Leroy Sané nimmt neuen Anlauf in der Nationalelf

Vor den Spielen in der Nations League

Leroy Sané nimmt neuen Anlauf in der Nationalelf

Von Marcus Bark

Für die WM gestrichen, danach nur mit einem Kurzeinsatz: Bei den beiden anstehenden Spielen in der Nations League nimmt Leroy Sané einen neuen Anlauf, um auch in der Nationalmannschaft ein wertvoller Spieler zu werden.

Der Deutsche Fußball-Bund kennt inzwischen nur noch drei Kategorien, in die er Nationalspieler einteilt, jedenfalls bei der A-Nationalmannschaft. Bei den Torhütern ist die Zuordnung sehr einfach. In der Kategorie "Abwehr" fehlt konsequenterweise vor den Auswärtsspielen in der Nations League gegen die Niederlande am Samstag (13.10.18) und Frankreich (16.10.18) der Name von Joshua Kimmich. Der Profi des FC Bayern, in den vergangenen Jahren sehr oft als rechter Verteidiger eingesetzt, wurde in den ersten beiden Spielen nach der Weltmeisterschaft im zentralen Mittelfeld eingesetzt, und das soll laut Bundestrainer Joachim Löw auch so bleiben.

Kimmich wird aktuell in der Kategorie "Mittelfeld/Sturm" geführt, die neu ist. Sie macht die Zuordnung viel leichter, denn die müßige Frage, ob Serge Gnabry nun ein Mittelfeldspieler oder ein Stürmer ist, entfällt. Bei Julian Brandt, Julian Draxler und auch Sané würden sich Argumente für Mittelfeld und Sturm finden.

Erstaunlicherweise fand Löw sogar Argumente, Sané gar keiner Kategorie zuzuordnen, als er seinen endgültigen Kader für die Weltmeisterschaft bekanntgab. Der ehemalige Schalker hatte eine großartige Saison bei Manchester City gespielt, war englischer Meister und zum besten jungen Spieler in der Premier League gewählt worden.

Löw aber strich ihn im Traininglager in Südtirol aus dem vorläufigen Aufgebot, verbat sich zunächst drängende Nachfragen, sagte dann später: "Leroy hat riesiges Talent, absolut. Er wird auch bald wieder dabei sein, ab September werden wir verstärkt mit ihm arbeiten. Aber er ist vielleicht in den Spielen der Nationalmannschaft noch nicht so ganz angekommen."

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In der Kategorie "Vereinsfußball" zeigte Sané tatsächlich meistens weitaus bessere Leistungen als in der Nationalmannschaft. Dennoch war Löws Entscheidung zumindest fragwürdig. Ein weiterer Außenspieler seiner Qualität, der sich im Dribbling durchsetzt, in hohem Tempo an Gegenspielern vorbeiläuft und konsequent den Weg in den Strafraum sucht, hätte der deutschen Mannschaft gut zu Gesicht gestanden. Zumal Sané, wie es auch Brandt bei der WM bewies, leicht als Einwechselspieler in eine Partie findet.

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Das bewies der ehemalige Schalker noch am Sonntag (07.10.2018) im Topspiel der Premier League. Zehn Minuten nach seiner Einwechslung holte Sané beim FC Liverpool nach einem Tempodribbling einen Elfmeter heraus, den Manchester Citys Riyad Mahrez vergab.

Abreise vor dem Test gegen Peru

Leroy Sané

Nur ein Scorerpunkt in 13 Länderspielen: Leroy Sané

Löws Ankündigung, ab September "verstärkt" mit Sané "zu arbeiten", blieb zunächst nur eine Ankündigung, sofern es sich auf mehr Einsatzzeiten beziehen sollte. Allerdings trug der Spieler dazu wesentlich bei, denn nachdem er zum Auftakt der Nations League beim 0:0 gegen Frankreich in der 83. Minute eingewechselt worden war, reiste er vor dem Test gegen Peru zu seiner hochschwangeren Freundin. Seine Tochter kam wenig später zur Welt.

"Generell keine Probleme mit Kritik"

In seinen 13 bisherigen Länderspielen wurde Sané sieben Mal ein- und drei Mal ausgewechselt. Nur eine Vorlage steht in den Statistiken, ein Treffer gelang ihm noch nie.

"Ich hoffe, dass ich mehr Einsatzzeiten bekomme", sagte Sané am Mittwoch (11.10.2018) während einer Pressekonferenz in Berlin. Eine schlüssige Erklärung für die in der Nationalmannschaft meistens dürftigen Leistungen hatte er nicht.

Draxler bricht Lanze für Sané

Die von seinem Mannschaftskollegen Toni Kroos vor den Spielen im September geäußerte Kritik, dass Sané immer wieder mal angetrieben werden müsse, wies der Profi von Manchester City von sich: "Ich bin eigentlich nicht der Typ, der einen Tritt in den Hintern braucht." Er habe "generell keine Probleme mit Kritik", der Eindruck, dass er lustlos oder abwesend wirke, sei jedenfalls falsch.

Draxler, der bei der Pressekonferenz neben Sané auf dsem Podium saß, sprang seinem ehemaligen Schalker Vereinskollegen zur Seite: "Leroy ist auf keinen Fall charakterschwach." Dieser unterschwellige Vorwurf wurde als einer der Gründe dafür angeführt, dass Sané die WM verpasste.

Stand: 10.10.2018, 14:52

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