Löws lange Suche nach der Turnierelf

Bundestrainer Joachim Löw beim 2:0-Sieg der deutschen Mannschaft in Nordirland

Nach dem 2:0 in Nordirland

Löws lange Suche nach der Turnierelf

Von Marcus Bark (Belfast)

Nach dem mühsamen Sieg in Nordirland gibt Joachim Löw als Ziel aus, in den kommenden Monaten eine Stammelf mit Blick auf die Europameisterschaft 2020 zu finden. Gerade im Mittelfeld wird es Härtefälle geben, auch wegen der Sturheit des Bundestrainers.

Die Zweifel an der Qualifikation für die Europameisterschaft, sollten sie wirklich beim Bundestrainer vorhanden gewesen sein, waren ausgeräumt. Der Doppelspieltag mit dem 2:4 gegen die Niederlande und dem 2:0 bei biestigen Nordiren zeigte jedoch auch, dass zunächst andere Mannschaften als die deutsche genannt werden dürften, wenn es um die Favoriten für das paneuropäische Turnier im Sommer 2020 geht.

"Der Weg zurück in die Weltspitze wird kein einfacher sein. Im nächsten Jahr wird sich zeigen, wo wir stehen", sagte Löw im Windsor Park.

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Kein überzeugendes Spiel über 90 Minuten seit Russland

Ein überzeugendes Spiel über 90 Minuten fehlt der Auswahl des DFB in der Chronik seit der missratenen WM 2018. Vor dem Turnier in Russland hatte Löw behauptet, ihm reiche eine gezielte Vorbereitung in den Wochen vor der Abreise, um den Kader auf das höchste Niveau zu bringen und eine Elf zu finden. Von dieser Vorstellung ist er abgekommen, denn in Belfast sagte der Bundestrainer mehrmals, dass er nun auf Kontinuität setze.

"Wir müssen uns einspielen. Das ist jetzt das Thema", so Löw, "die Aufgabe der nächsten Monaten wird es sein, die Automatismen in allen Mannschaftsteilen zu schärfen."

Kimmichs Position wird Nachteil von Goretzka und Gündogan

Er gab auch schon kleine Einblicke, wie die Mannschaft aussehen soll. Im Tor bleibe Manuel Neuer, auch wenn er Marc-André ter Stegen versprochen habe, dass der seine Chancen bekommen würde. So wie sich der Bundestrainer anhörte, liegen diese Chancen zeitlich aber nach der EM. Sichere Kandidaten wie Neuer sind Niklas Süle, Joshua Kimmich, Toni Kroos und Serge Gnabry, der "immer spielt", wie Löw schon vor dem Spiel gegen die Niederlande gesagt hatte.

Dass Kimmich in die erste Elf gehört, werden 99,9 der Fußballfans in Deutschland so sehen. Diskutiert werden darf, ob er als rechter Verteidiger einer Viererkette oder im rechten Mittelfeld bei drei Innenverteidigern besser wäre. Der expliziten Nachfrage, ob Kimmich kategorisch im Zentrum des Mittelfelds bleibe, wich Löw aus, die vage Antwort lässt es aber vermuten. Im ohnehin am besten besetzten Mannschaftsteil wäre damit ein Platz geblockt. Ilkay Gündogan und Leon Goretzka sind die Leidtragenden der wahrscheinlichen Entscheidung.

Klostermann und Kehrer profitieren

Profiteure sind Lukas Klostermann und Thilo Kehrer, die sich rechts hinten einen Platz sichern könnten. Favorit auf den Platz neben Süle in der Innenverteidigung ist der wie Kehrer derzeit verletzte Antonio Rüdiger. Links hinten sammelte Marcel Halstenberg auch wegen seines Tores in Belfast Pluspunkte. Der Leipziger wirkt auch in der Defensive stabiler als Nico Schulz, der gegen die Niederlande schwach war und sich auch noch verletzte.

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Im offensiven Mittelfeld ist davon auszugehen, dass es trotz der Kontinuitätsbeteuerungen von Löw weiterhin Wechselspiele geben wird. Julian Brandt, Marco Reus, Timo Werner, Kai Havertz und vermutlich bald auch wieder Julian Draxler werden dort um die Gunst des Bundestrainers streiten.

Nordirlands Trainer schwärmt von Kai Havertz

Nordirlands Trainer war überrascht, dass Havertz wieder nur auf der Bank saß. "Nachdem er eingewechselt wurde, war zu sehen, dass er ein großartiger Spieler ist", sagte Michael O’Neill. Auch Löw bescheinigte dem Leverkusener schon häufiger eine glanzvolle Zukunft.

Noch wurde Havertz bei seinen nun fünf Länderspielen aber stets ein- oder ausgewechselt. "Auch Spieler wie Serge Gnabry oder andere haben ein bisschen länger gebraucht, um es in die Mannschaft zu schaffen", sagte Löw. Er bescheinigte Havertz zunächst eine "wahnsinnige Qualität", dann eine "sehr gute Qualität", um dann bei einer "guten Qualität" zu enden.

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Diese Abstufung war vermutlich weniger Zweifeln an der tatsächlichen Qualität von Havertz geschuldet als dem Bemühen, die Erwartungen zu dämpfen. Für den steinigen Weg zurück in die Weltspitze dürfte das hilfreich sein.

So funktioniert die EM-Qualifikation Sportschau 06.09.2019 01:20 Min. Verfügbar bis 06.09.2020 Das Erste

Thema in Sport aktuell, Deutschlandfunk, 09.09.19, 22.50 Uhr

Statistik

Fußball · Qualifikation zur Europameisterschaft · 6. Spieltag 2019/2020

Montag, 09.09.2019 | 20.45 Uhr

Flagge Nordirland

Nordirland

Peacock-Farrell – Dallas, Cathcart, J. Evans, Lewis – McNair, Davis, Saville (70. Magennis) – C. Evans, Washington (83. Lavery), McGinn (59. Whyte)

0
Flagge Deutschland

Deutschland

Neuer – Klostermann, Ginter (40. Tah), Süle, Halstenberg – Kimmich, Kroos – Gnabry, Reus (85. E. Can), Brandt – Werner (68. Havertz)

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 Halstenberg (48.)
  • 0:2 Gnabry (90.+3)

Strafen:

  • gelbe Karte McNair (1 )
  • gelbe Karte Saville (2 )
  • gelbe Karte Gnabry (1 )

Zuschauer:

  • 18.000

Schiedsrichter:

  • Daniele Orsato (Italien)

Stand der Statistik: Montag, 09.09.2019, 22:48 Uhr

Stand: 10.09.2019, 07:47

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