Rüdiger vorne und hinten stark - die Einzelkritik

Antonio Rüdiger (Deutschland, 2) kämpft mit Albert Gudmundsson (Island, 10) um den Ball

Fußball | WM-Qualifikation

Rüdiger vorne und hinten stark - die Einzelkritik

Von Christian Hornung

Erneut zeigte Leroy Sané, dass er sich unter Hansi Flick in der Nationalelf sein Selbetvertrauen zurückholt. Gegen Island boten aber auch Antonio Rüdiger und Thilo Kehrer starke Leistungen - Rüdiger sogar vorne und hinten.

Manuel Neuer (Tor): Schwieriges Spiel für einen Keeper, weil sich das Geschehen fast nur in der anderen Hälfte abspielte und dann eine Großchance wie der Schrägschuss von Jóhannesson nach einer Viertelstunde aus dem Nichts kommt. Da war Neuer aber mit einer etwas unkonventionellen Faustabwehr zur Stelle, hatte aber Glück, dass keiner zum Abstauben da war. Ansonsten kaum geprüft und bei einem Pfostenkracher im Glück.

Jonas Hofmann (Abwehr): Schaltete sich wie schon gegen Armenien permanent in die Offensive mit ein, hatte dadurch bei den isländischen Kontern über seine rechte Verteidigerseite ein Riesenlaufpensum zu bewältigen. Vielleicht auch wegen dieser kraftraubenden Aufgabe nahm ihn Flick zur Pause raus.

Niklas Süle (Abwehr): Souveräner Auftritt des in München nicht mehr ganz unumstrittenen Innenverteidigers. Nutzte die Abwesenheit von Matthias Ginter (Corona), um sich bei Hansi Flick nachhaltig für einen Stammplatz zu empfehlen.

Antonio Rüdiger (Abwehr): Defensiv nur selten gefordert, dann aber gewohnt konsequent. Klasse-Kopfball nach dem Freistoß von Joshua Kimmich zum 2:0 - Rüdiger platzierte die Kugel perfekt und unhaltbar ins lange Eck.

Thilo Kehrer (Abwehr): Schaltete sich etwas öfter mit vorn ein als gegen Armenien, machte insgesamt wieder einen sehr stabilen und konzentrierten Eindruck. Der PSG-Verteidiger ist einer der großen Gewinner der ersten drei Flick-Spiele. Nach der Gosens-Einwechslung für Süle wechselte er von links nach innen, bekam im Luftduell am Ende einen üblen Kopftreffer von Isak Jóhannesson ab, hielt aber durch.

Deutschlands Joshua Kimmich (rechts) und Islands Albert Gudmundsson kämpfen um den Ball

Deutschlands Joshua Kimmich (rechts) und Islands Albert Gudmundsson kämpfen um den Ball

Joshua Kimmich (Mittelfeld): Kaum Fehler, stark im Gegenpressing - und mit einem wunderbar dosierten Streichel-Freistoß zum 2:0 durch Rüdiger. Auch das 1:0 durch Serge Gnabry hatte er mit dem "second assist" auf Leroy Sané eingeleitet.

Leon Goretzka (Mittelfeld): Dominanter Auftritt zu Beginn, war sehr engagiert und hatte Pech, dass Halldorsson seinen Flachschuss nach einer knappen halben Stunde noch um den Pfosten lenkte. Ganz stark auch seine Vorbereitung beim 3:0, als er perfekt in den Lauf von Sané spielte. Pech, dass ihm der übereifrige Jamal Musiala durch seine Abseitsposition das Tor zum 4:0 "klaute".

Serge Gnabry (Mittelfeld): Seine überragende Tor-Quote im DFB-Trikot hält an: Auch gegen Island gelang ihm der Führungstreffer, das war nach dem präzisen Querpass von Sané aber eine seiner ganz leichten Übungen.

Deutschlands Ilkay Gündogan (rechts) und Islands Brynjar Ingi Bjarnason kämpfen um den Ball

Deutschlands Ilkay Gündogan (rechts) und Islands Brynjar Ingi Bjarnason kämpfen um den Ball

Ilkay Gündogan (Mittelfeld): Durfte wegen des Ausfalls von Marco Reus auf der Position ran, die er auch bei City so überragend ausfüllt: zentral hinter den Spitzen. Gündogan war auch sehr präsent, an fast allen Angriffen beteiligt, diesmal auch im Umschaltspiel mit dem nötigen Tempo und Zug zum gegnerischen Tor.

Leroy Sané (Mittelfeld): Er kam nervlich angeschlagen und von den eigenen Fans bei Bayern angezählt zur Nationalelf - und dürfte nun vor Selbstvertrauen strotzend nach zweieinhalb Top-Leistungen nach München zurückkehren. Seiner Gala gegen Armenien folgte erneut eine Partie, die er mit prägte: Assist vor dem 1:0, viele weitere starke Aktionen und ein perfekter Laufweg und Abschluss zum 3:0 - brillant.

Deutschlands Timo Werner während des Spiels gegen Island

Deutschlands Timo Werner während des Spiels gegen Island

Timo Werner (Angriff): Ein Auftritt, bei dem Werner-Fans und Werner-Kritiker Argumente satt vorfanden. Sein Tempo riss viele Löcher, sein Forechecking machte das 3:0 möglich, er legte Kai Havertz uneigenützig eine Großchance auf. Aber auch unfassbar, wie er in der 48. Minute eine Riesenchance und vor allem nach gut einer Stunde zwei Meter vor dem leeren Tor das mögliche 4:0 versiebte. Immerhin: Das holte er in der 89. Minute nach Havertz-Pass noch nach.

Lukas Klostermann (ab 46. für Hofmann): Marschierte ähnlich wie sein Vorgänger die rechte Seite rauf und runter, hätte mit seinem Querpass vorm leeren Tor einen Assist verdient gehabt - aber Werner verballerte.

Kai Havertz (ab 46. für Gnabry): Viel zu lässig und ohne Körperspannung bei der Großchance, die ihm Werner in der 55. Minute auflegte. Sammelte auch danach nicht allzu viele Argumente für ein baldiges Startelf-Comeback, ehe ihm dann doch noch der Assist zum 4:0 gelang.

Jamal Musiala (ab 59. für Sané): Total unnötig, wie er bei Goretzkas Abschluss zum möglichen 4:0 meterweit im Abseits stand und dadurch Keeper Halldorsson die Sicht nahm. Sonst aber gewohnt quirlig und aktiv - und am Ende mit einem Zucker-Pass an der Entstehung des vierten Treffers durch Werner beteiligt.

Robin Gosens (ab 59. für Süle): Durfte nach seiner Verletzung aus dem Liechtenstein-Spiel in der letzten halben Stunde wieder mitwirken, vergab eine gute Kopfballchance. Sonst mit der gewohnten Dynamik, ohne aber groß zu glänzen.

Florian Wirtz (ab 80. für Goretzka): Dass Flick wieder Wirtz und nicht etwa Mo Dahoud oder Florian Neuhaus Einsatzzeit gab, dürfte ein Zeichen für die Zukunft sein. In den letzten zehn Minuten fiel er aber weder auf noch ab.

Stand: 08.09.2021, 22:45

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