DFB-Team - In kleinen Schritten auf geradem Weg

Niklas Süle nimmt im Spiel gegen Weißrussland den Ball an

Weißrussland - Deutschland 0:2

DFB-Team - In kleinen Schritten auf geradem Weg

Von Marcus Bark (Borissow )

Kapitän Manuel Neuer sprach schon wieder vom Titelgewinn. Das Spiel in Weißrussland zeigte jedoch, dass die Trainer der deutschen Nationalmannschaft den Weg zurück an die Weltspitze langsam angehen wollen. Vor allem wollen sie die Spieler nicht überfordern.

Über die Schnellstraße "P53" und die Autobahn "M2" ist die Strecke von Borissow nach Minsk in einer knappen Stunde zu schaffen. Es geht über ein paar Kreisverkehre immer geradeaus.

Die deutsche Fußballnationalmannschaft ist, das betonte ihr Kurzzeitchef Marcus Sorg mehrmals, eine Mannschaft "in der Entwicklung". Eine solche Entwicklung, gerne auch mit den Wörtern "Umbruch" und "Prozess" beschrieben, führt in der Regel über Umwege, manchmal muss in einer Sackgasse gedreht werden, ab und an muss auf einen anderen Pfad abgebogen werden.

"Für eine Mannschaft in der Entwicklung wichtig"

Als Sorg in der Nacht zu Sonntag (09.06.2019) mit seinen Spielern von Borissow nach Minsk ins Hotel zurückfuhr, durfte er für sich reklamieren, die Eliteauswahl des DFB auf geradem Kurs gehalten zu haben. "Siege sind für eine Mannschaft in der Entwicklung sehr wichtig", hatte der Assistent des krankgeschriebenen Bundestrainers Joachim Löw vorher gesagt. Das 2:0 gegen ein bestenfalls zweitklassiges Weißrussland war ein glanzloser Pflichtsieg. Es war ein Erfolg, der schnell in Vergessenheit geraten dürfte.

Das 2:0 passte besser in den Entwicklungsprozess einer Mannschaft als ein spektakuläres 5:0, das die Erwartungen potenziert hätte. Wobei es der Kapitän dieser Mannschaft war, der schon vor dem Trip nach Weißrussland die Ansprüche hochschraubte. "Wir wollen im nächsten Sommer angreifen", hatte Manuel Neuer im Trainingslager in Venlo gesagt. Das Desaster des frühen Scheiterns bei der Weltmeisterschaft 2018 schien vergessen, der Abstieg in der Nations League, die Zäsur mit dem Verzicht auf Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller.

Halt im System geben

So forsch wie der Kapitän waren die Trainer nicht, und das zeigte sich in der Grundformation der Mannschaft. Löw hatte in einem Interview mit dem Fachmagazin "kicker" noch gesagt, dass er eine Dreierkette gegen starke Mannschaften in Betracht ziehe, gegen schwächere und defensiv eingestellte Mannschaften solle es aber doch die Viererkette sein.

Weißrussland, das wussten sie beim DFB auch vor dem Spiel in Borissow schon, ist allenfalls zweitklassig. Dennoch bot Sorg auf Anweisung von Löw eine Dreierkette mit den Innenverteidigern Matthias Ginter, Niklas Süle und Jonathan Tah auf. "Wir hatten einen großen Wechsel im Team seit dem vergangenen Jahr. Nach dem tollen Spiel in Holland wollten wir der Mannschaft im System einen Halt geben und es nicht schon wieder wechseln. Die Mannschaft soll über das System Sicherheit bekommen", sagte Sorg.

Gnabry: "Hätten mehr Tore machen können"

Sportschau 08.06.2019 01:23 Min. ARD Von Philipp Weiskirch

Nicht überfordern

Behutsam aufbauen, bloß nicht überfordern, schon gar nicht im Juni, kurz nachdem einige Spieler schon den ersten Urlaub nach der Saison hinter sich hatten: Das war die Devise im Trainerstab. Sorg hielt die Entscheidung für die Dreierkette für "absolut richtig, wenn man gesehen hat, wie präsent Weißrussland im Konter war".

Mit diesem Satz wurde ein Gegner überhöht, dem es an vielem fehlt, vor allem an Tempo. Dennoch bereitete Weißrussland der deutschen Mannschaft ab und an Probleme. Es entstanden freie Räume hinter den beiden sehr offensiv ausgerichteten Außenspielern Nico Schulz und Lukas Klostermann, die beiden zentralen Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan und Joshua Kimmich rückten oft zusammen vor und vernachlässigten dadurch die Absicherung.

An Abläufen arbeiten

Die Abläufe müssten "noch besser werden", sagte Kimmich, der den Abend treffend zusammenfasste: "Es war keine überragende Leistung, aber sie war okay. So ein Spiel tut auch mal gut." Mit wenig Glanz und geringem Aufwand auf der Strecke zu bleiben, war der Nationalmannschaft gelungen. Am Dienstag (11.06.2019) in Mainz gegen Estland geht die Fahrt weiter.

Statistik

Fußball · Qualifikation zur Europameisterschaft · 3. Spieltag 2019/2020

Samstag, 08.06.2019 | 20.45 Uhr

Flagge Weißrussland

Weißrussland

Gutor – Schitow, Naumow, Martynowitsch, Poljakow, M. Wolodko – Majewskij – Gromyko (57. Korsun), Dragun – Laptew (62. Skawisch), Kowalew (69. Gordejschuk)

0
Flagge Deutschland

Deutschland

Neuer – Ginter, Süle, Tah – Klostermann, Kimmich, Gündogan (81. Goretzka), N. Schulz – Gnabry (71. Draxler), L. Sané, Reus (76. Brandt)

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 L. Sané (13.)
  • 0:2 Reus (62.)

Strafen:

  • gelbe Karte Schitow (1 )
  • gelbe Karte Korsun (1 )

Zuschauer:

  • 12.000

Schiedsrichter:

  • Srdjan Jovanovic (Serbien)

Stand: Samstag, 08.06.2019, 22:36 Uhr

Stand: 09.06.2019, 09:45

Darstellung: