Joshua Kimmich

Nations League Kimmich im DFB-Team - Stratege unter Druck

Stand: 10.06.2022 19:27 Uhr

Joshua Kimmich ist die zentrale Figur in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Er führt eine Generation unter Druck.

Von Marcus Bark

Es war knapp, sehr knapp sogar. Erst in der 84. Minute traf Leon Goretzka gegen die Ungarn zum Ausgleich. Deutschland schleppte sich dadurch ins Achtelfinale der ein Jahr verspäteten EURO 2020, schied dann allerdings aus. In Wembley gegen England endete die Zeit von Joachim Löw als Bundestrainer, und da die deutsche Mannschaft ganz gut mithielt und Thomas Müller vor dem 0:2 eine große Chance zum Ausgleich vergab, lautete die knappste aller möglichen Analysen: kann passieren.

Joshua Kimmich bei der EM 2020 in anderer Rolle

Ein Aus schon nach der Vorrunde, durch eine Niederlage gegen Ungarn in München hätte tiefergehendere und längere Analysen benötigt, bei denen Joshua Kimmich ein zentrales Thema gewesen wäre. Ihn hatte Löw mangels hochwertiger Alternativen auf die rechte Seite des Mittelfeldes vor eine Dreierkette gezogen, aus dem Zentrum heraus.

Verschenkt, lautete das Urteil einiger Experten, auch wenn die Leistungen von Kimmich in den Spielen eben gegen Ungarn und beim 4:2-Sieg gegen Portugal mit zwei Vorlagen dagegen sprachen. Am Samstag (11.06.2022, ab 20.45 Uhr live hören und im Sportschau-Ticker) kommt es wieder zum Duell mit Ungarn, dieses Mal in Budapest und in der Nations League.

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Kimmich im Dauereinsatz - bei der Nationalmannschaft und in der Bundesliga

Wer verteidigt rechts in der Viererkette, wer neben Antonio Rüdiger im Zentrum? Wer stürmt in der 4-2-3-1-Formation, auf die sich Bundestrainer Hansi Flick auch für das Spiel am Dienstag in Mönchengladbach gegen Italien schon festlegte. Das sind einige offene Fragen, genau wie die nach dem Partner von Kimmich im zentralen defensiven Mittelfeld. Die "Sechs" ist Kimmichs Stammplatz, und das gilt auch in Zeiten, in denen Begriffe wie Stammplatz überholt sind.

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Joshua Kimmich erlebte den Anpfiff in all seinen 66 Länderspielen auf dem Platz, nur vier Mal wurde er anschließend ausgewechselt. So kommen viele Einsatzminuten zusammen, zumal auch beim FC Bayern grundsätzlich gilt: Kimmich spielt - durch. In der vergangenen Bundesligasaison galt das bei 25 von 28 Einsätzen. Die verpassten Spiele sind auf eine Coronainfektion und deren hartnäckige Folgen zurückzuführen. Da Kimmich zuvor unter lauter öffentlicher Begleitung zugegeben hatte, sich nicht impfen lassen zu wollen, wurde der Diskussion Häme beigemischt.

Inzwischen, so Kimmich, sei er geimpft. Es geht wieder um seine Leistung, mit der er kritischer umgeht als viele seiner Kollegen. "Prinzipiell habe ich immer einen sehr hohen Anspruch an mich selbst. Ich weiß, dass das sicherlich nicht meine beste Saison war, speziell in der Rückrunde", sagte er über die erste Jahreshälfte 2022, in der er die ersten beiden Länderspiele wegen der Geburt des dritten Kindes verpasste.

Die zentrale Figur des DFB-Teams

Jetzt ist er wieder da. In seinen 90 Minuten beim 1:1 in Italien schoss er ein Tor, in den 90 Minuten gegen England leistete er mit einem tollen Pass die Vorlage zum Treffer von Jonas Hofmann. Dass er nur 80-mal am Ball war, in den vorangegangenen vier Länderspielen aber jeweils mehr als 100-mal (gegen Rumänien sogar 159-mal), lag an Trainer Gareth Southgate, der seinen Mittelfeldspielern den Auftrag gegeben hatte, Kimmich in Manndeckung zu nehmen. Mit der verstaubten Methode sollte der deutsche Chefstratege aus dem Spiel genommen werden. Es gelang leidlich.

Joshua Kimmich war die zentrale Figur in der Elf des DFB, die sich nach dem Spiel auf einem guten Weg wähnte mit Blick auf die Weltmeisterschaft. Der Titel ist für das Turnier in Katar als Ziel ausgegeben worden, trotz aller Enttäuschungen der vergangenen Jahre. Seit dem peinlichen Vorrundenaus bei der WM 2018 wurden nur zwei von zwölf Spielen in der Nations League gewonnen, bei der EURO 2020 gelang vor dem Aus im Achtelfinale auch nur ein Sieg in drei Heimspielen.

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"Der Druck, etwas zu gewinnen, nimmt mit jedem Turnier zu"

"Seitdem ‚wir' am Werk sind, haben wir es einfach nicht geschafft", sagte Kimmich und meinte die Generation, die Mitte der 90-er Jahre geboren wurde. Sie soll erreichen, was die etwa zehn Jahre ältere geschafft hat, die 2009 Europameister bei der U21 und fünf Jahre später Weltmeister in Brasilien wurde, jene Generation mit Manuel Neuer, Benedikt Höwedes, Jerômé Boateng, Mats Hummels, Sami Khedira und Mesut Özil. "Der Druck, etwas zu gewinnen, nimmt mit jedem Turnier zu", sagt Kimmich. Auf ihm lastet viel der Verantwortung, genauso will er es aber auch haben.