Torhüterdebatte - Hoeneß rudert nach Boykott-Drohung zurück

Bayern-Präsident Uli Hoeneß

"Dann werden wir keine Nationalspieler mehr abstellen"

Torhüterdebatte - Hoeneß rudert nach Boykott-Drohung zurück

Neues von Uli Hoeneß: Der Präsident des FC Bayern hat dem DFB in der Torhüterdebatte offenbar mit einem Boykott der Nationalmannschaft gedroht. Inzwischen hat Hoeneß seine Aussagen aber relativiert.

Von der Boykott-Drohung berichtet die "Sport-Bild". Angesprochen auf ein mögliches Szenario, dass Münchens Manuel Neuer von Barcelonas Marc-André ter Stegen im Tor der deutschen Elf abgelöst werden könnte, zitiert die Zeitung den scheidenden Chef des deutschen Rekordmeisters mit den Worten: "Bevor das stattfindet, werden wir keine Nationalspieler mehr abstellen. Wir werden das nie akzeptieren, dass hier ein Wechsel stattfindet."

Bruch der FIFA-Regeln

Das würde allerdings einen Bruch der FIFA-Regeln bedeuten, denn der deutsche Rekordmeister würde bewusst gegen die vom Weltverband verordnete Abstellungspflicht für Nationalspieler in den Länderspielpausen verstoßen. Die Bayern müssten im Boykottfall alle Spieler krankmelden. Sollten die Atteste einer Überprüfung nicht standhalten, würden bei einer Eskalation des Konflikts Strafen bis hin zu Spielersperren drohen - von der Kritik, die dann auf den Klub einprasseln würde, mal ganz abgesehen.

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Nur leere Drohungen

Die erneut heftigen Aussagen sind also eher als Drohkulisse in der Auseinandersetzung um den Platz im deutschen Tor zu verstehen. Ob die Bayern vor dem Hintergrund der FIFA-Statuten, die Hoeneß gewiss geläufig sind, ihren aktuellen Nationalspielern Niklas Süle, Serge Gnabry, Leon Goretzka und Joshua Kimmich tatsächlich verbieten würden, für das Nationalteam aufzulaufen, bleibt dahingestellt.

Barcelonas Keeper ter Stegen hatte sich zuletzt über seine Reservistenrolle in der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes beklagt, Bayern- und Nationalelf-Kapitän Neuer diese Äußerungen kritisiert, was ter Stegen wiederum "unpassend" fand. Hoeneß hatte daraufhin in einem Rundumschlag den DFB und dessen Verantwortliche, ter Stegen und die Medien verbal angegriffen.

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Löw und Bierhoff völlig unbeeindruckt

Ein Gespräch mit Bundestrainer Löw lehnt der Bayern-Boss allerdings ab: "Der wird jetzt schon hören, was wir alles gesagt haben, dem werden schon die Ohren klingeln", sagte Hoeneß. Löw reagierte aber schon zuletzt völlig unbeeindruckt auf die verbalen Angriffe. "Von so was lasse ich mich nicht beeinflussen. Das lässt mich völlig entspannt in die Zukunft blicken", sagte der 59-Jährige der "Bild am Sonntag".

Der DFB will sich aktuell nicht zu dem Thema äußern. Oliver Bierhoff hatte bereits in der vergangenen Woche auf eine mögliche Boykott-Drohung reagiert. Er fürchte diese nicht, betonte der DFB-Direktor in der "Bild"-Zeitung, "zumal ein Verein laut FIFA-Statuten zur Abstellung verpflichtet ist". Letztlich sei einzig der Trainer "alleine verantwortlich für die Nominierung".

Aussagen inzwischen relativiert

Das Büro des Bayern-Präsidenten hat die Aussagen gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" inzwischen relativiert: "Unmittelbar nach unserem Champions-League-Spiel gegen Belgrad hat Herr Hoeneß zu den Diskussionen um die Nummer 1 bei der Nationalmannschaft Aussagen gemacht, die er mit etwas Abstand heute nicht mehr so machen würde. Das Thema ist für ihn längst erledigt, und es gibt dazu auch keine weiteren Aussagen von ihm."

vdv/sid/dpa | Stand: 25.09.2019, 10:47

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