Einzelkritik - Sané überragt, Neuer als Dribbelkönig

Manuel Neuer im Zweikampf Yuri Kovalev Weissrussland

EM-Qualifikation

Einzelkritik - Sané überragt, Neuer als Dribbelkönig

Von Jo Herold

In einer sehr einseitigen Partie hatten die DFB-Männer gute Chancen, sich und ihre Fähigkeiten zu präsentieren. Viele haben dies genutzt - allen voran Leroy Sané und auch Keeper Manuel Neuer. Es gab aber auch Enttäuschungen.

TOR

Manuel Neuer: Manuel Neuer musste nur einmal sein Können unter Beweis stellen, als Nikita Naumov nach einer Ecke zum platzierten Kopfball ansetzte und den Ball unter die Latte ins Tor befördern wollte. Klasse-Parade von Neuer. Hatte aber seine beste Aktion, als er sich fast an der Eckfahne auf ein Dribbling mit Yuri Kovalev einließ und als Sieger daraus hervorging.

ABWEHR

Jonathan Tah: Empfahl sich in die Stammelf. Zwar war der Leverkusener defensiv nur wenig gefordert, löste seine Aufgaben aber allesamt sehr gut. Schaltete sich häufiger mal in die Offensive mit ein, wurde allerdings bei hohen Flanken nicht gefunden.

Matthias Ginter: Vor allem in der zweiten Halbzeit setzte sich der Gladbacher mehrmals gut ins Szene. Offiziell als rechter Verteidiger in der Dreierkette aufgestellt, konnte Ginter den Platz nutzen, den Joshua Kimmich dank einer offensiveren Ausrichtung im zweiten Abschnitt halbrechts freimachte. Klassezuspiel auf Marco Reus beim 0:2.

Niklas Süle: Kein Stürmer dieser Erde freut sich auf Süle. Der zentrale Verteidiger strahlte eine herausragende Souveränität und Ruhe aus, war bei Ecken kopfballgefährlich und ließ in der Abwehr nichts anbrennen. Herausragendes Tackling bei der einzigen Chance der Weißrussen in der zweiten Halbzeit, als Skavysh mit dem Ball auf Neuer zuging. Feste Bank in der deutschen Abwehr.

MITTELFELD

Lukas Klostermann: Dem Leipziger gelang so gut wie nichts an diesem Abend. Kaum gewonnene Zweikämpfe, unpräzise Flanken, Fehlpässe. Klostermann fiel gegenüber seinen Kollegen gegen den schwachen Gegner (Nr. 81 der Weltrangliste) als Einziger deutlich ab.

Joshua Kimmich: Vor allem im ersten Abschnitt "der Spielmacher" im deutschen Team. Sein Zuspiel auf Leroy Sané beim 0:1 war eine Augenweide, sein Spiel dominant und sehr gewissenhaft. Nachdem Kollege Gündogan in der zweiten Halbzeit weiter nach vorn rückte, war von Kimmich nicht mehr allzuviel zu sehen. Dennoch sehr solider Auftritt des Bayern-Spielers.

Ilkay Gündogan: Stand im Schatten von Kimmich und spielte sehr unauffällig. Ob er weiß, dass er wieder auf die Bank rotiert, sollte Toni Kroos fit sein? Gündogan hielt seinem Doppel-Sechs-Kollegen Kimmich gewissermaßen den Rücken frei, obwohl Weißrussland kaum über die Mittellinie kam. Spielte nach der Pause etwas auffälliger, weil er um eine Position nach vorne aufrückte. Insgesamt aber etwas zu passiv.

Nico Schulz: Der Bald-Dortmunder war viel unterwegs auf der linken Seite, konnte jedoch kaum zur Torgefahr der deutschen Mannschaft beitragen. Vor allem seine Flankenbälle sind zu flach angesetzt und prallen sehr häufig am Gegenspieler ab. Engagierter, aber glückloser Auftritt von Schulz.

ANGRIFF

Serge Gnabry: Tat sich schwer gegen die dichtgestaffelte Abwehr der Weißrussen. Ohne Raum konnte sich Gnabry kaum in Szene setzen. Im Gegensatz zu Leroy Sané wirkte der bullige Gnabry etwas zu schwerfällig.

Gnabry: "Hätten mehr Tore machen können"

Sportschau 08.06.2019 01:23 Min. ARD Von Philipp Weiskirch

Marco Reus: Obwohl Reus auf seiner geliebten linken Offensivposition spielen konnte, war vom Dortmunder in der ersten Hälfte nicht viel zu sehen. In der zweiten Halbzeit suchte Reus häufiger Eins-gegen-Eins-Situationen und strahlte so mehr Gefahr aus. Seinen Treffer zum 0:2 nach Zuspiel von Ginter schoss er extrem cool und souverän nach perfekter Ballbehandlung aus acht Metern unhaltbar ein.

Niklas Süle (l) klatscht den Torschützen Leroy Sane ab

Leroy Sané: Die neue Zöpfchen-Frisur ließ "Tänzer" Sané noch eleganter aussehen. Seine Bewegungen und Körpertäuschungen sind so schnell, dass nur wenige Abwehrspieler ihnen folgen können. So seine Vorbereitung und sein Abschluss beim 0:1, als er nach einer Körpertäuschung mit links aus halbrechter Position ins lange Eck einschoss. War bei vergebenen Chancen genervt, wirkte vor der Pause angeschlagen, als er sich mehrmals an die Leiste fasste. Aber das war nach dem Seitenwechsel vergessen, besonders, als er nach Zucker-Flanke von Ginter den Ball per Kopf an den Pfosten setzte. Eine Augenweide, die Spielweise von Sané.

EINWECHSELSPIELER

Julian Draxler: Kam etwa 20 Minuten vor dem Ende in die Partie, fügte sich nahtlos in die Angriffsbemühungen der deutschen Mannschaft ein, war aber in seinem 50. Länderspiel an keiner gefährlichen Aktion beteiligt.

Julian Brandt: Auch Brandt war sofort präsent, konnte aber in der dem Ende entgegenplätschernden Partie keine Akzente mehr setzen.

Leon Goretzka: Als letzter eingewechselter DFB-Akteur gelang auch Goretzka keine nennenswerte Aktion mehr. Allerdings war er Leidtragender des einzigen heftigen Fouls, für das der Weißrusse Korzun kurz vor dem Ende Gelb sah.

Stand: 08.06.2019, 23:13

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