Vorbereitung auf die EURO 2020 - Löw läuft die Zeit davon

Joachim Löw beim Länderspiel gegen Argentinien

EM-Qualifikation

Vorbereitung auf die EURO 2020 - Löw läuft die Zeit davon

Joachim Löw hat einen Erfolg in Estland fest eingeplant, Zweifel an der EM-Qualifikation gibt es keine. Doch mit Blick auf das Turnier sieht der Bundestrainer seine Ziele gefährdet.

Vor dem Abflug nach Tallinn gab es für Joachim Löw endlich einmal gute Nachrichten. Toni Kroos, Leon Goretzka und Julian Draxler haben bei ihren Klubs wieder Laufeinheiten bestritten, Nico Schulz ist sogar ins Teamtraining zurückgekehrt, und Matthias Ginter bleibt eine OP an seiner lädierten Schulter erspart. Im EM-Qualifikationsspiel gegen Estland am Sonntag (13.10.2019/20.45 Uhr) kann aber keiner aus diesem für die EURO 2020 fest eingeplanten Quintett mitwirken. Und das ist für den Bundestrainer ein großes Problem.

"Wir müssen uns einspielen!" Aber wann?

Einen Sieg in Estland hat Löw zwar "fest eingeplant". Auch ohne die fünf Genannten und weitere sieben fehlende Nationalspieler um den Langzeitverletzten Leroy Sané kann er eine Elf aufbieten, die für den 102. der Weltrangliste zu stark ist.

Deutsche Mannschaft in Estland angekommen Sportschau 12.10.2019 02:37 Min. Verfügbar bis 12.10.2020 Das Erste

Mit Blick auf sein mittelfristiges Ziel, den Umbruch im DFB-Team bis zur EM 2020 abgeschlossen und seine neue Nationalmannschaft eingespielt zu haben, ist der Oktober-Lehrgang jedoch eine Enttäuschung für ihn. Löw läuft die Zeit davon. "Wir müssen uns einspielen. Einspielen. Einspielen!", sagte Löw über sein dringendstes Vorhaben. Aber wann?

Noch sechs Spiele bis zur EM

In acht Monaten beginnt die EURO 2020, bis dahin stehen nur noch sechs Länderspiele auf dem Programm. Und schon jetzt ist klar, dass Löw in den letzten Spielen der Qualifikation gegen Weißrussland am 16. November in Mönchengladbach und gegen Nordirland am 19. November Frankfurt am Main erneut nicht seine vermeintlich beste Elf bringen kann. Sané wird frühestens im Januar zurückerwartet, bei Antonio Rüdiger und Thilo Kehrer ist der Zeitpunkt offen.

"Das macht die Sache im Hinblick auf 2020 schwieriger", sagte Löw, "wir hätten das Jahr schon nutzen wollen, um uns vorzubereiten." Dies, betonte er leicht angesäuert, "müssen wir jetzt nächstes Jahr schaffen". Bei den Länderspielen im März und im unmittelbaren Turniervorfeld im Juni. Ob das reicht, um wie erhofft wieder in den Kreis der Favoriten aufzurücken?

Termine deutsche Mannschaft bis zur EURO 2020
TerminEreignis
13.10.2019Estland - Deutschland (EM-Qualifikation)
16.11.2019Deutschland - Weißrussland (EM-Qualifikation)
19.11.2019Deutschland - Nordirland (EM-Qualifikation)
22.11.2019Auslosung Playoffs EM-Qualifikation
30.11.2019Auslosung Endrunde EURO 2020
26. - 31.03.2020Playoffs EM-Qualifikation oder Testspiele
ab 25.05.2020Vorbereitung EURO 2020 (bei Qualifikation)
12.06. - 12.07.2020Endrunde EURO 2020(bei Qualifikation)

Viele Ausfälle beim Spiel in Estland

"Wenn man uns ein bisschen Zeit gibt, kann Gigantisches entstehen", sagte Julian Brandt nach dem 2:2 gegen Argentinien am Mittwoch - aber die Zeit hat Löw nicht. Das Remis von Dortmund gab ihm zwar die Gewissheit, dass im Notfall Alternativen zur Verfügung stehen, hinsichtlich der EM hat ihn das Spiel aber kaum weitergebracht. Und das ist auch vom Spiel in Tallinn nicht zu erwarten. In Estland muss Löw insgesamt auf zwölf Spieler verzichten, nur 19 Spieler stehen im Kader. Zuletzt musste der Berliner Niklas Stark nach einem Magen-Darm-Infekt und einer Beinverletzung absagen.

"Wir wollen und werden gewinnen", sagte Löw, "unabhängig davon, mit welcher Mannschaft wir spielen." Kapitän Manuel Neuer kehrt ins Tor zurück, auch Ilkay Gündogan, Marco Reus und Timo Werner sollen beginnen. Damit stünden immerhin fünf bis sechs der Profis auf dem Platz, die Löw für den EM-Auftakt im Kopf hat. Aber eben auch nicht mehr.

So funktioniert die EM-Qualifikation Sportschau 06.09.2019 01:20 Min. Verfügbar bis 06.09.2020 Das Erste

Die voraussichtliche deutsche Aufstellung: Neuer - Klostermann, Koch, Süle, Halstenberg - Kimmich, Gündogan - Havertz - Reus, Gnabry, Werner. - Trainer: Löw

nch/sid/dpa | Stand: 12.10.2019, 15:27

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