WM 2022 in Katar: Amnesty International fordert mehr Taten von der FIFA

Arbeiter auf einer Bausstelle eines Stadions der WM 2022 in Katar (2019)

Menschenrechtsverletzungen vor der WM 2022 in Katar

WM 2022 in Katar: Amnesty International fordert mehr Taten von der FIFA

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die FIFA aufgefordert, mehr gegen die Ausbeutung von Arbeitern in Katar zu tun.

Die FIFA müsse ihren Einfluss gegenüber den Behörden geltend zu machen, "um dem Missbrauch von Arbeitsmigrantinnen und -migranten ein Ende zu setzen sowie weitere Menschenrechtsverletzungen zu verhindern", heißt es in einer am Montag (22.03.21) veröffentlichen Erklärung.

Am Mittwoch startet die Qualifikation zur Fußball-WM 2022 in Katar. Die deutsche Nationalmannschaft tritt in ihrem ersten Spiel am Donnerstag (26.03.21) gegen Island in Duisburg an. Der Deutsche Fußball-Bund hatte bereits angekündigt, sich einem möglichen Boykott der WM nicht anzuschließen.

Amnesty schrieb nach eigenen Angaben einen Brief an FIFA-Präsident Gianni Infantino. Darin heißt es, die FIFA solle ihren Einfluss "in vollem Maße zu nutzen, um Katar dazu zu bringen, sein Programm für Arbeitsreformen vor Beginn der Weltmeisterschaft zu erfüllen".

FIFA-Präsident Infantino: "Es gibt Verbesserungen in Katar"

Infantino hatte zuletzt öffentlich mehrfach darauf hingewiesen, dass es in Katar deutliche Verbesserungen für die Arbeiter gegeben haben soll, was anerkannt werden müsse. Damit reagierte Infantino auf die Kritik, nachdem die englische Zeitung Guardian über rund 6.500 Tote Gastarbeiter seit der WM-Vergabe 2010 berichtet hatte. Ein Boykott sei nicht der richtige Weg, sagte er.

Amnesty würdigte ausdrücklich einige Schritte der FIFA und räumte ein, dass Katar in den letzten Jahren Reformen auf den Weg gebracht habe, was auf die erhöhte Aufmerksamkeit nach der Vergabe der WM zurückzuführen sei. "Diese werden jedoch allzu häufig nur unzureichend umgesetzt, sodass Tausende von Arbeitsmigrantinnen und -migranten nach wie vor ausgebeutet und missbraucht werden." Kürzlich habe Katars Schura-Rat, der die Regierung berät, Empfehlungen vorgelegt, die einen Großteil der Fortschritte wieder zunichte machen würden, beklagt Amnesty.

Amnesty-Sprecher Cockburn nimmt Fifa in die Pflicht Sportschau 22.03.2021 00:47 Min. Verfügbar bis 22.03.2022 Das Erste

"Start der Qualifikation als Mahnung: Die FIFA muss handeln!"

Amnesty verweist in der Stellungnahme auf die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. Demnach müsse die FIFA sicherstellen, dass die Menschenrechte bei der Organisation und Durchführung der Weltmeisterschaft geachtet werden, schreibt die Organisation. "Die in dieser Woche stattfindenden Qualifikationsspiele sind eine Mahnung, dass das Zeitfenster, in dem die FIFA Einfluss auf Katar nehmen kann, immer kleiner wird - sie muss jetzt handeln", sagt Steve Cockburn, Leiter des Bereichs für wirtschaftliche und soziale Menschenrechte bei Amnesty International.

Nach Angaben von Amnesty verdienen insgesamt 2,3 Millionen Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten in Katar ihren Lebensunterhalt. Sie stellen demnach 95 Prozent der Arbeitskraft. "Davon sind derzeit rund 20.000 Arbeiter auf den WM-Baustellen im Land tätig. 173.000 Personen, meist Frauen, sind als Hauspersonal angestellt", schreibt Amnesty.

Tod und Spiele: Die Klub-WM in Katar als Generalprobe für die WM

WDR 5 Sport inside – der Podcast: kritisch, konstruktiv, inklusiv 06.02.2021 49:18 Min. Verfügbar bis 31.01.2041 WDR 5


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WM soll im November und Dezember 2022 stattfinden

Die Endrunde der WM soll nach aktuellen Planungen vom 21. November bis 18. Dezember 2022 in Katar ausgetragen werden. Am Gastgeberland gibt es wegen Menschenrechtsverletzungen, Ausbeutung von Gastarbeitern und Korruption bei der WM-Vergabe seit Jahren große Kritik. Die Sportschau und das WDR-Magazin Sport inside berichteten immer wieder über die Missstände in Katar. Die FIFA musste in diesem Zusammenhang im Juni 2019 erstmals zugeben, dass auf WM-Baustellen gegen internationale Arbeitsstandards verstoßen wurde.

nch/red | Stand: 22.03.2021, 01:01

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