Österreich und die Färöer - Erinnerung an eine Zipfelmütze

Färöer gegen Österreich: Jens Martin Knudsen (l.) mit Mütze, Franco Foda und David Alaba (r.)

Fußball | WM-Qualifikation

Österreich und die Färöer - Erinnerung an eine Zipfelmütze

Von Tim Beyer

Franco Foda ist Nationaltrainer Österreichs, das ist gerade kein angenehmer Job. Die WM-Teilnahme ist in Gefahr, und der nächste Gegner sind die Färöer - nicht gerade Österreichs Lieblingsgegner.

Da saß also David Alaba und sprach eine Warnung aus. Einfach werde das sicher nicht, sagte Alaba, 29, und meinte das Auswärtsspiel am Samstagabend (09.10.2021) in Torshavn, der Haupstadt der Färöer. "Wir stehen hier in der Pflicht."

Alaba, das nur als Erinnerung, ist Kapitän der österreichischen Nationalmannschaft, mit den Bayern hat er zweimal die Champions League gewonnen, seit einigen Monaten ist er bei Real Madrid unter Vertrag. Dass er nun vor einem Spiel gegen die Färöer warnt, sagt einiges aus über den Zustand der Nationalmannschaft. Es ist aber auch eine Lehre aus der Vergangenheit.

Österreich hat in der WM-Qualifikation zuletzt zweimal verloren, in der Gruppe F liegt man nur auf Platz vier. Die Qualifikation für die Endrunde ist in Gefahr. Als Österreich im September nacheinander gegen die Konkurrenten Schottland und Israel verloren hatte, sparten die Medien nicht an Kritik.

Foda steht in der Kritik

Es ist gerade nicht einfach, Franco Foda zu sein. Foda, 55, ist seit vier Jahren Nationaltrainer Österreichs, er hat in dieser Zeit pro Spiel 1,83 Punkte geholt. Er hat Österreich zur EURO im Sommer geführt, die Nationalmannschaft hatte dort erstmals ein Spiel bei einer EM-Endrunde gewonnen und im Achtelfinale Italien am Rande einer Niederlage.

Gut drei Monate ist das nun her, von Euphorie ist nichts mehr zu spüren und über Fodas Zukunft wird munter spekuliert. Noch ist Foda Trainer der Österreicher, er wird das auch beim Spiel gegen die Färöer noch sein. Soviel immerhin ist sicher. Foda sagt: "Solange ich Trainer bin, werde ich bis zum letzten Tag alles geben. Alles andere liegt nicht in meiner Hand."

Jetzt gegen die Färöer, das passt zur Stimmung

Auch das mit dem Flug lag nicht in Fodas Hand, nicht einmal seine Kritiker werden ihm das einmal vorwerfen. Am Donnerstag, die Warnung des Kapitäns Alaba war gerade einmal 24 Stunden alt, versammelten sich Österreichs Nationalspieler am Flughafen in Wien. Sie warteten zweieinhalb Stunden, dann wurde ihr Flug auf die Färöer abgesagt - das Wetter.

"Das ist natürlich nicht optimal, wenn das nicht so funktioniert, aber da ist das Wetter schuld", sagte der Sportdirektor Peter Schöttel. Das kann schon mal passieren, Flüge auf die kleine Inselgruppe im Nordatlantik sind im Herbst eine unsichere Sache. In Österreich allerdings wird man das womöglich etwas anders deuten, als ein schlechtes Zeichen nämlich.

Fast auf den Tag genau vor dreizehn Jahren war Österreich schon einmal in der WM-Qualifikation zu Gast im Tórsvollur, wie das Nationalstadion der Färöer heißt. Am Ende stand ein dürftiges 1:1 - und eine unruhige Nacht. Der Rückflug nach Österreich war wegen eines Unwetters abgesagt worden.

Österreichs Albtraum - Knudsen, der Mann mit der Zipfelmütze

Ein Höhepunkt in Österreichs Fußballgeschichte war das natürlich nicht, doch der Tiefpunkt war ein anderer. An einem Septemberabend des Jahres 1990 war Österreich ins schwedische Landskrona gereist, um dort gegen die Färöer zu spielen. Sie machten dann Bekanntschaft mit Jens Martin Knudsen - an den Mann mit der weißen Zipfelmütze erinnern sie sich in Österreich nur ungern.

Knudsen arbeitete tagsüber in einer Fischfabrik, er war aber auch ein erfolgreicher Sportler. Zweimal war Knudsen Landesmeister im Turnen geworden, er war Handballtorhüter, und er liebte den Fußball. Es waren seine Paraden, die die Österreicher um Toni Polster und Andi Herzog um den Verstand brachten. Österreich verlor 0:1, für die Färöer war es das erste Pflichtspiel überhaupt, der Sieg war eine Sensation. Zwei Tage nach dem Spiel trat Österreichs Trainer Josef Hickersberger zurück.

Der Amateurtorhüter Knudsen wurde später Profi, er wechselte als erster Spieler der Inselgruppe ins Ausland, nach Schottland und Island, und irgendwann kehrte er zurück auf die Färöer. Nur die Mütze, die trug er immer.

Die Knudsens - wie der Vater so der Sohn

Mittlerweile sind einige Nationalspieler der Färöer Profis, einer von ihnen ist John Frederiksen. Seit diesem Sommer spielt Frederiksen, 25, für den österreichischen Klub SKU Amstetten in der 2. Liga. Kürzlich hat er dem "Standard" ein Interview gegeben und darin natürlich auch über das Länderspiel gesprochen. Sie seien sicher klarer Außenseiter, sagte Frederiksen, aber wer einmal Geschichte geschrieben habe, könne "auch ein zweites Mal Geschichte schreiben."

Frederiksen würde dabei sicher gerne helfen, doch spielen dürfen meist andere. Einer seiner Konkurrenten im Angriff heißt mit Nachnamen Knudsen und mit Vornamen Petur, er ist Profi in Dänemark - und der Sohn des ehemaligen Torhüters.

In Österreich werden sie nun hoffen, dass es da keine Parallelität der Ereignisse gibt, dass diesmal kein Knudsen die Geschichte des Spiels schreibt. Dass das Ergebnis am Samstagabend (08.10.2021) ein andereres sein wird als vor 31 Jahren. Es wäre sicher förderlich für die Jobsicherheit des Trainers Foda.

Stand: 08.10.2021, 16:35

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