Ilkay Gündogan spielt sich zurück

Ilkay Gündogan wird von Leroy Sané (l.) beglückwünscht

Nach dem deutschen Schützenfest gegen Estland

Ilkay Gündogan spielt sich zurück

Von Jo Herold

Toni Kroos könnte die zwei Länderspiele vor der Sommerpause mit gemischten Gefühlen verfolgt haben: Denn "Ersatzmann" Ilkay Gündogan hat sich eindrucksvoll zurückgespielt ins deutsche Mittelfeld.

Vor genau zwölf Monaten noch ausgepfiffen beim Freundschaftsspiel gegen Saudi-Arabien hat sich Ilkay Gündogan nach dem schlimmen Jahr 2018 wieder eindrucksvoll im deutschen Team zurückgemeldet. Damals hatten er und Mesut Özil sich mit dem türksichen Staatspräsdidenten auf einem Foto gezeigt. Die folgende Diskussion war schnell eine politische und keine sportliche mehr. Nach dem WM-Aus in der Vorrunde plagten Gündogan Zweifel, "ob es jemals wieder so werden kann wie früher".

Deutscher Kapitän im März 2019

Während Özil den Weg der Konfrontation wählte, hielt sich Gündogan zurück. Mit Erfolg. Im März 2019 bekam Gündogan gegen Serbien von Manuel Neuer die Kapitänsbinde überreicht. "Das ist eine kuriose Wende irgendwie nach dem, was in den letzten Monaten alles so passiert ist", sagte Gündogan. Und das Länderspiel gegen Estland und auch - mit Abstrichen - das zuvor gegen Weißrussland haben gezeigt: Der Mittelfeld-Stratege von Manchester City kann das Herz einer starken deutschen Nationalmannschaft sein.

Zwei Treffer leitete der 28-Jährigen in der ersten Halbzeit mit großer Übersicht und präzisem Zuspiel ein. Zuerst sah er Thilo Kehrer, der Marco Reus perfekt bediente (20.), sieben Minuten später war es Leroy Sané, der von einem wunderschönen Heber von Gündogan profitierte und Serge Gnabry perfekt in Szene setzte. Gündogan krönte seine Leistung mit einem sicher verwandelten Foulelfmeter zum 4:0 (26.).

Blick für den besser stehenden Nebenmann

Der Wert Gündogans fürs deutsche Spiel war gegen zugegebenermaßen drittklassige Esten alleine wegen seiner starken Zuspiele ersichtlich. Aber auch durch seine Spielweise, die immer durch den Blick für den besser stehenden Nebenmann besticht.

Dazu sichert der frühere Dortmunder zumeist die offensiver ausgerichteten Mit-Akteure im Mittelfeld nach hinten ab und tritt aus dem Scheinwerferlicht gewissermaßen heraus. Toni Kroos war bislang einer der großen Profiteure seines "Schattenmanns" Gündogan. Auch Joshua Kimmich und Matthias Ginter waren im Spiel gegen Weißrussland Nutznießer dieser Qualität.

Doch durch die Umstellung auf Viererkette gegen Estland hatte Gündogan Raum, sich nach vorne zu entfalten. Und er tat dies mit einer ganzen Reihe von herausragenden Zuspielen. Zuspiele, die man von Toni Kroos im Nationalteam länger nicht mehr gesehen hat.

Stand: 11.06.2019, 23:20

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