Kevin Volland - Löws Überraschung für mehr Wucht

Kevin Volland im Trikot der deutschen Nationalmannschaft

EM-Kader

Kevin Volland - Löws Überraschung für mehr Wucht

Von Dorian Aust

Mehr als viereinhalb Jahre ist es her, dass Kevin Volland zuletzt Teil der Nationalmannschaft sein durfte. Jetzt nimmt Löw den wuchtigen Stürmer mit zur EM. Seine Trümpfe: Geduld, ein mutiger Schritt und sein Faible für Eishockey.

Ob Joachim Löw gerne Lotto spielt, ist zwar nicht überliefert - bei seiner Kader-Zusammenstellung dürfte er aber wohl nicht auf den Faktor Glück setzen. Einen "Sechser im Lotto" hat er trotzdem in seinen Reihen und zwar den völlig überraschend nominierten Kevin Volland.

Das zumindest sagt dessen aktueller Trainer Niko Kovac bei der AS Monaco. Bei Volland wisse man immer, was man bekomme, nämlich Qualität. Kovac sagt: "Ich habe ihn immer geschätzt, er ist ein toller Mensch und Spieler."

Volland bringt Eishockey-Erfahrung mit

Kevin Volland

Und es ist davon auszugehen, dass Löw Volland wegen seiner menschlichen und spielerischen Qualitäten mitnimmt. Sportlich wird er im Angriff vor allem eine gehörige Portion Physis mitbringen. Während die meisten Löw-Spieler in der Offensivabteilung eher in die Kategorie dribbelstark und hochbegabt fallen, weiß Volland auch seinen Körper einzusetzen. Kein Wunder, stammt er doch eigentlich aus einer Eishockey-Familie.

Kevins Vater Andreas Volland war Eishockey-Nationalspieler und auch Kevin spielte lange Fußball und Eishockey. Erst im Alter von 14 Jahren entschied sich Volland, alles auf die Karte Fußball zu setzen - das gewisse Rustikale hat er sich aber erhalten. Bis heute steht Volland in den Wintermonaten immer Mal wieder auf dem Eis.

"Er kann uns bereichern"

Auch Nationaltrainer Jogi Löw hält die Physis für Vollands wichtigste Waffe im Nationaltrikot: "Er macht kröperlich einen starken Eindruck und wir glauben, dass er uns mit seinem Durchsetzungsvermögen bereichern kann."

Der 28-Jährige ist ein stetiger Unruheherd für die Hintermannschaften seiner Gegner und hat, ausgestatt mit einem kräftigen Linksschuss, insgesamt 77 Bundesligatore für Hoffenheim und Leverkusen erzielt, in der Zeit aber auch 62 Tore vorbereitet.

Mit Löw hat ihn jetzt ausgerechnet der Mann zurück zum DFB geholt, der ihn in Leverkusen so lange ignoriert hatte. Volland kam zu Leverkusener Zeiten kaum noch bei Löw zum Zug - trotz Stammplatzgarantie unter verschiedensten Trainern im Verein. Sein letzter Einsatz datiert vom 15. November 2016, als er für 30 Minuten eingewechselt wurde.

Schwindende Hoffnung

Leverkusens Kevin Volland jubelt

Leverkusens Kevin Volland jubelt

In Leverkusen brachte er beharrlich seine Leistung. Er wurde immer wieder auf die Nationalmannschaft angesprochen, hielt sich aber immer bedeckt. Zwar war die Hoffnung auf weitere Länderspieleinsätze da, aber je länger das Spiel in Italien zurücklag, desto geringer wurde diese Hoffung. Trotzdem: Volland blieb geduldig und konzentrierte sich auf die Dinge, die er beeinflussen konnte.

Als er in Leverkusen zunehmend auch Kritik für vergebene Torchancen einstecken musste, erkannte er die Zeichen der Zeit. Es fehlte an Wertschätzung, also bewies er Mut und wagte einen Schritt ins Ungewisse. Die AS Monaco, trainiert von Ex-Bayern-Coach Niko Kovac, sollte es sein. Als erfahrener Spieler im besten Alter wollte er in der französischen Liga nun seine Klasse unter Beweis stellen.

"Sehr wichtiger Bestandteil von Monaco"

Ein Torjäger der klassischen Prägung war Volland nie - nicht in Hoffenheim, nicht in Leverkusen und auch jetzt in Monaco ist er das nicht. Trotzdem hat er mit seinem Wechsel und den Leistungen in der französischen Ligue 1, wo er mit Monaco lange um die Meisterschaft mitspielte, offenbar auch Bundestrainer Löw beeindruckt.

Kevin Volland (R) bei der Auswechslung mit seinem Trainer Niko Kovac (L)

Kevin Volland (R) bei der Auswechslung mit seinem Trainer Niko Kovac (L)

16 Tore hat Volland in bisher 34 Spielen erzielt. Ein guter Wert für einen Wandspieler, der in der Offensive auch als Zielspieler gefordert ist. "Er ist ein sehr wichtiger Bestandteil von Monaco und die spielen ja auf einem hohen Niveau", urteilte auch Sportschau-Experte Bastian Schweinsteiger nach der Nominierung. "Kevin ist ein Spieler, der Tore schießen kann, und die braucht man immer im Sturm."

Teamplayer mit Wucht

Im EM-Kader wird Volland zweifelsfrei die Rolle als Ersatz von Timo Werner zukommen. Als komplett anderer Spielertyp ist Volland aber gleichzeitig auch eine gute Alternative, um in engen Begegnungen mehr Wucht ins Offensivspiel zu bringen. Außerdem dürfte der Trainer Löw am Spieler Volland schätzen, dass der ein ausgewiesener Teamplayer zu sein scheint.

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Nicht nur seine Spielweise mit viel Laufarbeit ist aufopferungsvoll - auch fällt es schwer vorzustellen, dass Volland murrend auf der Bank Platz nehmen würde. Nach jahrelanger Nicht-Berücksichtigung dürfte er froh sein, überhaupt zum Kreis der 26 Spieler zu gehören.

Stand: 19.05.2021, 15:47

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