Der junge Hagi und Rumäniens Hoffnung auf die erste WM seit 1998

Ianis Hagi dribbelt an seinem Gegenspieler vorbei

Fußball | WM-Qualifikation

Der junge Hagi und Rumäniens Hoffnung auf die erste WM seit 1998

Von Paul Materne

Die DFB-Elf trifft am Freitag (08.10.2021) in der WM-Qualifikation auf Rumänien. Die rumänische Mannschaft besteht zum Teil aus jungen Talenten, die an Deutschland ganz besondere Erinnerungen haben.  

Der Star

Einer der Hoffnungsträger des rumänischen Fußballs trägt einen großen Namen: Ianis Hagi. Der 22 Jahre alte Spielmacher ist der Sohn des einstigen "Karpaten-Maradonas" Gheorghe Hagi. Der ist in Rumänien spätestens seit der WM 1994 in den USA eine Legende, als die rumänische Mannschaft überraschend bis ins Viertelfinale kam. Der ehemalige Spieler von Real Madrid und dem FC Barcelona ist zweifelsohne der beste Fußballer, den Rumänien jemals hatte.

Kein leichtes Erbe, was sein Sohn Ianis da antritt. Doch er hat bereits gezeigt, dass er in der Lage ist in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Ianis spielt bei den Glasgow Rangers in Schottland, unter Trainer Steven Gerrard ist er diese Saison Stammspieler.

Zum ersten Mal auf großer Bühne auf sich aufmerksam machte Hagi bei der U21-EM in Italien und San Marino. Bei dem Turnier waren die Rumänen die Überraschungsmannschaft und warfen die Engländer raus. Schluss war erst im Viertelfinale - ausgerechnet gegen das deutsche Team. Zeitweise waren die Rumänen dort sogar in Führung und die deutsche Elf konnte das Spiel erst in der Nachspielzeit für sich entscheiden.  

Das Team

Neben Hagi gibt es in der Nationalelf weitere junge Talente, die auch bei der U21-EM schon dabei waren und jetzt schon als eine goldene Generation gelten. Dazu zählen neben den Verteidigern Cristian Manea und Ionut Nedelcearu auch der 25-jährige Stürmer George Puscas. Der wuchtige und technisch starke Angreifer, der beim FC Reading in der zweiten englischen Liga unter Vertrag steht, machte vor zwei Jahren beide Tore beim 2:4 gegen die deutsche U21. Ein sehr begabter Fußballer ist dazu Razvan Marin, der bei Cagliari Calcio in Italien spielt. Die Italiener haben den zentralen Mittelfeldspieler diese Saison für zehn Millionen fest von Ajax Amsterdam verpflichtet.

Dazu kommen eine Reihe an erfahrenen Spielern, die in Rumänien oder anderen weniger hochklassigen Ligen in Europa spielen. Bekannt aus der Bundesliga dürfte noch der 31-jährige Alexandru Maxim sein. Der ehemalige Mittelfeldspieler vom VfB Stuttgart und dem FSV Mainz 05 spielt mittlerweile beim türkischen Erstligisten Gaziantep FK. Bei der Nationalmannschaft ist er aber eher als Joker gefragt.

Hansi Flick:"Rumänien ist eine Mannschaft, die Fußball spielen will" Sportschau 07.10.2021 00:37 Min. Verfügbar bis 07.10.2022 Das Erste

Der Trainer

Eine wichtige Rolle bei der Einbindung und Förderung von Talenten spielt der Trainer Mirel Radoi. Auch der ist kein Unbekannter, er war während der U21-EM Trainer der rumänischen Auswahl. Im November 2019 wurde er zur A-Mannschaft hochgezogen. Radoi steht für mutigen Fußball und Selbstbewusstsein - nicht nur auf dem Platz, sondern auch in Interviews. Vorm Spiel gegen Deutschland betonte er klar, nicht verlieren zu wollen.

Die Hoffnung vieler Rumänen: Radoi, selbst einst rumänischer Nationalspieler, kann das schaffen, was schon über 20 Jahre nicht mehr gelungen ist: sich mit Rumänien für eine WM zu qualifizieren. Das letzte Mal dabei waren die Rumänen bei der WM 1998 in Frankreich.

Zuletzt als Trainer an der WM-Qualifikation gescheitert ist übrigens Christoph Daum, der im September 2017 gefeuert wurde, als klar war, dass auch die Weltmeisterschaft in Russland ohne rumänische Beteiligung stattfinden wird.

Die Ausgangslage

Rumänien ist momentan Dritter mit zehn Punkten in der WM Qualifikationsgruppe J hinter Armenien, die drei Zähler mehr auf dem Konto haben. Am Montag (11.10.21) kommt es zum direkten Aufeinandertreffen. "Selbst wenn wir gegen Deutschland gewinnen würden, bleibt der Sieg über Armenien Pflicht", sagte der Technische Direktor des Verbandes, Mihai Stoichita, gegenüber der dpa. Der zweite Platz in der Gruppe J würde die Nummer 42 der Fifa-Weltrangliste berechtigen, in den Playoffs um ein Starplatz bei der WM in Katar zu spielen.

Das Hinspiel gegen die DFB-Elf im März ging übrigens mit 0:1 verloren. Serge Gnabry traf das Tor, doch Chancen noch weitere Treffer zu erzielen hatten die Deutschen ohne Ende. Torhüter Florin Nita verhinderte mit seinen starken Paraden Schlimmeres. Ianis Hagi blieb wie viele seiner jungen Kollegen in diesem Spiel blass. Aber vielleicht hat die goldene Generation ja am Freitag in Hamburg wieder mehr Chancen zu glänzen.

Stand: 07.10.2021, 14:23

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