Löw: "Kritik an meiner Person ist für mich ein Ansporn" Sportschau 28.02.2021 37:36 Min. Verfügbar bis 28.02.2022 Das Erste

Bundestrainer

Sportschau-Interview: Löw stellt Weltmeister-Rückkehr in Aussicht

Bundestrainer Joachim Löw spricht im Interview mit der Sportschau über die anstehende Europameisterschaft, die Corona-Krise und eine mögliche Rückkehr von Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller. Die wichtigsten Aussagen des Gesprächs.

Die Corona-Krise und die anstehende Europameisterschaft

Joachim Löw zur Corona-Krise: "Das ist schon eine emotionale Belastung, für alle, nicht nur im Fußball, sondern im gesamten Leben. Das ist schon schwierig, die Kinder gehen nicht in die Schule, können seit Monaten keinen Sport machen. Viele können ihrer Arbeit nicht nachgehen, Friseure, Cafés, Restaurants haben geschlossen, die Geschäfte sind überwiegend zu. Die Leute können ihre Verwandten in den Altenheimen nicht besuchen, das ist schon eine große Belastung, auf der anderen Seite weiß ich, man muss jetzt noch ein bisschen durchhalten."

Löw zur Austragung der EURO: "Ich kann durchaus verstehen, dass manche Leute da skeptisch sind, was das betrifft, auf der anderen Seite glaube ich auch, dass so ein Event wie eine EM den Menschen in den verschiedenen Ländern viel Freude und ein bisschen Farbe in ihr Leben zurückbringt. Ob es in der gewohnten Form stattfinden wird, in 12 verschiedenen Ländern, das weiß ich im Moment auch nicht. Es gibt sicherlich Gedankenspiele bei der UEFA und vielleicht auch einen Plan B."

Joachim Löw | Bildquelle: ARD/Sportschau

Löw zur Vorbereitung auf die EURO: "Diese Saison ist mit nichts anderem zu vergleichen. Die ganzen Spitzenmannschaften in Europa sind in Ihrer Entwicklung nicht so weit, wie sie es sich vorstellen können, weil sie nur noch spielen und regenerieren. Weiterentwicklung findet nur über gutes Training statt, auch bei den Spitzenspielern. Von daher muss man sehen, dass sie gesund bleiben, denn sie haben eine viel höhere Belastung, die Spieler sind am Limit. Und die Höhepunkte kommen jetzt erst noch, in der Champions League, Meisterschaft, der Kampf um die Champions-League-Plätze, dann der große Höhepunkt im Sommer. Und da müssen wir in der Vorbereitung individuell schauen, wie können wir die Spieler alle auf ein richtiges Niveau bringen."

Löw zum Ziel bei der EURO: "Wenn wir zu einem Turnier gehen, dann wollen wir so weit wie möglich kommen, das war ja immer unser Anspruch. Im Grunde genommen ist uns das über die Jahre hinweg, über viele Turniere ja auch gelungen, zumindest ins Halbfinale zu kommen. 2018, zugegeben, haben wir bei der WM versagt, die haben wir wirklich in den Sand gesetzt. Aber das hindert uns nicht daran, unsere Ansprüche wieder ganz oben anzulegen. Die Mannschaft ist allemal in der Lage, wenn die Dinge auch so passen, wenn wir keine Verletzungen haben, dann können wir weit kommen. Wir haben eine gute Energie in der Gruppe und haben auch eine gute Qualität."

Tom Bartels (l.) beim Interview mit Joachim Löw | Bildquelle: ARD/Sportschau

Löw zu einem möglichen Abschied nach der EURO: "Mich hat nach Turnieren immer angetrieben zu überlegen, was können wir denn verbessern. Das ist jetzt nicht immer so gelungen. Seit 2018, das muss ich ehrlich gestehen, haben wir nicht all das erreicht, was wir uns vorgestellt haben. Nach dem Turnier wird man dann auch nochmal sprechen mit dem DFB, kann man noch irgendwie etwas bewegen, hat man die Energie und die Inspiration, das alles wieder neu anzutreiben. Aber jetzt im Moment ist alles auf das Turnier und die drei Spiele im März fokussiert. Das ist das Allerwichtigste, wir müssen alle liefern. Auch ich muss jetzt absolut liefern, gute Ergebnisse. Vielleicht sind wir nicht eingespielteste Mannschaft, vielleicht sind wir in der Breite nicht mit den allerbesten Spielern besetzt. Aber wir müssen die Mannschaft sein, die den größten Ehrgeiz entwickelt und die größe Motivation. Vielleicht müssen wir das größte Team werden in den nächsten Monaten, das ist der Antrieb, und dann können wir was erreichen.

Das Spanien-Debakel und die Kritik am Bundestrainer

Löw zum Spanien-Debakel: "Mittlerweile habe ich es schon verarbeitet, aber ich gebe zu, ich habe schon ein paar Tage gebraucht, weil dieser Schock auch sehr, sehr tief saß. Ich war wirklich Tage danach noch sehr, sehr wütend und auch frustriert, weil es da ja auch nichts zu beschönigen gibt. Wir hatten im letzten Jahr wirklich schwierige Bedingungen zu bewältigen, allerdings dieses Spanien-Spiel hat uns alle dann auch so ein bisschen schockiert, das Ergebnis und vor allen Dingen auch die Art und Weise. Wir müssen schauen, dass wir an Lösungen arbeiten, damit wir die Dinge verbessern können."

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Löw zur Kritik an seiner Person: "Die Kritik muss ich mir absolut gefallen lassen und das habe ich dann auch im Nachhinein gesehen, dass meine Körpersprache natürlich schlecht war, das war ein absoluter Fehler in der Situation. Ich wusste, irgendwie können wir das Ergebnis nach einem 3:0 oder 4:0 nicht mehr drehen, das hat meinen Frust eigentlich noch verstärkt. Ich finde es ja manchmal auch nicht zielführend, wenn man dann wild gestikulierend an der Seitenlinie hoch und runter geht."

Löw zur Kicker-Umfrage (75 Prozent beurteilen die Arbeit als ausreichend oder schlechter): "Das ist schon unerfreulich, aber diese Kritik muss ich mir gefallen lassen. Für mich ist das jetzt auch die Form von einem besonderen Ehrgeiz, eine Zusatzmotivation nochmals zu entwickeln und zu zeigen, dass wir eigentlich besser sind als dieses Spanien-Spiel das gezeigt hat, dass wir gute Anlagen haben, dass ich überzeugt bin von der Mannschaft. Für mich ist so eine Umfrage auch ein Ansporn, und das soll meinen Ehrgeiz jetzt nochmal richtig erhöhen."

Löw zur Rückendeckung beim DFB: "Die spüre ich schon, daran war auch nach dem Spanien-Spiel nicht unbedingt zu zweifeln, weil ich auch ein paar Gespräche geführt hatte. Was mich damals gestört hatte, war, dass viele Dinge wie Vertragsinhalte, einige andere Interna so nach außen getragen worden sind. Das habe ich dann in der Sitzung, die wir dann hatten, mal klar angesprochen und Unmut hatte ich dann auch mal nach außen geäußert. Aber in der Zwischenzeit gab es ja auch einige Gespräche mit dem Präsidium, mit den Leuten vom DFB, das ist jetzt eigentlich alles geklärt."