem Bundestrainer der spanische Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit durch José Gayà die Stimmung verhagelt, aber es war auch etwas anderes, das Löw auf die Palme brachte: die Tatsache, dass er nur drei Spielerwechsel vornehmen durfte. "Die ganze Zeit gab es fünf Wechsel, das fand ich sinnvoll. Jetzt wird es zurückgenommen - gerade jetzt!", zürnte er.

Löw: "Der Terminkalender ist wahnsinnig voll - wir müssen aufpassen!" Sportschau 04.09.2020 02:28 Min. Verfügbar bis 04.09.2021 Das Erste

Tatsächlich braucht man schon Expertenwissen, wenn man im Moment über das Thema Spielerwechsel mitreden möchte. Denn die Regeln differieren. Während im deutschen Profi-Fußball (fast) einheitlich aktuell fünf Spielerwechsel erlaubt sind, hat sich die Europäische Fußball-Union UEFA entschlossen, sowohl in der Nations League als auch in weiteren Wettbewerben ab sofort nur noch drei Wechsel zuzulassen - so also auch in der Champions League und Europa League, wo in den jüngsten Endrundenturnieren noch fünf Wechsel erlaubt waren.

Erlaubte Spielerwechsel
WettbewerbAnzahl Spielerwechsel
Bundesliga5
2. Bundesliga5
3. Liga3
DFB-Pokal5
Premier League, England3
Ligue 1, Frankreich5
La Liga, Spanien5
Serie A, Italien5
Nations League3
Champions League3
Europa League3
U21 - EM-Qualifikation5

"Einige sind auf dem Zahnfleisch gelaufen"

Löw hätte sich gerade im Moment, da viele seiner Spieler mitten in der Vorbereitung auf die Saison stecken und kräftemäßig alles andere auf dem Höhepunkt agieren, mehr Wechselmöglichkeiten gewünscht - gerade im Hinblick auf die Gesundheit der Akteure: "Gerade jetzt hätte es mehr Wechselmöglichkeiten gebraucht. Einige sind auf dem Zahnfleisch gelaufen - dann passieren die Verletzungen!"

Es bleibt etwas undurchsichtig, warum sich die UEFA zu der reduzierten Wechsel-Modalität entschieden hat, denn die Regelhüter des Fußball-Weltverbandes FIFA haben Mitte Juli noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass angesichts der Corona-Pandemie und dem damit zusammenhängenden engen Spiel-Zeitplan mindestens bis zum Sommer 2021 größere Wechselkontingente im Weltfußball erlaubt werden können.

U21 - fünf Wechsel erlaubt

Regelrecht kurios wird die Angelegenheit angesichts der Tatsache, dass in der U21-Europameisterschafts-Qualifikation nach wie vor fünf Wechsel von der UEFA zugelassen werden, weil sie formal noch zur Saison 2019/20 gehört. Und aus deutscher Sicht ein kleines Schmankerl obendrauf: Während die DFL für die 1. und 2. Bundesliga in den kommenden Monaten fünf Wechsel erlaubt, sind in der vom DFB organisierten 3. Liga nur drei Wechsel gestattet.

Ähnlich heterogen wie die Regeln sind die aktuellen Meinungen dazu. Während Löw und Co. für möglichst große Wechselmöglichkeiten votieren, gibt es ebenso viele Stimmen, die für drei Wechsel sind. Ottmar Hitzfeld sagte jüngst im "Kicker", er halte fünf Wechsel "für eine Katastrophe". Ex-Bayern-Profi Bixente Lizarazu fügte hinzu: "Drei reichen. Sonst sind die Spieler nur noch Nummern."

Premier League - bitte nur dreimal wechseln

Gestörter Spielfluss, Unordnung auf dem Platz und Verwirrung bei den Zuschauern: Auch die Premier League findet, dass fünf Auswechslungen kontraproduktiv sind. Auch in der ersten englischen Liga wird das Wechselkontingent zur anlaufenden Spielzeit 2020/21 wieder von fünf auf drei zurückgeschraubt. Derweil ist die französische Liga mit fünf Wechselmöglichkeiten gestartet. Spanien und Italien haben sich in dieser Woche ebenfalls für fünf Wechselmöglichkeiten entschieden.

oja/sid/dpa | Stand: 10.09.2020, 11:24

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